Deutsch-tschechisches Kulturseminar
Leben und Bräuche das ganze Jahr über und ihre Besonderheiten
Vorstellung von Trachten
Patenkinder der Stadt Aalen waren wieder in ihrer Heimat auf dem Weg der Verständigung unterwegs.
Am 12. August 2017 fand das dritte Seminar in Kutscherau, einem der acht deutschen Dörfer in der ehemaligen Sprachinsel bei Wischau statt. Organisiert wurde es von der Gemeinde Kutscherau, vom  Brauchtumsverein "Wieder belebte Geschichte" und von der Gemeinschaft Wischauer Sprachinsel e.V. Rosina Reim; es stand unter dem Motto "Leben und Brauchtum das Jahr über, Geschichte und Tracht". Die Idee zu dieser Veranstaltung reifte schon sehr lange, denn die Fragen "wer waren unsere ehemaligen Dorfbewohner, welche Kultur hatten sie und wo und wie leben sie jetzt" wurden immer öfters an uns  herangetragen. Wir beschlossen daraufhin, das Leben unserer Vorfahren den interessierten Teilnehmern durch Seminare näher bringen.
Der Bürgermeister des Dorfes stellte uns auch 2017 wieder unentgeltlich den Gemeindesaal zur Verfügung und half bei allen Vor- und Nacharbeiten.  Unsere 20 großen Fototafeln, die über das Leben unserer Vorfahren berichten, vier mitgebrachte Trachtenschautafeln, sowie viel Originaltrachtenteile wurden von Rosina Reim, Norbert Herrling und Leif Andresen gut platziert, damit die breite Palette unserer Objekte übersichtlich und gut vorzustellen war.
Es ist gelungen, tolle Referenten zu gewinnen, die ehrenamtlich für die Verständigung mit uns zusammen arbeiteten.

 

Zweites deutsch-tschechisches Seminar in Kutscherau am 20. August 2016"Gemeinsame Vergangenheit – gemeinsam nach Europa"
Im Jahre 2015 wurde diese Veranstaltung zum ersten Male durchgeführt. Die Resonanz war positiv und der Wunsch nach einer Fortsetzung wurde laut. So haben wir uns entschlossen, auch dieses Jahr wieder ein Programm zu erarbeiten und viele unterschiedliche Leute dazu einzuladen. Der Bürgermeister des Dorfes stellte uns den Gemeindesaal zur Verfügung und war auch bei der Installation der Ausstellungsobjekte behilflich.
Die Teilnehmer trafen am Samstag pünktlich in Kutscherau ein und warteten gespannt auf den Beginn. Der Bürgermeister begrüßte alle Teilnehmer sehr herzlich, welche Frau Swobodnik im Anschluss persönlich vorstellte. Dann folgte ein Film über die Vertreibung aus der Sprachinsel, von TV Axel im Jahre 2009 gedreht. Man spürte und sah, wie aufmerksam der Film angeschaut,  denn er wurde ja hier vor Ort gedreht.  Neben vielen Szenen aus den Dörfern sprechen deutsche und tschechische Personen aus der Erlebnisgenration über die dramatischen Ereignisse in den Jahren 1945/1946.
Rosina Reim als Vertreterin der Gemeinschaft Wischauer Sprachinsel nahm zuerst Bezug auf den Film und auch auf die Rede des tschechischen Kulturministers Daniel Hermann; sie drückte ihre Freude darüber aus, dass wir aus der Vergangenheit lernen und uns für eine friedliche Welt einsetzen sollten. Es folgten die Aktivitäten unserer Gruppe in Deutschland vom August 2015 bis heute in Wort und Bild. Das Interesse an dieser Präsentation war groß, denn alle wollten wissen, wie wir hier leben und wie wir unsere ehemalige Kultur, unser Brauchtum und unsere Tracht in die Welt hinaus tragen.
Der Bürgermeister von Rosternitz und Irena Dvorakova als Vertreterin des Vetrnik, erzählte über unsere Zusammenarbeit, über die vielen unterschiedlichen Gruppen, die ihr "original renoviertes deutsches Haus" besuchen und  sie immer über unsere Geschichte aufklärt. Als sie das Haus Kutscherau 12 kaufte, wusste sie nicht, dass es ein deutsches Haus war, es gefiel ihr einfach sehr gut. Ab diesem Zeitpunkt war sie sehr interessiert an allem, was mit uns Deutschen zusammenhängt. Es kommen auch Schulklassen dorthin und sie erzählte, wie interessiert die Kinder für diese Sache sind. Sie stellen immer wieder Fragen, und jetzt wurde Frau Dvorakova auch in die Schulen eingeladen, um darüber zu sprechen. Sie stellt auch immer wieder klar, dass die vielen deutschen Busse nicht irgendwelche Besucher sind, sondern die Menschen, die einmal hier gelebt haben. Darüber sind die Kinder sehr überrascht und nachdenklich. Wir sind froh, dass wir diese gute Botschafterin haben! Der Bürgermeister sprach über seine Beziehungen zu uns, und stellte fest, dass es zu Beginn seiner Amtstätigkeit immer wieder hintergründige Fragen zu diesem Thema gab, doch echte Schwierigkeiten gab es nie. Unsere zweisprachige Ausstellung im ersten Stock des Gemeindehauses Rosternitz wird gut angenommen; viele Besucher kennen das alte Dorfleben nicht mehr, und so ist für alle "das alte" sehr interessant!. Der Jugendaustausch zwischen Aalen und der Sprachinsel begann im Jahre 2013 anlässlich eines Besuches des Oberbürgermeisters unserer Patenstadt Aalen. Für die Kinder und Jugendlichen von 6 – 25 Jahren ist es gut, sich auszutauschen, eine kurze Zeit zusammen zu leben und vieles gemeinsam zu erleben.
Sehr viel Beachtung fand der Programmpunkt "Straimelputz". Dieser besondere Putz, den man in den alten Sölderhäusern der Sprachinsel verwendete, wurde wieder belebt. Die Besitzer der Häuser Kutscherau 12 und Lissowitz 33 arbeiten beide mit dieser alten Methode, und haben aus ihrem Hobby einen Beruf gemacht. Zuerst wurde bei den alten Gebäuden an vielen Stellen der vorhandene  Putz abgekratzt, damit man den Aufbau und die Zusammensetzung sehen konnte. Durch diese Erfahrung wurden dann Lehm, Stroh und Wasser gemischt und an der Wand angebracht; ebenso viele überlieferte Ornamente. Später wurde noch etwas Sand dazugegeben, weil das länger an den Wänden hält. Schritt für Schritt wurde weiter entwickelt, so dass heute in vielen Teilen der Tschechischen Republik und anderen Ländern diese alte deutsche Technik angewendet werden kann. Voraussetzung hierfür sind natürlich "gute Lehrmeister"!
Nach dem Mittagessen kam noch ein Sattlermeister zu uns, der uns die alte Technik praktisch vorführte. Im Anschluss daran folgte der Punkt Tatsachenberichte-Vergangenheitsbewältigung. Es kamen mehrere Personen zu Wort, wie sie die schrecklichen Ereignisse erlebt, verarbeitet und später in diesem Gebiet weiter gelebt haben, bzw. was ihre Vorfahren darüber berichteten – oder wie sie schwiegen.  Es waren ergreifende und zu Herzen gehende Schilderungen, sowohl auf tschechischer als auch auf deutscher Seite.
Am Ende war es bei allen ein herzlicher Abschied und es wurden bereits Pläne für 2017 abgegeben. Die Organisatoren waren sich einig: "Es war eine gute Sache". RR

 

Gemeinsame Vergangenheit – Gemeinsame Zukunft
so lautete das Motto einer ins Leben gerufenen, kulturellen Veranstaltung zur deutsch-tschechischen Verständigung am 22. August 2015 in Kutscherau. Der Grund für dieses Projekt waren  viele Interessenten mit Fragen in die deutsche Vergangenheit. Bürgermeister Bacovsky unterstützte uns und stellte die perfekten Räumlichkeiten und alle technischen Geräte zur Verfügung. Wir waren bis zuletzt sehr gespannt, wie diese Veranstaltung angenommen wird – und wir wurden nicht enttäuscht. Historiker, Lehrer, Museumsfachleute, allgemein Interessierte und nicht zuletzt verbliebene Deutsche und ihre Nachkommen fanden den Weg zu uns. Kristina Swobodnikova übernahm alle Vorbereitungsarbeiten vor Ort und sandte bereits im Voraus allen Angemeldeten ein ausführliches Schreiben mit geschichtlichem Hintergrund zu. So konnte sich jeder Teilnehmer schon vorher auf das Thema einstimmen. Wir erhielten auch die Möglichkeit, unsere 20 Ausstellungstafeln über Wischauer Leben und Brauchtum im Tagungsraum aufzustellen. Der 22. August war ein wunderschöner Sommertag und alle Teilnehmer trafen pünktlich ein.
Bürgermeister Vlastimil Bacovsky begrüßte die Anwesenden sehr freundlich und leitete sofort zum Programm über. Rosina Reim begrüßte zu Beginn ihres Referates abermals alle Anwesenden und bedankte sich bei den Referenten für ihr ehrenamtliches Mitarbeiten. Sie betonte sogleich, dass dies keine politische Veranstaltung sei, denn „schon immer waren nicht die Kriegszeiten, sondern die friedlichen Zeiten die besseren“.
Rosina Reim begann über das Leben aus ihrer Familien zu berichten, über ihre unbeschwerte Kindheit in Rosternitz, über die Kriegszeiten in ihrer Familie und in ihrem Heimatdorf und nicht zuletzt über die Vertreibung von Rosternitz über Wischau, Brünn und Prag bis zur Grenze nach Taus. Dann landete die Familie – ohne Vater – bei einem Bauern in einem kleinen niederbayerischen Dorf. Bei der Ankunft in der neuen Heimat wurde die Familie oft aufgrund der bunten Tracht als Zigeuner betitelt, doch durch die vielen Gemeinsamkeiten mit den bayerischen, bäuerlichen Hausbesitzern, dem tiefen Glauben und dem gegenseitigen Respekt wuchs bald das Verständnis füreinander. Es wurde Schritt für Schritt wieder ein neuer Familienmittelpunkt geschaffen, jedoch dabei die verlorene Heimat nie vergessen. . Die große  Spannung im Raum war förmlich zu spüren. Danach folgte die Vorstellung aller Tätigkeiten in der Gemeinschaft Wischauer Sprachinsel, die bis heute die Kultur bewahrt und sich stets für Frieden, Freiheit und Verständigung einsetzt. Sie nannte auch die Namen aller Vorsitzenden und ihre Heimatdörfer. 12 Diplom- bzw. Doktorarbeiten über die Sprachinselgeschichte, geschrieben von jungen Menschen aus Tschechien, Deutschland, Österreich und England wurden vorgestellt. Mit dem Hochzeitsfilm in Kutscherau aus dem Jahre 1939 wurde das Referat beendet!
Kristina Swobodnikova erzählte aus ihrem Leben in Wischau in einer deutschen Familie und wie ihr mit 5 Jahren das erste Mal bewusst wurde, dass ihre Familie anders ist als die ihrer Freundinnen. Ihr Vater erklärte dann, dass ihre Familie deutsch sei, aber dass man darüber nicht viel reden solle. Zuhause wurde immer Mundart gesprochen und Kristina beherrscht sie heute noch. Eine intensive Kontaktpflege mit den Sprachinslern war ihrem Vater nicht wichtig, weil er meinte, die Folgegeneration hat später sicher kein Interesse mehr an der Geschichte. Die Familie wurde nicht vertrieben, weil  man sie als gute und billige Arbeitskräfte im Land benötigte. Ein großes Problem, deutsch zu sein, hatte Kristina nur einmal in ihrem Leben; sie wollte Bibliothekarin studieren, doch das wurde nicht genehmigt, weil sie Deutsche war und den Glauben praktizierte. Kristina erfuhr nie viel über ihre Verwandtschaft und das hat sie zunehmend angespornt, danach zu forschen. Die Teilnehmer wurden abschließend noch über die vielen Möglichkeiten der Spurensuche in der Tschechischen Republik informiert. Kristina selbst benutzt zu dem auch noch unseren WHB und das Buch „Wo sind sie geblieben“.
Das Mittagessen wurde im Dorfgasthaus eingenommen und während dieser Zeit wurden interessante Gespräche geführt und neue Kontakte geknüpft.
Ing. Edita Vlckova, Architektin, hat in Wort und Bild über ihr Leben mit einer sechsköpfigen Familie im alten, denkmalgeschützten Sölderhaus Lissowitz 33 berichtet. Im Jahre 2000 kaufte die Familie das Haus, aber erst viel später erfuhr sie, dass hier früher deutsche Menschen wohnten, die 1946 vertrieben wurden. Die bestehenden guten Beziehungen des Vorbesitzers zu den ehemaligen deutschen Bewohnern wurden ganz selbstverständlich übernommen. Das ganze Haus wurde renoviert, das Dach wieder mit Stroh eingedeckt, und an den Wänden der Straimelputz aufgetragen. Eine perfekte Dokumentation des früheren Zustandes und die gute Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz waren ihnen immer eine sehr gute Hilfe bei den ausführenden Arbeiten. Ihr Mann konnte durch diesen Umbau in einen neuen Beruf einsteigen; er hilft bei Restaurierungen, sei es beim Arbeiten mit Lehmputz, Ziegeln brennen, Straimelputz auftragen uvm. Edita Vlckova nennt Lissowitz  „ein Wohnen mit den Wurzeln“ und  sie spürt, dass in diesem Haus eine ganz  besondere Aura herrscht. Sie pflegt das „deutsche Vermächtnis“ und freut sich immer, wenn Gäste sie besuchen. Ein Besuch ist jederzeit möglich!
Die Vorfahren von Vlastimil Bacovsky, Bürgermeister von Kutscherau, lebten in der Ukraine. Er erzählte ausführlich, dass seine Eltern nach den Kriegswirren zuerst in Franzensbad lebten. Dort wurde er im Jahre 1965 geboren, doch als sein Vater im Jahre 1970 verstarb, zog die kleine Familie nach Kutscherau. Er fühlt sich in diesem ehemals deutschen Dorf sehr wohl und ist hier zu Hause. Seit 2010 ist er Bürgermeister des Ortes und freut sich immer, wenn deutsche Besucher kommen, denn er interessiert sich für alles rund um die Geschichte des Dorfes. Im Jahre 2015 wurde auf dem Dorfplatz eine Linde für alle verstorbenen Einwohner des Dorfes vom Jahre 1235 bis 2015 eingepflanzt.
Gemeinsam besuchten wir als letzten Programmunkt das neu renovierte Sölderhaus Nummer 12 in Kutscherau. Die privaten Eigentümer Irena und Honza Dvorak haben in jahrelanger, privater und mühevoller Arbeit dieses Haus im alten Zustand wieder fertiggestellt. Honza Dvorak führte fachkundig durch das gesamte Objekt. Im Erdgeschoß ist alles mit altem Material erneuert worden; im ersten Stock kann man eine Präsentation mit deutschen Ausstellungsstücken bewundern. Die Gebäude im Hof, der Garten, der Keller und die Scheune wurden ebenfalls für die Besucher geöffnet und vorgestellt. Das Interesse war sehr groß. Das Haus steht auch hier jederzeit allen Besuchern zur Besichtigung - nach vorheriger Anmeldung - offen. Die Bewertungsbogen zeigten positive Resonanzen dieser Veranstaltung und alle Teilnehmer waren sich einig, dass dies im nächsten Jahr wiederholt werden solle. Rosina Reim, Kristina Swobodnikova und Irena Dvorakova,  die Organisatoren freuten sich über alle positiven Rückmeldungen. Rosina Reim (Fotos siehe Bilderstrecke unter Aktuelles)

 

 

„Regionalgeschichte zum Anfassen“,
unter diesem Motto veranstaltete das Walther Hensel Begegnungszentrum in Mährisch Trübau vom 12. bis 14. Juni 2015 in Zusammenarbeit mit der Heimatpflegerin der Sudetendeutschen ein Fortbildungsseminar über die deutsch-tschechische Regionalgeschichte mit den Gebieten Kulturgeschichte, traditionelle Volksbräuche, Volkslieder, Erweiterung der landeskundlichen Kenntnisse und Wissensvermittlung im Rahmen des Unterrichtes und der Schülerprojekte. Ich wurde dorthin als Referentin eingeladen, um deutsches Brauchtum vorzustellen. Für mich war es eine kleine Herausforderung, doch die Vielfalt unseres überlieferten Brauchtums machte mir die Entscheidung einer Zusage leicht.
Nach der langen Anreise traf sich am Freitagabend die gesamte Gruppe zum ersten Mal. Es waren durchweg tschechische, junge Deutschlehrer anwesend. Wir stellten uns alle gegenseitig vor und Frau Dr. Finger referierte als erste sogleich über Sagen aus dem Schönhengstgau. Überlieferungen über die Entstehung des Schönhengstgaues kamen bei den jungen Teilnehmern ebenso gut an wie die vielen schauderhaften und hintergründigen Sagen der Referentin.
Am Samstagvormittag spannte ich den Bogen über unsere vielen Bräuche im Laufe eines Jahres bis hin zu unserer besonderen Tracht. Diese Bräuche und der tiefe Glauben der Dorfbewohner prägten das Dorfleben intensiv mit. Vieles klingt heute schon sehr unrealistisch, doch 70 Jahre und mehr zurück war das einfach so. Ich konnte viel über das Leben in unserer Sprachinsel berichten und stieß auf sehr interessierte Zuhörer, zumal die meisten Teilnehmer dieses kleine deutsche Gebiet vor 1945 nicht kannten.
Eine Exkursion am Nachmittag ging in das nationale Kulturdenkmal Schloss Lysice. Es war einst der Sitz der Familie Dubsky, aus der Marie von Ebner-Eschenbach entstammte. Anschließend erfolgte der Besuch der Grotte der Ritter von Blanice in Rudka. Der Laienkünstler und Freizeit-Steinmetz Stanislav Rolínek (1902–1931) schuf in den 1920er Jahren einige unterirdische Sandsteinskulpturen der sagenhaften schlafenden Blanícer Ritter. Dieser Ort wurde zu einer überregionalen touristischen Attraktion und ist für eine Besichtigung sehr empfehlenswert.
Das Abendprogramm sah noch eine Gesangsstunde mit deutschen Volksliedern vor. Die jungen Lehrer führten interessante Gespräche untereinander, über ihren Lehrplan und über ihre Erfahrungen von den bereits früher stattfindenden Deutsch-Seminaren.
Am Sonntagvormittag führte ich noch unseren „Heimatfilm von 1939“ über Brauchtum in der Sprachinsel vor. Dieses alte, aber doch einmalige Dokument aus unserer Heimat ist immer wieder etwas Besonderes und regte die Zuschauer am Ende zu intensiven Fragen an.
Auf der langen Heimreise dachte ich noch viel über dieses Wochenende nach. Ich war sehr froh, dass ich unsere Kultur und das Brauchtum auch an die jungen Menschen weiter geben konnte, denen die Wischauer Sprachinsel bis dato unbekannt war. Rosina Reim (Fotos siehe Bilderstrecke unter Aktuelles)

 

 

"Wallfahrt der Versöhnung“ oder „Brünner Lebensmarsch“ 32 Kilometer vom Massengrab Pohrlitz nach Brünn.
 „Michaela Mutl ist überrascht – und auch ein bisschen stolz. Am 30. Mai 2007 war die junge Tschechin gemeinsam mit zwei Freunden von der südmährischen Stadt Brünn 32 Kilometer weit in die Gemeinde Pohrlitz marschiert, wo unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg ein Sammellager für die vertriebene deutsche Zivilbevölkerung stand. Was als Gedenkmarsch dreier Studenten auf den Spuren der Vertriebenen begann, wurde am Samstag, 30. Mai 2015, dem 70. Jahrestag des Brünner Todesmarsches, zur großen "Wallfahrt der Versöhnung". Etwa 300 Menschen machten sich auf den Weg, diesmal in umgekehrter Richtung, von Pohrlitz nach Brünn. Weitere stießen unterwegs dazu, bei der Brünner Schlusskundgebung waren es laut Schätzungen mindestens 700. (Prag Aktuell 1.6.15)“
Mitte Mai erhielt ich eine persönliche Einladung des Primators der Stadt Brünn für die Veranstaltung zum Gedenken an den Brünner Todesmarsch vor 70 Jahren. Ich musste nicht lange überlegen, denn mir war es sehr wichtig, unsere Wischauer Gemeinschaft bei einem so historischen Ereignis zu vertreten und so fuhr ich am Freitag, 29.05.2015 nach Brünn.
Am Samstag früh versammelten sich ca. 300 Teilnehmer beim Schwarzen Kreuz in Pohrlitz. Mit dabei waren viele junge Familien. Jan Hanak, katholischer Priester, der heute die ehemaligen Sprachinseldörfer betreut und einer der Hauptorganisator dieser Veranstaltung war, begrüßte zu dieser Fußwallfahrt sehr herzlich,  gedachte der vielen Toten vor 70 Jahren und sprach sein Bedauern darüber aus. Er „wolle alle hier Versammelten auf den 32 km langen Fußmarsch mitnehmen, um symbolisch die Deutschen wieder nach Brünn zu führen“. Eine evangelische Pfarrerin begrüßte ebenfalls die Teilnehmer und der Repräsentant der sudetendeutsch-katholischen Ackermann-Gemeinde in Prag und Probst des Prager Vyšehrad, Monsignore Anton Otte, unser deutscher Heimatpriester, sagte zu der Versöhnungswallfahrt: „Wir wollen den entehrten Opfern Ehre erweisen und um Vergebung ringen. Wir wollen aber auch zur Wachsamkeit mahnen und auch für die beten, welche nicht verzeihen können.“ Zum  Schluss wünschte er uns allen ein gutes Durchhaltevermögen bis Brünn. Alle drei Priester segneten die Wallfahrer gemeinsam und gaben sogleich das Startzeichen. Ich machte mich – zusammen mit überwiegend Jugendlichen  aus der Tschechischen Republik - auf den Weg. Eine deutsch sprechende Dame aus dem Begegnungszentrum Brünn, unter der Leitung von Frau Hanna Zakhari, war meine Begleiterin. Ihre Vorfahren waren deutsch und für sie war es ebenfalls ein großes Anliegen, hier dabei zu sein. Ich stellte fest, dass bereits in Pohrlitz viele Menschen am Straßenrand standen und wohlwollend den Marschierern nachschauten. Was dachten die wohl? Wir gingen genau den Weg, den vor 70 Jahren die aus Brünn vertriebenen Deutschen gehen mussten und ich dachte immer wieder an die vielen Gräueltaten und Ungerechtigkeiten. Die Sonne schien vom wolkenbedeckten Himmel und die Natur zeigte ihr schönstes Kleid. Am Wegesrand bot sich uns zu den vielen Grün-Nuancen ein buntes Bild: blaue Kornblumen, roter Klatschmohn, weiße Margeriten und gelber Raps. Das Schritt-Tempo war zügig und ich redete mir zwischendurch immer wieder ein: „das musst du schaffen“.
Die erste Station nach 10 km war Ledce. Dort stand ein Bus bereit, der die ersten müden Pilger einsammelte und nach Brünn brachte. Wir anderen gingen im forschen Tempo weiter und ich erfuhr von meiner Mitpilgerin viel Neues über Brünn, über ihr Leben und das ihrer Familie mit deutschen Wurzeln.
Die große Mittagspause war nach 17 km in Raigern – und für alles war hier gesorgt. Ein Buffet mit Wasser, Obst sowie belegten Semmeln und Brot stand für uns bereit. Ein naheliegendes Cafe sorgte für weitere Getränke bzw. Mahlzeiten. Den meisten Wallfahrern aber war eine Ruhepause sehr wichtig; sie ließen sich im grünen Gras nieder und gönnten ihren strapazierten Füßen etwas Ruhe. Es war für mich an dieser Stelle ein erhebender  Moment, denn ich sah geballt die vielen Menschen, denen alle die wahre Aufarbeitung der Geschichte sehr am Herzen liegt. Am Straßenrand standen wieder Busse bereit, um die Pilger mitzunehmen, denen die Strecke zu beschwerlich wurde. Ich reihte mich erneut in die Prozession ein, und ließ meine Gedanken kreisen – ich dachte an die Menschen vor 70 Jahren. Wie schwer war es doch für sie, ohne persönliche Schuld hier zu gehen, gedemütigt, immer die tschechischen Bewacher an der Seite, nichts zu Essen und zu Trinken und die ungewisse Zukunft vor Augen? „Wir haben doch nichts getan! Warum nur - nur weil wir Deutsche sind??“ Die Fragen blieben im Raum stehen. Von einer Überlebenden erfuhr ich bereits am Morgen vor der Wallfahrt, dass sie an dem sehr heißen Fronleichnamstag 1945 zwei Kleider und einen Mantel übereinander tragen musste, denn nur die Dinge am eigenen Leib wurden nicht weggenommen.
Ab Raigern war es nicht mehr möglich den ehemaligen Leidensweg entlang zu  gehen, weil dieser nicht mehr begehbar ist. Auf diesem Streckenabschnitt überraschte uns ein von Donner begleitetes, kurzes aber heftiges Hagel-Regenwetter. Wir waren bis auf die Haut durchnässt; die Sonne zeigte sich aber bald wieder, um mit ihren wärmenden Strahlen unsere nassen Kleider zu trocknen. Wir kamen unserem  nächsten Ziel Mödritz immer näher. Hier waren bereits 24 km geschafft. Dort angelangt, gab es für uns wieder eine Erfrischung, Obst und kleine Süßigkeiten. Die Stimmung unter den Pilgern war gut; meist waren tschechische Laute zu vernehmen und man konnte auch feststellen, dass die Leute, welche den Bus nach Brünn bestiegen, durch andere ersetzt wurden, die nur ein oder zwei Abschnitte gehen wollten oder konnten. Meine Begleitung und ich gingen tapfer Schritt für Schritt, manchmal schmerzten die Füße und dann wieder der Rücken – doch wir wollten beide durchhalten, gerade jetzt, wo das Ziel Brünn schon sehr nahe lag.
Die letzte Rast war in Brünn beim Gymnasium an der Wienergasse und sie war schon ganz anders. Neben einer Erfrischung wurden wir mit Musik in einem Open-Air-Cafe empfangen. Herren in dunklen Anzügen, viel Prominenz und Geistlichkeit, allen voran der Oberbürgermeister Petr Vokřal und Bischof Vojtěch Cikrle  reihten sich ab hier in den Gedenkmarsch ein; ebenfalls dabei waren die Botschafter  von Tschechien, Deutschland und Österreich, die Führungsspitze der Sudetendeutschen Landsmannschaft München und die beiden Oberbürgermeister von Stuttgart und Schwäbisch Gmünd. Auf dieser Reststrecke erklangen alle Glocken der Stadt und  man spürte schon sehr emotionale Gefühle. Wir gingen vorbei am Kloster der Barmherzigen Brüder und die Reihe der Menschen wurde immer dichter und länger, bis wir schließlich im Mendelschen Klostergarten angelangten. Hier begrüßte uns ein Chor aus Österreich. Wir standen dicht an dicht und hörten den Reden von Pfarrer Jan Hanak, Primator Petr Vokřal und Bischof Vojtěch Cikrle  zu. Jan Hanak wies nochmals auf die Wichtigkeit dieses Anlasses hin und rief alle Menschen zu einem guten Miteinander in Zukunft auf. Krieg und das Elend vom Jahre 1945, wie der Brünner Todesmarsch, darf sich nie mehr wiederholen. Primator Vokřal las die „Deklaration zur Versöhnung und einer weiteren gemeinsamen Zukunft“ in tschechisch und deutsch vor. Bischof Cikrle sprach ebenfalls sehr eindeutige Worte zu dieser unmenschlichen Tragödie und sah die gemeinsame Zukunft im friedlichen Zusammenleben zwischen den Nationen als richtungsweisend. Beim Mahnmal, welches an den Todesmarsch erinnert, wurden von allen Teilnehmern zum Abschluss kleine Teelichter aufgestellt.
Ich verabschiedete mich von meiner Begleiterin und fuhr ins Hotel. Die Müdigkeit verflog ziemlich schnell und nach kurzer Zeit war ich wieder topfit, um dem  Konzert der barocken Musik in der Altbrünner Kirche, Basilica Minor, beizuwohnen -  es war ein Hochgenuss.
Der endgültig letzte Programmpunkt war schließlich ein Empfang im Garten des Augustinerklosters. Es war ein tolles Buffet angerichtet und man hatte neben dem leiblichen Wohl die Möglichkeit, viele Gespräche mit den anwesenden Leuten aus nah und fern zu führen. Dieser besondere Tag endete kurz vor Mitternacht! Er wird für mich unvergesslich bleiben; ich glaube fest daran, dass die Hoffnung auf Frieden, Versöhnung und Zusammenleben durch dieses historische Ereignis wieder ein großes Stück vorangekommen ist. Rosina Reim (Fotos siehe Bilderstrecke unter Aktuelles)

DEKLARATION ZUR VERSÖHNUNG UND EINER GEMEINSAMEN ZUKUNFT

In diesem Jahr gedenken wir des 70. Jahrestages der Beendigung des Zweiten Weltkrieges – der gröβten Tragödie der Menschheit in ihrer Geschichte. Während der Jahre 1939 – 1945 kam es zur Besetzung unserer Länder durch die deutsche Wehrmacht und zur Verfolgung der tschechischen Bevölkerung.
Nach der Befreiung Brünns, ordnete auf Beschluss des Landesnationalausschusses vom 30.Mai 1945 der Nationalausschuss von Groß-Brünn in den Nachmittagsstunden an, dass sich sämtliche deutschsprachigen Brünner am selben Tag um 22 Uhr am Mendelplatz versammeln müssen.
In der Nacht und gegen Morgen wurden sie von bewaffneten Revolutionsgarden und Militäreinheiten aus der Stadt geführt. Diese Gruppe von etwa zwanzigtausend Personen erfuhr einen unendlichen Marsch in der Richtung zu der österreichischen Grenze. Ohne Essen, ohne Wasser, ohne medizinische Betreuung, ohne Grundhygiene, ohne Rast. Laut Augenzeugen starben unterwegs viele an Erschöpfung, viele an Epidemien, die sich im Pohrlitzer Lager verbreiteten; manche wurden von bewaffneten Begleitern erschlagen oder erschossen. Von diesem „Racheakt“, der eine Vergeltung für Nazi-Verbrechen sein sollte, wurden aktive Teilnehmer dieser Verbrechen nur nebenbei betroffen. Die Aktion war vor allem gegen Frauen, Kinder und alte Menschen gerichtet, die eine überwältigende Mehrheit der Marschteilnehmer bildeten. Unter den Vertriebenen waren außerdem auch viele Tschechen und deutsche Antifaschisten. Diese Maßnahme ging in die Geschichte als sogenannter „Brünner Todesmarsch“ ein. Wir sind uns der unfassbaren und ungeheuerlichen Verbrechen, die das Naziregime beging bewusst. Zugleich nehmen wir jedoch wahr, dass ein Leid immer Leid bleibt, zu jeder Zeit und unabhängig von wem verursacht. Wir als Mitglieder der heutigen politischen Vertretung der Stadt verurteilen sämtliche 1939 bis 1945 begangenen Verbrechen und wollen am siebzigsten Jahrestag dieser Brünner-Ereignisse aller Opfer gedenken und sie ehren, um dadurch zum Prozess der Auseinandersetzung mit dem Unrecht beizutragen, das einen erheblichen Teil der damaligen Zivilbevölkerung Brünns betraf. Unser Anliegen ist die Versöhnung und eine gemeinsame Zukunft. Deshalb wenden wir uns an ehemalige und gegenwärtige Brünner mit folgenden Botschaften:

Die erste Botschaft ist an diejenigen gerichtet, die von der gewalttätigen Vertreibung betroffen waren. Es ist die Botschaft der Versöhnung.

Die zweite Botschaft richtet sich an uns, heutige Brünner, die in überwiegender Mehrheit nichts Gemeinsames mit diesen Geschehnissen haben, die sich hier vor siebzig Jahren ereigneten. Es geht nicht um Selbstbeschuldigung, sondern um Verantwortung für das heutige und künftige Zusammenleben von Menschen unterschiedlichster kultureller oder ethnischer Herkunft. Diese Botschaft gibt die Hoffnung, dass sich nichts Ähnliches wiederholen wird, solange wir uns das Bewusstsein von der Unannehmbarkeit der genannten Untaten bewahren und im Stande sind, eine offene Haltung dazu einzunehmen. Es ist die Botschaft für eine gemeinsame Zukunft.

Die Stadt Brünn bereut aufrichtig die Geschehnisse vom 30. Mai 1945 und den nachfolgenden Tagen, als tausende Menschen aufgrund des angewendeten Kollektivschuldprinzips oder aufgrund ihrer sprachlichen Zugehörigkeit zum Verlassen der Stadt gezwungen wurden. Wir sind uns bewusst, welche menschliche Tragödien sowie Kultur- und Sozialverluste damals passierten. Wir äußern die Hoffnung, dass es aufgrund der Kenntnis der historischen Ereignisse und deren Folgen nicht mehr möglich sein kann, dass sich ähnliche Begebenheiten in Brünn wiederholen, und dass wir die Mai-Geschehnisse 1945 in unserem Gedächtnis als unseliges Memento behalten werden. Wir äußern ebenfalls den Wunsch, dass sämtliches früheres Unrecht vergeben werden kann und dass wir uns – von der Vergangenheit nicht mehr belastet und in gegenseitiger Zusammenarbeit – zu einer gemeinsamen Zukunft wenden.

 

 

Jugend trifft sich
Unsere Patenstadt Aalen schickte im Juli 2013 eine Einladung an Bürgermeister Roman Petrik, Rosternitz als Ansprechpartner, um Jugendliche einzuladen. Es ist daran gedacht, im Sinne eines zusammenwachsenden Europas, künftig öfters solche Begegnungen zu organisieren. „Mit dem Austausch will man nicht nur einen freundschaftlichen Umgang zwischen Deutschen und Tschechen pflegen, sondern auch an die Tradition der Wischauer in Mähren erinnern, denn die steht nicht in den Schulbüchern in Tschechien“, so war in den Aalener Nachrichten zu lesen.
Am Mittwoch, 7. August 2013, trafen sechs Jugendliche im Alter von 13 bis 18 Jahren mit Roman Petrik und einem Dolmetscher aus Lissowitz im Aalener Weststadtzentrum ein. Die jungen Gäste schliefen in der Turnhalle und wurden von deutschen Jugendlichen betreut und umsorgt. Der Jugendpfleger der Stadt Aalen, Reiner Peth, erstellte das Programm und begleitete die Gruppe von Anfang bis zum Ende ihres Besuches. Oberbürgermeister Martin Gerlach begrüßte als ersten Programmpunkt die Gäste persönlich im Rathaus Aalen. Ein Stadtführer unternahm mit  ihnen später einen Stadtrundgang und erklärte ihnen die Stadt mit ihren vielen Schönheiten und Besonderheiten. Die Jugendlichen badeten in den Limesthermen und besichtigten den „Tiefen Stollen“. Die Abende wurden mit Karaoke, Tanz und anderen gemeinsamen Unternehmungen sowie mit Verständigungsarbeit ausgefüllt.
Am Samstag fand dann der Besuch in unserem Wischauer Informations- und Begegnungszentrum Fachsenfeld statt. Wir erwarteten die jungen Gäste mit Spannung und stellten uns praktisch als „ihre Vorfahren“ in den ehemals deutschen Dörfern vor. Sie waren an uns und unserer gemeinsamen Geschichte sehr interessiert. Wir führten ihnen viele besondere Objekte, die praktisch aus ihrer Heimat stammen, vor und sicher regte der eine oder andere Gedanke und Gegenstand zu einem tieferen Nachdenken an. Unser Ehrenvorsitzender Josef Legner führte vor Augen, dass „wir heute 80- bis 85jährigen genau in dem gleichen Alter waren wie ihr, als wir unsere Heimat verlassen mussten!“ Unser reichhaltiges Archiv wurde vorgestellt und durch die vielen Fotos, die immer wieder gemacht wurden, wandern diese Andenken wieder zurück in unsere Heimat.
Wir erklärten der Gruppe das Motto unserer Arbeit „Frieden, Freiheit und Verständigung“; damit wollen wir einen kleinen Teil dazu beitragen, dass sich ein Schicksal wie das unsere nicht mehr wiederholt und Menschen einfach entwurzelt werden“. Alle trugen sich namentlich in unser gelbes Band ein und bezeugten damit, dass sie mit uns einen gemeinsamen Weg gehen wollen. Die kleine Brotzeit und die persönlichen Gespräche in lockerer Runde war für alle Beteiligten ein schönes und freundschaftliches Erlebnis.
Nach dieser Begegnung in unserem IBZ wurden wir gemeinsam mit den tschechischen Gästen zu einer Besichtigung von Schloss Fachsenfeld sowie des Schlossparks eingeladen. Herr Dr. Schurig, Archivar der Stadt Aalen, nahm sich viel Zeit auf seinem Rundgang durch den herrlichen Schlosspark, in welchem sogar Mammutbäume sowie viele seltene Sträucher und Bäume wachsen und bewundert werden können. Die im Jahre 2012 gemeinsam mit der Patenstadt Aalen, den tschechischen Gästen aus den ehemals deutschen Dörfern der Wischauer Sprachinsel und unserer Gemeinschaft eingepflanzte Duglasie als sichtbares Zeichen eines besseren Verständnisses ist gut angewachsen und schon ein Stück größer geworden. Das kulturhistorisch wertvolle Schloss mit seinen bedeutsamen Kunstschätzen wurde unter Führung von Herrn Dr. Schurig mit viel Aufmerksamkeit besichtigt. Die Geschichte von Schloss Fachsenfeld reicht bis in das 16. Jahrhundert zurück.
Nach diesem vielfältigen und interessanten Tag verabschiedeten sich die Wischauer in Deutschland von den Jugendlichen in unseren ehemaligen deutschen Dörfern und wünschten gute Reise! Rosina Reim

Fotos Radek Matyas

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Verständigungsbereitschaft wächst
„Leben und Kultur In der deutschen Sprachinsel bei Wischau“, unter diesem Motto wurde eine gemeinsame deutsch-tschechische Ausstellung mit dem Museum der Stadt Vyskov, ehemals Wischau, und der Gemeinschaft Wischauer Sprachinsel e.V. konzipiert. Unsere Arbeiten auf dem Gebiet der Verständigung  in den deutschen Dörfern bei Wischau dauern schon sehr lange und wir konnten bis jetzt auch viele gemeinsame Projekte auf den Weg bringen.  Der Bürgermeister der Stadt Vyskov/Wischau, Karel Goldemund, hat diese spezielle Zusammenarbeit im Jahre 2012 vorgeschlagen, und wir waren auch sofort dazu bereit; die Stadt hat die Schirmherrschaft über diese Ausstellung übernommen.
Bei einer Reise im Februar dieses Jahres hat Rosina Reim mit der Direktorin des Museums Frau Dr. Monika Pelinkova, genau besprochen, was ausgestellt wird, wer welche Gegenstände zur Verfügung stellt und wie die Präsentation erfolgen soll. Die Gemeinschaft der Wischauer Sprachinsel kann  auf ihren reichen Fundus an Original-Objekten zurückgreifen und ausgesuchte Stücke zur Verfügung stellen. Die Exponate aus Vyskov/Wischau haben sich wunderbar mit unseren mitgebrachten Sachen ergänzt und so konnten wir nach Fertigstellung der Präsentation auf ein gelungenes Werk blicken.
Das Museum ist im dortigen Stadtschloss beheimatet und sehr repräsentativ. In zwei Räumen finden laufend Wechselausstellungen statt.
Der Oberbürgermeister unserer Patenstadt Aalen, Martin Gerlach, wurde im Jahre 2012 zur Eröffnung dieser Ausstellung am 3. Juni 2013 nach Vyskov/Wischau eingeladen. Herr Gerlach nahm die Einladung gerne an und reiste mit der Wischauer Gruppe dorthin. Der  Empfang im Rathaus am 3. Juni Vormittag war für die Delegation aus Deutschland, an der Spitze Martin Gerlach, etwas Besonderes.  Die beiden Stadtoberhäupter von Aalen und Vyskov / Wischau begrüßten sich freundlich und signalisierten schon bald eine Zusammenarbeit für die Zukunft. Nach diesem Zusammentreffen wurde es uns ermöglicht, den Rathausturm zu besteigen, um so die Stadt und ihre Umgebung ausgiebig betrachten zu können. Das Wetter war trüb und regnerisch, doch die Aussicht über das gesamte Stadtgebiet war für uns trotzdem sehr interessant.  Das Zeremonienzimmer für besondere Repräsentationszwecke durften wir anschließend ebenfalls besichtigen, und konnten uns so an den alten, perfekt sanierten Räumlichkeiten erfreuen.
Die offizielle Ausstellungseröffnung am Nachmittag übertraf alle Erwartungen. Es kamen sehr viele Besucher, die entweder mit uns Verbundenheit zeigen wollten oder einfach interessiert waren „was es mit den Deutschen in den ehemaligen Sprachinseldörfern auf sich hat“. Die Direktorin begrüßte offiziell alle Besucher und bat nacheinander ans Rednerpult: 
Karel Goldemund, Bürgermeister von Vyskov/Wischau, Begrüßung
Vertreter der Südmährischen Region und Bürgermeister von Rousínov,  Frantisek Havír
Rosina Reim, Vorsitzende der Gemeinschaft Wischauer Sprachinsel e.V. über „unsere Heimat“
Martin Gerlach, Oberbürgermeister der Patenstadt Aalen, lag es als überzeugten Europäer, sehr am Herzen, das Zusammenwachsen unserer Nationen und somit den Bau am gemeinsamen Hauses Europa, herauszuheben
Professor Dr. Radek Mikulka, Historiker aus Vyskov/Wischau referierte über die Geschichte der deutschen Sprachinsel
Als perfekte Dolmetscherin fungierte Kristyna Tausova aus Hamilton, die im Jahre 2008 eine Magisterarbeit über „die Wischauer Sprachinsel und ihre Bewohner gestern und heute“ geschrieben hat und zurzeit in Deutschland lebt.
Es folgten viele interessante Gespräche und Begegnungen mit verbliebenen Landsleuten, mit tschechischen Freunden und Bekannten und allgemein interessierten Ausstellungsbesuchern über uns und unsere Geschichte. Junge Leute suchten unser Gespräch und unsere Hilfe, um sie zukünftig bei ihren Recherchen und Arbeiten zu unterstützen. Wir haben, wie auch schon in der Vergangenheit geschehen, unsere Hilfe zugesagt, wo immer es möglich ist. Nach dem offiziellen Teil wurde zu einem kleinen Buffet eingeladen. Herr Ing. Matyas, Swonowitz, organisierte dankenswerter Weise vor Ort alle wichtigen Details und vermittelte perfekt zwischen den beiden Organisatoren. Die Ausstellung selbst zeigt zum größten Teil alte historische Trachtenteile, eine Vitrine mit Frauen- und Männerschuhen, u.a. auch die „Männer Röhrnschuach“, die es in Deutschland nicht mehr gibt, religiöse Gegenstände  sowie Geschirr. Ein Trachtenpaar mit der Original-Sprachinseltracht grüßt die Besucher gleich beim Eintreten in diese Ausstellung.
Durch die Grenzöffnung nimmt die Bereitschaft zum gegenseitigen Verständnis und zur Kommunikation einen breiter werdenden Rahmen ein, denn für uns alle sollte ein „friedliches Miteinander in ganz Europa“ das Ziel sein.
Rosina Reim - Dieses Projekt wurde vom Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familien und Frauen gefördert.

Fotos. Museum Wischau, Anneliese Kästl

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Wir bauen mit an einem gemeinsamen Haus Europa
Aalen, die Patenstadt der Gemeinschaft Wischauer Sprachinsel, empfing Anfang August 2012 eine Delegation aus den ehemals deutschen Dörfern der Wischauer Sprachinsel. Im Jahre 2010 besuchte der  Oberbürgermeister Martin Gerlach diese Dörfer und nahm durchwegs sehr positive Erlebnisse mit nach Hause. Die Gegeneinladung der Stadt Aalen folgte vom 2. – 5. August dieses Jahres und die Gastgeberstadt stellte sich mit einem interessanten und abwechslungsreichen Programm vor.  

Am Donnerstag traf sich Oberbürgermeister Martin Gerlach, die tschechischen Gäste und Vertreter der Gemeinschaft Wischauer Sprachinsel e.V. zum gegenseitigen besseren Kennenlernen und zu einem ersten Gespräch. Herr Gerlach führte  nach Einbruch der Dunkelheit höchstpersönlich durch das abendliche Aalen. Das Motto des diesjährigen,  sommerlichen Stadtbildes  zeigte „Aalen blüht - märchenhaft“ und an exponierten Stellen der Stadt wurden Märchen dargestellt. Die liebevolle Gestaltung und die herrliche Blumenpracht  lies jedes Besucherherz sichtlich höher schlagen. (RR)
Der Freitag begann mit einem Empfang im Rathaus. Oberbürgermeister Gerlach stellte sehr umfangreich seine Stadt vor und betonte, dass er in Zukunft die Patenschaft mit den bestehenden Partnerschaften der Stadt Aalen gleichstellen werde. Aalen unterhält partnerschaftliche Verbindungen zu

Die Gäste revanchierten sich für die Einladung mit typischen Spezialitäten aus ihrer heimatlichen Region sowie mit viel Werbematerial über die ehemals acht deutschen Ortschaften. Die anschließende Besichtigung bei der Firma PELO-Pilz (mit deutsch-tschechischem Hintergrund)  war sehr informativ. Der Inhaber, Herr Wirz, informierte bei der Betriebsbesichtigung über die Herstellung und den Vertrieb von Taschentüchern, Hemden, Krawatten, Schals und Strickwaren. In einer Arbeitnehmerkartei aus den Nachkriegsjahren fand man noch einige Namen von Sprachinselfrauen, welche seinerzeit die Firma PELO-Pilz beschäftigte. Nach einem kleinen Mittagsimbiss schloss sich ein Besuch beim Mahnmal auf der Schillerhöhe an. Das Denkmal wurde 1954 von Professor Leo, einem gebürtigen Brünner, geschaffen. Die Wischauer sind seit 2004 mit einer Gedenktafel vertreten. Der Text der Tafel lautet: „Die Vertriebenen aus der deutschen Sprachinsel bei Wischau gedenken ihrer Toten und ihrer Heimat in Mähren/Tschechien und danken der Stadt Aalen für die Übernahme der Patenschaft 1980“.  Die kleine Gedenkstunde war ein besonderer und feierlicher Moment für die Besuchsgruppe.  Der Rest des Tages wurde dem Wischauer Informations- und Begegnungszentrum gewidmet. Die Gäste und einige Vertreter der Stadt Aalen zeigten sich sehr beeindruckt, angefangen von der Gestaltung der Räume, der Archivierung, den Ausstellungen und nicht zuletzt von allen Wischauern, die für diese Begegnung nach Fachsenfeld gekommen sind. Sie hießen beiderseits alle herzlich willkommen und wünschten, dass das Ergebnis dieses Zusammentreffens in Zukunft viele Früchte tragen möge. Der Ortsvorsteher von Fachsenfeld, Herr Jürgen Opferkuch, fand passende Grußworte und freute sich über die Begegnung der ganz besonderen Art. Die Rektorin der Schule, Frau Ute Hajszan, hieß ebenfalls die Gäste willkommen und brachte zum Ausdruck, dass die Zusammenarbeit mit ihrer Schule, besonders mit den Kindern, sehr gut und zukunftsorientiert ist. Von der tschechischen Seite bedankten sich die die Bürgermeister: Roman Petrik für Rosternitz-Swonowitz, Lubos Bednarik für Hobitschau-Tereschau und Marie Simackova für Gundrum für dieses Zusammentreffen. Irena Dvorakova, Touristmanagerin des Vetrnik, Drahomir Babek, Finanzen Kutscherau und Ludek Matyas, Mitarbeiter unserer Gemeinschaft, waren ebenfalls überall zur Stelle wenn es um Wischau früher und heute ging.
Zwischendurch hatten alle Beteiligten die Möglichkeit, das Schloss Fachsenfeld unter der fachkundigen Führung von Herrn Kümmel, zu besichtigen: „Die Geschichte von Schloss Fachsenfeld reicht bis in das 16. Jahrhundert zurück. 1540 ließ Georg Siegmund von Woellwarth ein größeres Gebäude errichten, das wenig später von seinem Sohn Hans Siegmund zu einem Schloss ausgebaut wurde. Im 30-jährigen Krieg (1618-1648) wurde der Herrschaftssitz stark in Mitleidenschaft gezogen. 1699 brannte das Schloss am Weihnachtstag aus. 1827 erwarb Oberjustizrat Wilhelm von Koenig Schloss Fachsenfeld. In den kommenden 30 Jahren wurde das Gebäude umgebaut und erweitert. Parallel hierzu entstand der weitläufige Park. 1905 bis 1907 erfolgte der Ausbau der Jugendstil-Bibliothek und der Galerieräume. 1982 gründete Freiherr Reinhard von Koenig Fachsenfeld als letzter Nachkomme seiner Linie auf Anregung von Oberbürgermeister Ulrich Pfeifle eine Stiftung. Aufgrund der Statuten hat sie den Auftrag, das Schloss und den herrlichen Park der Bevölkerung zu öffnen und künftig Schloss Fachsenfeld als überregional bedeutsamen Kulturstandort zu etablieren. Die Stiftung Schloss Fachsenfeld wurde 1982 auf Anregung des Aalener Oberbürgermeisters Ulrich Pfeifle durch den Freiherrn Reinhard von Koenig Fachsenfeld gegründet. Er verkörperte den Geist und die Haltung seiner Vorfahren, eben alles, wofür Schloss Fachsenfeld steht: Weltoffenheit, Heimatverbundenheit, Traditionspflege, Glaube an den technischen Fortschritt, Bescheidenheit, Förderung des Bürgersinns, konsequente Naturbewahrung, verpflichtendes Kulturbewusstsein, getreu der Maxime: Tradition heißt nicht, die Asche zu bewahren, sondern das Feuer am Brennen zu halten.“ (www. Aalen.de).  Ein lauer Sommerabend in unserem Zentrum tat sein Übriges, denn das gemeinsame Abendessen mit einem Wischauer Spezialitätenbuffet konnte im Freien eingenommen werden. Unter den Klängen unseres Musikers Hardl wurden Bande geknüpft und Sprachbarrieren überwunden. Gespräche über die Vergangenheit waren hier präsent nach dem Motto „nur wer die Vergangenheit kennt, kann auch zuversichtlich in die Zukunft blicken“. Bis in die späten Abendstunden prägte Freundlichkeit und gegenseitiges Verständnis das Beisammensein. (JL)
Der Samstagvormittag begann für die Gäste im Park von Schloss Fachsenfeld. Oberbürgermeister Gerlach, Touristikchef Troßbach, Stadtarchivar Dr. Schurig, Ortsvorsteher Opferkuch, die tschechischen Gäste und eine kleine Abordnung Wischauer trafen sich im wunderschönen Park, um hier einen Baum zu flanzen. Dieser herrliche Landschaftspark ist ein botanisches Kleinod erster Güte.  „Insgesamt zähle man auf das Jahr gerechnet 32 000 Besucher  und wenn wir Sie hier begrüßen, dann hat dies auch mit Tradition zu tun“, erklärte  Dr. Schurig. „Schließlich habe die Familie König, der das Haus gehörte, in zweiter Generation eine enge Verbindung zur Heimat der Wischauer gehabt. Im 19. Jahrhundert habe der zweite Schlossherr als Offizier zwischen Olmütz und Brünn in seiner Eigenschaft als Rittmeister der Kavallerie gedient, bevor er nach Fachsenfeld kam“. „Die Baumpflanzung im Fachsenfelder Schlosspark hat nicht nur Völker verbindendes Symbol, sondern wir wollen auf den Sturmschaden der Vergangenheit eine neue Pflanze als Hoffnungsträger für eine gute Zukunft setzen. Die neu gepflanzte Douglasie soll auch ein Symbol für das Zusammenwachsen unserer Völker und für eine gute gemeinsame Zukunft sein.“, so Oberbürgermeister Gerlach. Dr. Schurig begleitete unsere Gruppe  noch auf einem Rundgang und wies auf die Besonderheiten im Park hin. Nach einer kleinen Rundfahrt durch das Kochertal und einem echt schwäbischen Mittagstisch ging es zurück nach Wasseralfingen zur Besichtigung des Besucherbergwerks „Tiefer Stollen“. Mit der Grubenbahn ging es ins kühle Innere des Berges, wo das ganze Jahr über eine Temperatur von 11°C herrscht. Der interessanten filmischen Einführung  folgte eine Führung zu Fuß durch das Bergwerk, das bereits seit 1948 nicht mehr in Betrieb ist. Um die Leistung der damaligen Bergleute zu würdigen und um das Bergwerk als Denkmal der frühen industriellen Kultur im Aalener Raum zu erhalten wurde es 1987 wiedereröffnet. Man konnte im Inneren des Stollens einen Eindruck davon bekommen, welch schwere Arbeit die Bergleute früher unter Tage leisten mussten. Seit 1989 wird der Heilstollen auch für die Behandlung von Atemwegerkrankungen genutzt. Der Heilstollen befindet sich in einem eigens dafür eingerichteten Bereich des früheren Eisenerzbergwerkes. Dort stehen 25 bequeme Liegen für Patienten bereit. In Westhausen, welches im Jahre 1945/1946 besonders viele Vertriebene aus der Wischauer Sprachinsel aufnahm, empfing der stellvertretende Bürgermeister Benno Müller die Delegation.  Nach der Begrüßung führte er durch das Rathaus, die Schule und die neue Dreifach-Turnhalle. Die tschechischen Besucher waren von dem lebendigen Gemeindeleben sehr beeindruckt. Nach einer kurzen Verschnaufpause und dem letzten gemeinsamen Abendessen im Hotel führte ein historisch gekleideter Nachtwächter durch das abendliche Aalen. Er erzählte bei seinem Rundgang aus der langen Historie der Stad. Der ereignisreiche Tag wurde gegen 23.00 Uhr mit einem kleinen Umtrunk beendet. (CL)
Am Sonntag früh fand sich noch eine kleine Damenabordnung im Hotel ein, um die Gäste zu verabschieden. Von der Wischauer Straße in Aalen fuhren sie in zwei PKW‘s  mit vielen schönen Erlebnissen, Informationen und Neuigkeiten in ihre Gemeinden zurück. Frau Dr. Marta Geis war von der ersten bis zur letzten Stunde bei dieser Gruppe, um in gekonnt perfekter Weise zu dolmetschen. Ohne sie hätte  die Verständigung nicht so gut funktionieren können. (RR)

Fotos: Babek, Dvorakova, Kästl, Matyas, Weiss

 

Aalener Delegation besucht unsere Sprachinsel
Oberbürgermeister Martin Gerlach, Stadtarchivar Dr. Roland Schurig und die Städtepartnerschaftsbeauftragte Dorothea Martini reisten anlässlich unserer 30jährigen Patenschaft zusammen mit der Vorstandschaft unserer Gemeinschaft in die Sprachinsel. Ziel der Reise war, sich ein Bild von der Geschichte unserer Vorfahren in den Sprachinseldörfern zu machen, die Gegend kennen zu lernen und sich mit den heute dort lebenden Menschen zu begegnen. Die Einladung war von langer Hand geplant und vorbereitet und dem Oberbürgermeister von Aalen lagen Einladungen aller Bürgermeister der ehemaligen Sprachinseldörfer und des Vetrnik vor. 
Unsere Vorstandschaft, welche die Delegation begleitete, reiste bereits am Samstag 16. Oktober 2010 an. Der erste Weg  führte uns ganz selbstverständlich - wie immer - zuerst auf den Friedhof, denn erst wenn dort die Erinnerungskerzen brennen, fühlen wir uns gut. Im Volkshaus in Rosternitz wurden unsere mitgebrachten 20 Ausstellungstafeln installiert. Diese Tafeln bleiben vor Ort und werden später an anderen Stellen und in Schulen gezeigt. Die Projektmanagerin des Vetrnik hat für diese offizielle Begegnung ebenfalls eine Ausstellung mit 8 Schautafeln unter dem Titel:  „Vermächtnis unserer Vorfahren“ konzipiert. Diese zeigte aus der ehemaligen Sprachinsel die Architektur, die Bräuche und die heute gemeinsam durchgeführten Projekte. Unsere Dauerausstellung im Volkshaus wird nach wie vor gut besucht und wir haben diese noch um einige Exponate erweitert. In Zukunft wird auch die neu restaurierte Pieta aus der Kapelle in Swonowitz in dieser Ausstellung zu sehen sein. Die Kapelle ist in einem schlechten Zustand und sehr feucht, sodass die Skulptur an diesem Standort  unbedingt dem Verfall preisgegeben gewesen wäre.
Die Aalener Delegation fuhr nach ihrem Eintreffen sofort mit unserer Vorstandschaft am Sonntagabend, 17. Oktober 2010, zum ersten gemeinsamen deutch-tschechischen Termin nach Rosternitz. Es war eine Begegnung mit fast allen Bürgermeistern aus der Umgebung und des Vetrnik.
Montag, 18. Oktober 2010, stand ganz im Zeichen einer Sprachinselrundfahrt. Das Programm begann mit einem Besuch in der Bibliothek in Wischau. Der Direktor, Dr. Vladislav Raska führte uns durch die Räume. Einst war dieses Gebäude eine weiterführende Schule, in der auch die Kinder der Sprachinsel unterrichtet wurden. Das Äußere des Gebäudes ist ursprünglich erhalten, innen wurde es jedoch sehr modern umgebaut. Den Lesern stehen zurzeit mehr als 100.000 Bücher zur Verfügung; außerdem gibt es einen Computerraum, einen Leseraum und  einen Musikraum.
Die nächste Station war das ca. 750 Einwohner zählende Dorf  Gundrum. Wir besuchten die neu renovierte Kirche der Heiligen Barbara. Der alte Pfarrhof, dessen Restaurierung zu zwei Drittel abgeschlossen ist, kann bereits jetzt als Kleinod der dörflichen Architektur Mitte des 19. Jahrhunderts bezeichnet werden. Auch der hoch moderne und mit vielen Extra-Details ausgestattete Kindergarten fand allgemeines Lob. Kirche, Friedhof, Pfarrhof und die gegenüber dem Friedhof gelegene alte Schreinerei sind als Denkmalzone ausgewiesen. Unser nächstes Ziel war die ca. 5.000 Einwohner zählende Stadt Rausnitz, in die das Dorf Tschechen eingegliedert ist. Eine Fremdenführerin lud uns zu einem kleinen Stadtrundgang ein, vorbei an der ehemaligen Synagoge und dem Judenfriedhof, auf dem im Jahre 2005 die letzte Beerdigung stattfand. Es handelte sich dabei um einen Engländer, der in seiner Heimaterde begraben sein wollte. Besonders stolz ist die Stadt auch auf den neu erbauten Busbahnhof. Nachdem Rausnitz im Zentrum keine eigene Bahnstation hat, liegt der Busbahnhof verkehrstechnisch sehr gut. Als Knotenpunkt für Busse bezeichnet, starten von hier aus regelmäßig Busse in alle Richtungen.
Eine Fahrt durch Tschechen und das Dorf Lissowitz waren die nächsten Stationen. In Lissowitz besichtigten wir das Anwesen Nummer 33, welches noch ganz ursprünglich erhalten ist. Es steht unter Denkmalschutz und deshalb ist es auch nach Anmeldung immer  und für alle Besucher zugänglich. Die Möbel im Inneren des Hauses sind zum größten Teil noch aus der Zeit, als die Familie Fischer hier wohnte. Der Dorfplatz Lissowitz vermittelt noch besonders gut die Form eines Angerdorfes; der Dorfbach, der einst durch die Mitte des Dorfes führte, ist heute zum Teil verrohrt und durch eine Grünfläche überdeckt.
In Hobitschau besichtigten wir das Gemeindegasthaus, welches ebenfalls im Inneren noch original erhalten ist, den Kindergarten, der gerade renoviert wird, und die Raiffeisenkasse von außen.
Die Kirche Peter und Paul in Kutscherau, deren Renovierung mit der Fertigstellung des Turmes vorerst unterbrochen wird, war der nächste Höhepunkt unserer Besichtigungsreise. Dass in dieses Projekt sehr viel Geld geflossen ist, kann man hier deutlich sehen. Die deutschen Kindergräber sollen in der nächsten Zeit ebenfalls renoviert werden.
Rosternitz war schließlich die letzte Station dieses Tages. Oberbürgermeister Martin Gerlach, Aalen,  und seine Amtskollegin Bürgermeisterin Marie Slavikova, Rosternitz-Swonowitz, pflanzten als Sinnbild für die bisher geleistete Arbeit und als Zeichen der Hoffnung auf eine friedliche Zukunft in Europa und der Welt vor den Mauern des Friedhofes eine Linde der Verständigung. Der anschließende Gottesdienst in der Kirche Cyrill und Method wurde vom neuen Pfarrer, der jetzt für die Gemeinden Bogdalitz, Kutscherau und Rosternitz-Swonowitz zuständig ist, in deutsch und tschechisch zelebriert. Er gab seiner Freude in der feierlichen Messfeier Ausdruck, dass gerade hier und heute alle Anwesenden in ihrer Muttersprache zu einem Gott um Frieden in der Welt beten sollen. Das Innere der Kirche ist noch ganz gut, die Fassade aber wäre dringend renovierungsbedürftig. Im Volkshaus traf man sich dann nochmals zu einem Abendessen mit typischen Spezialitäten der Region und zu einem letzten Gedankenaustausch. Oberbürgermeister Martin Gerlach schrieb ins Gästebuch unserer Heimatstube folgendes: Vielen Dank für die Einladung nach Wischau. Die Verbundenheit der Stadt Aalen mit der Wischauer Sprachinsel besteht seit über 60 Jahren, die Patenschafteder Aalener seit nun 30 Jahren.  Es ist mir eine große Freude zu sehen, wie die70jährige Geschichte der ehemaligen deutschen Siedlungen in diesen Räumen und im Dorf erhalten werden. Für unsere gemeinsame Zukunft im Europäischen Haus wünsche ich mir viele Begegnungen wie diese und eine Freundschaft, die weiterwächst. Martin Gerlach, Oberbürgermeister von Aalen.
Der Verbund Vetrnik, an deren Spitze Marie Slavikova steht, informierte als letztes noch mit einer Präsentation über die renovierten Objekte der Vergangenheit und deren Finanzierung sowie den Plan für die Zukunft. In Rosternitz sind Volkshaus, Kirche und Leinwandplatz ebenfalls als Denkmalzone ausgewiesen.
Die Besichtigung des Zuran, dem geschichtsträchtigen Ort bei Austerlitz, stand am Dienstag früh noch auf dem Plan. Im Jahre 1805 fand hier die Dreikaiserschlacht statt, die mit einem Sieg Napoleons endete. Ein „uniformierter, französischer Soldat“ empfing uns hier wie in alten Zeiten mit einigen Schüssen und erzählte dann aus der der Zeit Napoleons und seinen Soldaten.
Am späten Vormittag verabschiedete sich die Aalener Delegation von uns und  nahme durchwegs sehr positive Eindrücke mit nach Hause. Die Organisation war perfekt und während wir am Nachmittag noch bei drei Kreuzeinweihungen (ehemals deutsche Kreuze) teilnahmen: Kreuz von der Kirche in Rosternitz, ursprüngliche Aufstellung im Jahre 1861, Kreuz im Oberort Rosternitz, „Laikakreuz genannt“ aus dem Jahre 1873 und das Marterl an der Flurgrenze von Swonowitz (Baujahr unbekannt). Unter strahlend blauem Himmel begleiteten uns auch einige verbliebene Deutsche  sowie tschechische Vertreter und alle waren darüber froh, dass diese Denkmäler aus deutscher Vergangenheit nicht dem Verfall preisgegeben wurden. Mit einem anschließenden gemütlichen Beisammensein endete auch dieser ereignisreiche Tag.
Die aus Deutschland angereisten Sprachinsler fuhren am Mittwoch ebenfalls wieder, um viele Erlebnisse und Begegnungen reicher, Richtung Heimat. Möge unsere Sprachinselgeschichte auch durch diese Begegnungen von vielen Menschen weiter in die Zukunft getragen werden!“  Rosina Reim

Fotos Ing. Matyas

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Vertrieben - Angekommen - Angenommen - dieses Buch gibt es jetzt auch in tschechischer Version

Nach langer Vorbereitungszeit ist es nun endlich so weit, Ihnen dieses Buch vorzustellen. Die Autoren: Bernard Matthäus, Brtnik Günter, Butschek Elisabeth, Czapka Hannes, Drabek Alois, Fink Hilde, Fleischhacker Josef, Goll Hilde, Pater Josef Gräupel, Haschka Martin, Hloschek Anton, Hroß Martin, Klotz Hilde, Kutscherauer Josef, Legner Hannes, Legner Josef, Schimmele Julia, Wieder Astrid, Wieder Harald und Wittek Mattes erzählen die Wahrheit über das schreckliche Unrecht, das unsägliche Leid und die Verzweiflung, die sie am eigenen Leib erfahren haben. Sie berichten aber auch, dass es selbst in schweren Zeiten immer wieder Menschen gab, die bereit waren zu helfen, gleich welcher Nationalität und welchem Stand sie angehörten. Sie berichten ebenfalls von der Integration, die im fremden Land nicht immer leicht war und von der Heimat, in der sie jetzt wohnen.

Den Frauen und Männern lag es sehr am Herzen, ihre eigenen Geschichten nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Sie sollen der Nachwelt zur Erinnerung und der Zukunft als Mahnung dienen. Krieg ist etwas Schreckliches, und deshalb sollten Hass, Gewalt und Rache in unserer Gesellschaft keinen Platz mehr finden. Die Berichte sind persönlich aufgeschrieben und formuliert und geben ausschließlich die Meinung des Verfassers wieder. Das Buch ist für Euro 12,90 zu beziehen bei: Gemeinschaft Wischauer Sprachinsel e.V. Geschäftsstelle Ute Soutschek, Am Steinriegel 20, 73457 Essingen

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Ausstellung Das Leben unserer Vorfahren aus der deutschsprachigen Insel bei Wischau in Brünn
vom 1.Februar bis 30. März 2010 in der  Deutschen/Österreichischen Bibliothek Solniční 12

Unter dem Begriff „Wischauer Sprachinsel“ versteht man eine ländliche Region bei der Stadt Wischau, nordöstlich von Brünn. Ihre Besonderheit: Die Region war viele Jahrhunderte nahezu vollständig deutschsprachig und erhielt sich ihre spezifischen Traditionen und ihre Mundart lebendig bis 1945.
Rosina Reim, Vorsitzende der Gemeinschaft Wischauer Sprachinsel und Willi Reim, Heimatkreisbetreuer, haben es sich zur Aufgabe gemacht, eine Dokumentation dieses Kulturkreises zu erstellen. Seit Jahren tragen sie Gegenstände, Zeitzeugenberichte, Fotografien, Kleidungsstücke und andere wertvolle Dokumente zusammen. 2007 konnte zum ersten Mal mit einer Fotoausstellung in der Tschechischen Republik in Wischau und dann im Jahre 2009 in Mährisch Trübau, über diese Traditionen berichtet werden. Im Februar 2010  konnte auf Initiative des Deutschen Kulturverbands Brünn in Kooperation mit der Mährischen Landesbibliothek in der Deutschen/Österreichischen Bibliothek in Brünn diese Ausstellung unter der Teilnahme der Autoren und zahlreicher Ehrengäste eröffnet werden. Die Direktorin der Deutschen/Österreichischen Bibliothek,  Frau Dr. Darina Zanášková, gab in ihrer Eröffnungsansprache vor etwa 70 Besuchern ihrer Freude darüber Ausdruck, daß es heute möglich ist, historische kulturelle Themen aufzugreifen, über die jahrzehntelang nicht gesprochen werden durfte, geschweige denn erlaubt war, sie darzustellen. Frau Dr. Zanášková begrüßte sowohl die Autoren der Ausstellung, aber auch als Ehrengast die Präsidentin der Landesversammlung der Deutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien, Frau Irene Kunc, sehr herzlich in Brünn. Auch mehrere Bügermeister der Sprachinselorte hatten sich zu dieser Eröffnung eingefunden, darunter auch die Bürgermeisterin von Rosternitz, dem Geburtsort von Frau Reim. Zu den weiteren Gästen zählte der Direktor der Stadtbibliothek in Wischau, die beliebte Brünner Stadt-Historikerin Milena Flodrová und zahreiche weitere Persönlichkeiten aus Brünn und der Sprachinsel. Die Präsidentin der Landesverammlung, Frau Irene Kunc, wies bei ihrer Ansprache darauf hin, daß diese Ausstellung bereits im Rahmen der deutsch-tschechischen Begegnungstage im September 2009 in Mährisch Trübau viel Anerkennung und Erfolg zu verzeichnen hatte und wünschte der Ausstellung in Brünn einen erfolgreichen Verlauf.   

Anschließend führte Frau Reim durch die Aussstellung.  Nach einem kurzen geschichtlichen Überblick erzählte Frau Reim, daß es schließlich acht Dörfer gewesen sind, die die schlechten Zeiten überlebten und als „Deutsche Sprachinsel bei Wischau“ in das Bewußtsein des Umlandes eingingen. Die Bewohner hatten in Sprache, Wohnbau, Sitten und Gebräuchen ihre Kultur im ursprünglichen Charakter bewahrt, eine seltene Erscheinung in der heutigen Zeit. Die Dorfform hat ihren eigenen Stil bewahrt, den Anger, einen  grasbewachsenen Dorfplatz  im Gemeinbesitz, der von allen Bewohnern der Stadt oder des Dorfes genutzt werden konnte.  Auch die Bauweise der Häuser erhielt sich mit dem typischen „Sölder“ dem halbpilzartigen Eingang, bis in die heutige Zeit. Die deutschsprachigen Gemeinden standen bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts wirtschaftlich und strukturell auf hohem Niveau. Das Genossenschaftswesen war gut organisiert. Eine Raiffeisenkasse in Hobitschau entwickelte sich zu einem beachtenswerten Geldinstitut, das landwirtschaftliche Warengeschäft wurde höchst zufrieden stellend abgewickelt, die Spar- und Darlehenskassen von Rosternitz und Gundrum entfalteten ebenfalls eine segensreiche Tätigkeit. 1924 wurde in Rosternitz ein Gemeindehaus errichtet, welches erst seit 2004 wieder seinem ursprünglichen Zweck dient. Stolz berichtet Frau Reim, daß das Gemeindehaus mit vereinten Kräften der Wischauer im In- und Ausland 2004 originalgetreu saniert und dort eine Dauerausstellung aus dem Fundus der Wischauer Landsleute in Deutschland installiert werden konnte.  Was sie verschweigt: Sie und ihr Mann waren die maßgebliche treibende Kraft, zusammen mit der engagierten und unerschrockenen Bürgermeisterin des Ortes, die Finanzmittel beim Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds erhielten und bereitstellten, das Projekt vorantrieben und zu einem guten Ende brachten. Ein gelungenes Beispiel  vorbildlicher und erfolgreicher Zusammenarbeit. Besondere Bedeutung hatte die Tracht der Mädchen und Frauen, aber auch der Männer. Eine ganze Reihe von Fotografien zeigt ganze Trachten oder auch nur Teile, Kopfbedeckungen Schleifen und Mieder.  Etwa eine Stunde dauert bereits das Anziehen der Tracht, berichtet Frau Reim. Die plissierten und gestärkten Festtagsröcke seien so steif, daß ein Sitzen nicht möglich ist.

Ein sehr schönes altes Filmdokument wurde im Anschluss an die mit einem kleinen Empfang verbundene Vernissage gezeigt. Ende der 30-er Jahre wurde in Hobitschau eine Hochzeit gefilmt, mitsamt den Vorbereitungsarbeiten und allen Bräuchen. Interessiert betrachteten die Zuschauer die Hochzeitsvorbereitungen, die Hochzeitsbräuche, an denen das ganze Dorf teilnahm und staunend teilen die Brünner von heute den Blick in 70 Jahre lang entfernte Vergangenheit.

Bei den Gesprächen mit den Teilnehmern und auch am nächsten Tag im Begegnungszentrum wird eine seltsame, wie unsichtbare Linie des Zugangs zu den vorgestellten Themen beobachtet. Mit heutiger Terminologie würde man sagen, es ist ein Nachholbedarf am Blick in die Vergangenheit. Kein Wunder. Über 40 Jahre lang sollte die Jahrhunderte alte gemeinsame Historie des Zusammenlebens in Mähren ausgelöscht werden. Das menschliche Kollektivgedächtnis sollte umgepolt werden, die traditionellen Werte vergessen oder ad absurdum geführt werden. Nichts davon ist gelungen. Die Menschen drängeln sich um die Schautafeln mit Bildern aus ehemals deutschsprachigen Gemeinden. Sie bewundern die Bilder, bestaunen die Tatsache daß es überhaupt Dokumentarfotos aus dieser Gegend und auch noch von solcher Aussagekraft gibt. Die Filmdokumentation vergleicht nahezu jede/r der Besucher/innen mit Erinnerungen an seine eigenen Großeltern, Verwandten, die ebenfalls am Land lebten.  Auch meine Grosseltern haben solche Hochzeitskolatschen gebacken, mit Topfen, genau so wie im Film gezeigt wurden sie aufgeschichtet, erzählt eine der Besucherinnen.
Eine phantastische Atmosphäre herrschte bei der Vernissage, schreibt eine der Teilnehmerinnen. Willi und Rosina Reim sind außergewöhnliche Menschen und ihre Arbeit bewundernswert, fügt sie hinzu. Wir, die Veranstalter, fügen unseren herzlichsten Dank für den Fleiß und das Engagement der Familie Reim dazu und hoffen, bald wieder Neues und Interessantes aus dem heutigen Zusammenwirken der Menschen in Deutschland und der mährischen Region Wischau zu erfahren. (Hanna Zakhari)

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Deutsch-Tschechische Kulturtage in Mährisch Trübau vom 18. - 21. September 2009

Irene Kunc, die Präsidentin der Landesversammlung der Deutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien, und Rosina Reim, die Vorsitzende der Gemeinschaft Wischauer Sprachinsel, haben Anfang des Jahres eine Zusammenarbeit beschlossen. Von der Wischauer Seite wurde eine Ausstellung mit 135 Originalbildern aus der Zeit vor 1945, 29 Bildern über die Kulturarbeit nach 1945 und vier erklärende Tafeln über Land und Leute, Schuhe, Tücher und Tracht der Wischauer Sprachinsel konzipiert. Zusammen mit aussagekräftigen Wischauer Objekten ist diese Ausstellung im Begegnungszentrum Walter Hensel in Mährisch Trübau zu sehen. Die Eröffnung fand am 16. Juli dieses Jahres statt. Die Ausstellung soll bewirken, dass wir die Geschichte, über Land und Leute, das Leben, aber auch die Landschaften unserer Vorfahren einem breiten Publikum näher bringen, und so zum besseren Kennenlernen beider Völker beitragen. Am Freitag, 18. September 2009 schließlich fuhr die Wischauer Trachten- und Tanzgruppe von Aalen über München nach Mährisch Trübau, früher auch das „Mährisches Athen“ genannt. Die erste Begegnung mit den Organisatoren war gleich nach unserer Ankunft, und bei einem gemütlichen Abendessen tauschte man sich über das Programm der kommenden Tage aus.

Der Samstag begann nach einem guten Frühstück mit einer intensiven Tanzprobe, bevor wir mit Trachtentaschen und –koffern bepackt ins nahe gelegene Museum starteten. An diesem Ort sollten fast alle Veranstaltungen der Deutsch-Tschechischen Kulturwoche stattfinden. Wir waren, wie üblich, lange mit dem Ankleiden unserer Tracht beschäftigt. Im Park des Museums wartete inzwischen bereits ein Filmteam aus Straznice auf uns. Mit Herrn Dr. Krist, Direktor von NULK (Národní Ústov Lidové Kultury – Nationalinstitut für Volkskultur) in Straznice, wurde schon vor längerer Zeit vereinbart, unsere Gruppe für sein Archiv zu dokumentieren. Hier in Mährisch Trübau passte dieser Zeitpunkt perfekt. Bei herrlichem Wetter und besten Voraussetzungen konnten die Filmaufnahmen erfolgen. Der holprige und unebene Grasboden kostete den Tänzern so manchen Schweißtropfen, zumal der Regisseur immer wieder auf Wiederholungen der Szenen bestand. Die Teilnehmer waren aber bis zuletzt locker und mit strahlenden Gesichtern bei der Sache. Unser Musiker begleitete uns mit den vertrauten Klängen seiner Harmonika souverän durch das gesamte Programm. Viele Besucher und Zaungäste wurden durch die Proben angelockt und bestaunten sowohl unsere Trachten als auch unsere Vorführungen. Diese Dokumentation ist für unsere Gemeinschaft von größter Bedeutung. Am späteren Nachmittag gesellten sich dann auch noch die Filmproduzenten von TV-Axel aus Wischau zu uns, um ebenfalls Aufnahmen für ein geplantes Projekt zu filmen. Um 16.00 Uhr war die offizielle Präsentation der schon oben erwähnten Ausstellung „Wischauer Sprchinsel“. Vor einem vollen Saal und vielen Zuhörern auf den Emporen referierte Rosina Reim über die Dörfer, das Brauchtum, die Tracht und über die jetzige Situation der Sprachinseldeutschen nach der Vertreibung. Sie sagte, „dass wir von der Gemeinschaft Wischauer Sprachinsel viel daran arbeiten, um die Geschichte dieses kleinen Landstrichs in eurem Lande nicht in Vergessenheit geraten zu lassen“. Frau Kunc lud anschließend alle Zuhörer ein, die Ausstellung im ersten Stock zu besichtigen. Ein, speziell für diese Ausstellung gefertigtes Begleitheft lag überall bereit, sodass sich interessierte Besucher ausführlich informieren konnten.

Die vielen Gäste und Vertreter aus Deutschland und Tschechien gaben der Veranstaltung einen besonderen und offiziellen Rahmen. Es waren u.a. vertreten: RnDr. Josef Oštádal der Bürgermeister der Stadt Mährisch Trübau, der Senator Václav Koukal, der Bezirksobmann Mgr. Radko Martinek, Bernhard Hayer vom Bundesverwaltungsamt Köln, Johann Klomfass, Kulturbeauftragter der Deutschen Botschaft in Prag mit Gattin, Weihbischof Gerhard Pieschl aus Limburg/Lahn, Mons. Anton Otte aus Prag und Helena Faberova von der Tschechischen Ackermanngemeinde Prag. Viele Ausstellungsbesucher ließen sich von den deutschen Teilnehmern die Wischauer Herkunft und ihre alte Originaltracht erklären. Für uns, die wir diese Ausstellung konzipiert haben, war es eine Hochstimmung, die kaum zu beschreiben ist. Um 17.00 Uhr begann das offizielle Kulturprogramm unter dem Motto „Schönhengster Schmodern“. Durch das vielfältige Programm führte Irena Kunc in deutscher Sprache. Die tschechische Übersetzung wurde von einer perfekten Dolmetscherin vorgenommen. Neben der Schönhengster Volkstanzgruppe, der Tanz- und Trachtengruppe Türnau sowie der Volkstanzgruppe Jitrenka waren auch wir, die Wischauer Tanz- und Trachtengruppe, vertreten. Wir trugen zur Programmgestaltung mit einer informativen Trachtenschau, unserem Wischauer Lied und einigen Tänzen bei. Die Zuschauer dankten es uns mit großem Applaus. Am Ende dieses Nachmittags, der sich bis weit in den Abend hinein zog, wurden alle Teilnehmer, gleich ob Gäste oder Mitwirkende, von der Stadt Mährisch Trübau zu einem Buffet eingeladen, das in seiner Vielfalt keine Wünsche offen ließ. In lockerer Atmosphäre wurden wieder Fragen über Fragen an uns gerichtet. Das zeigt, dass dieser Tag unsere verlorene Heimat und unsere Gruppe sowohl bei den tschechischen als auch bei den deutschen Besuchern und Teilnehmern sehr viel bekannter gemacht hat – ganz im Sinne von Rosina die sagte: „Wir wollen nicht nur die Asche bewahren, sondern das Feuer hinaustragen“.

Der Sonntag begann um 8.30 Uhr in der Pfarrkirche mit einem gemeinsamen Gottesdienst, zelebriert von Weihbischof Gerhard Pieschl, einem gebürtigen Mährisch Trübauer, sowie vielen weiteren Geistlichen. Das festliche Amt wurde in tschechischer und deutscher Sprache gefeiert. Von den Besuchern der Messe wurden Teile der Schubertmesse und einige tschechische Kirchenlieder, begleitet vom Kirchenchor der Pfarrei, gesungen. Besonders bewegend war, dass das „Vater unser“ zuerst in Latein, dann in Deutsch und in Tschechisch gesungen wurde, wobei sich alle Gläubigen an den Händen fassten.

Im Anschluss daran fand im Rathaus ein Empfang statt. Die Delegationen aus der Partnerstadt Stauffenberg, die Schönhengster Heimatgruppe aus Göppingen sowie unsere Wischauer Gruppe wurden vom Bürgermeister empfangen. Bei einem Rundgang und guten Gesprächen konnten wir die schön renovierten Amtsräume im Rathaus besichtigen. Nach dem gemeinsamen Mittagessen trafen sich dann alle Teilnehmer der Kulturtage an der Nowakgasse (Jirásková Ulice) zur Einweihung eines Versöhnungskreuzes wieder. Alan Leier, Unternehmer und Mitglied des Begegnungszentrums, ließ das Kreuz zusammen mit jungen Leuten aus Mährisch Trübau, renovieren. Es wurde von der anwesenden Geistlichkeit eingeweiht und soll für die Verständigung und Versöhnung zwischen den beiden Völkern stehen. Der letzte Höhepunkt unseres Besuches war der festliche Konzertabend im Museum. Der Chor „Dalibor“ aus Zwittau erfreute die Besucher mit Volksliedern, und das Ehepaar Kocúrek spielte auf verschiedenen alten Instrumenten. „Fermata“, ein Chor aus Mährisch Trübau, brachte in hervorragender Weise bekannte und weniger bekannte Lieder zu Gehör, und die Opernsängerin Elisabeth Weissova begeisterte alle mit ihrer starken Stimme. Mit Klavierbegleitung trug sie einige Arien vor und ihr meisterlicher Vortrag wurde mit einer, vom Publikum stürmisch geforderten Zugabe, beendet. Mit Geigenklängen fand das wunderbare Programm sein Ende. Für alle Anwesenden war es ein unvergleichlich schöner Abschluss der Deutsch-Tschechischen Kulturtage. Am Abend verabschiedete sich unsere Gruppe von Irene Kunc mit einem herzlichen Dankeschön.

Die Rückreise am Montag erfolgte problemlos und so erreichten wir am frühen Abend wieder München. Es war für unsere Trachtengruppe ein beeindruckendes Erlebnis, als Mitwirkende die Deutsch-Tschechischen Kulturtage mitgestalten zu können. Durch die Darstellung über unsere Sprachinsel und natürlich durch die Ausstellung im Begegnungszentrum konnten auch wir einen positiven Beitrag zu diesem Fest leisten. Rosina Reim

 

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Ein Kriegerdenkmal für die Gefallenen aus dem ersten Weltkrieg

Das Kriegerdenkmal für die Gemeinden Rosternitz-Swonowitz wurde im Jahre 1915 errichtet. Es war eine Stiftung von Anna Soutschek, Rosternitz 18, ausgeführt von der Firma A. Loos, Brünn.

Auf der Vorderseite des Kreuzes  ist zu lesen: „Unseren Vätern, Gatten, Brüdern, Söhnen, die im entsetzlichen Ringen des Weltkrieges ihr Blut und Leben ließen, die in treuer Erinnerung fortleben, die hier oder fern der Heimat in namenslosen Gräbern verlassen ruhen, zum frommen Gedächtnis und immerwährenden Nachruhm.“ 

An den Seiten sind jeweils die Namen der Gefallenen und ihre Hausnummern eingraviert. Auf der Rückseite waren einst die dazugehörigen Fotos angebracht, welche nach der Vertreibung der deutschen Bewohner in den Jahren 1945/1946 entfernt wurden. Das Kreuz wurde bereits in den Jahren 1994 / 1995 von privaten Spendengeldern ehemaliger Bewohner restauriert. Die Umwelteinflüsse taten aber im Laufe der Zeit ihr Übriges und so dachte man im Jahre 2006 abermals über eine Restaurierung nach. Es war uns einfach wichtig, das letzte, in der Sprachinsel noch stehende, deutsche Kriegerdenkmal nicht dem Verfall preiszugeben. Nachdem unser Entschluss fest stand, folgten mehrere Gespräche mit der Gemeinde Rosternitz-Swonowitz. Bald waren wir uns einig, das Kreuz wieder restaurieren zu lassen. Die Kosten für die Finanzierung wurden von der Gemeinde Rosternitz, dem Südmährerkreis, dem Haus des Deutschen Ostens, München und von privaten Spenden der ehemaligen Bewohner aufgebracht. Die Restauratorin Mag. Radka Levinska, akad. soch., Brünn, war mit den Arbeiten betraut. Das Kreuz steht nun wieder, wie in alten Zeiten, inmitten des Friedhofes und wird im Frühjahr dieses Jahres eingeweiht.(RR)

Diese Projekt wurde vom Bayerischen Staatsministerium für Arbeitund Sozialordnung, Familie und Frauen über das Haus des Deutschen Ostens gfördert

 

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Kulturelle Begegnung in Rosternitz

Am 29. August 2008 lud die Gemeinschaft Wischauer Sprachinsel alle heimatverbliebenen Sprachinsler und Gäste ins Gemeindehaus, dem ehemaligen Volkshaus, in Rosternitz zu einem Kulturnachmittag ein. Den Ausschlag für diese Veranstaltung gab unsere Ausstellung in der Bibliothek in Wischau vom November vorigen Jahres. Zur Eröffnung waren seinerzeit sehr viele interessierte Menschen  gekommen, so dass der Plan zu einer weiteren Veranstaltung für die heimatverbliebenen Deutschen reifte. Bei herrlichem Spätsommerwetter trafen sich die aus Deutschland und Österreich angereisten Wischauer sowie die tschechischen Besucher, um den Nachmittag mit einer Messe in der Kirche Cyrill und Method zu beginnen. Im Gottesdienst wurde deutsch und tschechisch gesungen und gebetet. Fünf deutsche Besucher, welche vor 1945 noch in dieser Kirche getauft wurden, trugen ihre Fürbitten für Frieden, Gerechtigkeit und zum Gedenken an alle Verstorbenen der Sprachinsel, vor. Sie spendeten eine Kerze für die Heimatkirche und beteten, ihr Licht solle allen Menschen leuchten, um Gutes zu tun.
Im Volkshaus erwartete nach der Messe eine schön gedeckte Tafel die Teilnehmer. Rosina Reim, die erste Vorsitzende der Gemeinschaft, begrüßte die Besucher sehr herzlich, gab Ihrer Freude über das zahlreiche Erscheinen Ausdruck und berichtete über die Arbeit in der Gemeinschaft. Sie bedankte sich bei allen für ihr Kommen und die gute Zusammenarbeit. Auch die Orts-Bürgermeisterin, die uns gerne die Räumlichkeiten für diese Veranstaltung zur Verfügung stellte, sprach sehr herzliche Worte zur Begrüßung und freute sich über die vielen Gäste aus nah und fern. Im ersten Teil des Programmes stellten vier junge Leute aus Tschechien ihre Arbeit rund um die Sprachinsel vor:

Die mitgebrachten großen Ordner mit alten Dokumenten und historischen Fotografien, der Schriftenstand sowie die Sammlung der ca. 950 Sterbebilder und Todesnachweise waren immer von Interessenten umlagert. Ganz gleich, ob es um die Kriegstoten des ersten Weltkrieges ging, die Geschichte der Rübenbahn oder um andere Themen, es wurde heftig diskutiert und ausgetauscht. Viele Kontakte konnten während dieser Zeit geknüpft und wertvolle Informationen erfragt, weitergegeben und gesammelt werden. Sehr interessiert angenommen wurde der Programmpunkt: „Anlegen unserer Original Tracht“. Dazu hatten zwei Mitglieder unserer Gemeinschaft ihre Originaltracht, die bis 1945 in diesem Ort von ihren Eltern getragen wurde, mitgebracht. Das fachkundige Anziehen der Frauen- und Männertracht wurde perfekt kommentiert, so daß alle Teilnehmer jeden Handgriff genau verfolgen und verstehen konnten. Die Wischauer Tracht aus der Nähe zu sehen - sei es, daß man ehemals selbst diese Tracht trug oder man nur genau hinsah, wie es früher war – interessant war es allemal . Das Trachtenpaar wurde viel bewundert und fotografiert und in diesem Zusammenhang rückte die Heimatstube im Obergeschoß des Volkshauses wieder gezielt in den Mittelpunkt. Dort konnte man in gut gestalteten, informativen Ausstellungsvitrinen Trachten, Handwerkszeug, Haushaltsgegenstände, Fotos, Zeitungsartikel und Alben sehen, die allesamt dem Besucher das Leben der Bewohner vor 1945 näher bringen. Im Gästebuch findet man viele Eintragungen aus verschiedenen Ländern; sie besagen alle, dass diese Ausstellung ein wichtiger Beitrag zum besseren Verstehen der Geschichte dient. Unsere alte Mundart hörte man bei dieser Veranstaltung wieder unverfälscht sprechen und ein ganz besonderes Zusammentreffen berührte zutiefst unsere Herzen. Drei ehemalige Schülerinnen eines Sprachinseldorfes haben sich seit der Schulentlassung nicht mehr gesehen. Sie wohnen nur ca. 15 km auseinander entfernt, doch sie wussten voneinander nichts. Sie lebten die erste Zeit nach dem Krieg sehr zurückgezogen, oft auch verängstigt und später glaubten sie nicht mehr an ein Wiedersehen. Man wähnte die Freunde irgendwo in der weiten Welt! Diese Veranstaltung hat es ermöglicht. und das war einfach schön! Für die ehemaligen Rosternitzer gab es von der Bürgermeisterin noch interessante Neuigkeiten: das deutsche Kriegerdenkmal auf dem Friedhof und das Cholerakreuz sollen renoviert werden. Das Haus Nr. 95 (ehemals Kolonialwarengeschäft) wird im Jahre 2009 ebenfalls wieder original getreu saniert; zusammen mit einem Neubautrakt wird dieses Gebäude in Zukunft für Tagungen mit Übernachtungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Da das Haus noch mit Lehmziegeln erbaut wurde, ist es besonders auch für die Denkmalschützer von großer Bedeutung.  Die Stunden dieses Treffens vergingen sehr schnell und kurzweilig. Die heimatverbliebenen Deutschen, die zum Teil mit ihren Familien teilnahmen, freuten sich sichtlich über den Nachmittag und für die aus Deutschland und Österreich angereisten Gäste wurde es ein unvergesslicher Tag. Gegen Abend trennten sich die Wege wieder, jedoch nicht ohne das Versprechen auf ein Wiedersehen. Christine Legner/Rosina Reim (Die Veranstaltung wurde vom Haus des deutschen Ostens in München unterstützt.)

Kirche

Kirche in Abendstimmung

Dorfansicht

Sölderhäuser

Dorfansicht vor 1945

Sammlung von Sterbenachweisen

Trachten aus Rosternitz bis 1945

Begrüssung

Besucher

Fotos Natalie Kriwy und Willi Reim

 

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Ausstellung in der Bibliothek in Vyskov vom 6.11. - 17.11.2007

„Volkskultur aus der deutschen Wischauer Sprachinsel“

unter diesem Motto konnten wir vom 6. bis 17. November 2007 in Wischau, der ehemaligen Bezirksstadt für die acht deutschen Sprachinselorte, eine Ausstellung zeigen. Wir waren sehr erfreut, als wir uns schon im Frühjahr dieses Jahres auf einen gemeinsamen Termin  mit Herrn Ing. Matyas und dem Direktor der Bibliothek einigen konnten. Wir haben die Vorgehensweise besprochen und freuten uns auf die bevorstehende Zusammenarbeit. Unser Ziel war es, den Bewohnern von Wischau und Umgebung einen kleinen Einblick in die fast untergegangene Kultur unserer Vorfahren zu geben. Die Vorarbeiten erfolgten in München. Wir fertigten 17 Schautafeln in der Größe von 1,00 x 0,70 m an. Jede Tafel zeigt ein be-stimmtes Thema und die Besucher konnten sich durch Bild und durch Beschriftungen genau über jedes einzelne Foto informieren. Zwei Tafeln sind mit Arbeiten und Tätigkeiten unserer Gemeinschaft heute bestückt.

Tafel 1 - Ortschaften der acht Dörfer

Anfang November fuhr ein voll bepacktes Auto Richtung Wischau. Wir waren alle sehr aufgeregt und gespannt, ob und wie es funktionieren wird   u n d   es hat funktioniert. Wir wurden in Wischau freundlich empfangen und konnten unsere Schautafeln in der Bibliothek an einer exponierten Stelle gut präsentieren. In zwei zur Verfügung gestellten Vitrinen zeigten wir Original Handarbeiten, die von der großen Geschicklichkeit und Kreativität unserer Mütter und Großmütter aus der Sprachinsel zeugen.

Tafel 2 - Brauchtum

Tafel 3 - Hochzeit untere Sprachinsel

Tafel 4 - Hochzeit obere Sprachinsel

Tafel 5 - Kirchliche Feste

Tafel 6 - Frauentracht

Tafel 7 - Kindertracht

Tafel 8 - Familien

Tafel 9 - Männertracht

Tafel 10 - Kinder und Schule

Tafel 11 - Arbeiten auf Feld und Hof

Tafel 12 - Bauernarbeit und Viehzucht

Tafel 13 - Sport

Tafel 14 - Alte Bauwerke

Tafel 15 - Auftritte der Trachtengruppe

Tafel 16 - Ausstellungen, Museen

Tafel 17 - Sölderhäuser

Am Dienstag fand die Vernissage mit geladenen Gästen statt. Das Interesse an dieser Veranstaltung war sehr groß. Die offizielle Begrüßung und die beiden anschließenden Vorträge über die Geschichte, Kultur und Lebensweise in der Sprachinsel  wurden von den Besuchern sehr interessiert verfolgt. Unser alter Stummfilm von 1939 stellte schließlich den Höhepunkt der Veranstaltung dar. Hier sahen die Gäste die vorangegangenen Darlegungen auch im Bild.
Viele Personen aus dem Öffentlichen Leben gaben uns ebenso die Ehre, wie Freunde und gute Bekannte aus Wischau, Brünn und Umgebung. Auch die verbliebenen Deutschen aus dem Bezirk Wischau kamen fast vollzählig und verliehen oft ihrer Freude Ausdruck, wenn sie das eine oder andere Bild noch kannten oder Verwandte  irgendwo darunter entdeckten. Wir konnten bei dieser Veranstaltung viele gute Gespräche führen und wir waren schließlich froh, diesen Schritt gewagt zu haben. Es wurde bereits in Erwägung gezogen, die Ausstellung als Wanderausstellung auch noch an anderen Orten zu zeigen. 
Diese Ausstellung wurde vom Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen über das Haus des Deutschen Ostens/München gefördert. (Rosina Reim)

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Renovierung der Kirche in Kutscherau – Kucerov  (Beginn 2006)

Innerhalb der Vereinigung „Gemeinschaft Wischauer Sprachinsel e.V.“ bildete sich vor einigen Jahren als Untergruppierung die „Interessengemeinschaft Kutscherauer Kirche“ heraus. Sie setzt sich speziell für die Sanierung dieses einen Gotteshauses ei, von dem sie ihren Vereinsnamen ableitet.
Den Ausgang nahm das grenzüberschreitende Projekt auf Grund einer Anfrage des zuständigen tschechischen Pfarrers Klima aus Kutscherau. Er trat an die ehemaligen deutschen Bewohner seines Ortes heran und bat sie um Mithilfe bei der Finanzierung der anstehenden Kirchenrenovierung. Der Verfall des Gebäudes war mittlerweile so stark fortgeschritten, dass das Dach massiv Einsturz gefährdet war. Die Interessengemeinschaft unter Matthäus Wittek erklärte sich schnell zur Mithilfe bereit, sah sie sich dahingehend doch in der Pflicht gegenüber ihren Vorfahren, die die Kirche vor Jahrhunderten erbaut und bis zur Vertreibung 1945/1946 erhalten hatten. Mit der Gemeindeverwaltung und dem Pfarrer von Kutscherau wurden darüber Gespräche geführt und die Vorgehensweise erörtert. Beide Institutionen trugen das Projekt wesentlich mit. Von deutscher Seite unterstützte man mittels einer Spendensammlung bei Landsleuten die notwendigen Baumaßnahmen. Auch den Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds baten die Projektpartner um einen Zuschuss. Die Arbeiten sind noch nicht beendet. M.W.

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Jugend forscht

Martin Hanacek aus Ivanovice

Martin hat deutsche Wurzeln. Seine Großeltern väterlicherseits stammen aus dem Dorf Tschechen aus in der Wischauer Sprachinsel. Er ist der Geschichte stets auf der Spur und hat seine Diplomarbeit über das Thema "Wischauer Sprachinsel von der Besiedlung bis zur Vertreibung" geschrieben, die mit der Note 1 bewertet wurde. Zur Zeit arbeitet er an einer Doktorarbeit, die sich an das vorgenannte Thema anknüpft.

 

Lenka Brazdilova aus Machova

Lenka nahm an einem Schülerwettbewerb mit dem Thema „Ethnologie der Wischauer Sprachinsel“ teil und erreichte in der Landesrunde der Tschechischen Republik den zweiten Platz. Ihre Arbeit wurde in einem zweisprachig erschienenem Buch „Ethnografie der Wischauer Sprachinsel“ im Jahre 2004 in der Reihe „Edition Spuren“  von der Sudetendeutschen Heimatpflege, München, herausgegeben.

 

Filippo Nereo, Manchester (England)

Filippo schrieb im Jahre 2006 seine Magisterarbeit mit dem Thema „Mundart aus der Wischauer Sprachinsel“, die von der Universität Regensburg mit Note 1 bewertet wurde. Für seine Doktorarbeit mit dem selben Thema "The Dynamics of Language Obsolescence in a Divided Speech Community. The Case of the German Wischau/Vyskov Enclave (Czech Republic)" erhielt er von der School of Languages, Linguistics and Cultures, University of Manchester abermals die Note 1. Diese beiden sehr wichtigen Arbeiten haben bewirkt, dass unsere "untergehende" Mundart für die Überlieferung auch wissenschaftlich festgehalten wurde.

 

Kristyna Tausova, Hamilton bei Wischau

Kristyna schrieb im Jahre 2008 eine Magisterarbeit mit dem Thema „Die Wischauer Sprachinsel und ihre Bewohner, gestern und heute“. Die Arbeit wurde von der Universität Brünn mit der Note 1 bewertet.

Diesen vier jungen Menschen stand die Gemeinschaft Wischauer Sprachinsel mit Rat und Tat stets zur Seite. (Rosina Reim)

 

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Wir wollen Bruecke sein – Ausstellung im Obecni dum in Rostenice (ehemals Volkshaus in Rosternitz)

Im Jahre 1925 wurde in der Gemeinde Rosternitz-Swonowitz, einer der sieben Gemeinden der Wischauer Sprachinsel, ein Volkshaus für alle Veranstaltungen des Dorfes gebaut. Für die Dorfbewohner war der Bau eine grandiose Leistung. ( siehe unten). Bis zur Vertreibung im Jahre 1945 diente das Volkshaus als zentraler Ort der Dorfbewohner von Rosternitz-Swonowitz. Das Gebäude wurde später von der Staatlichen Sportverwaltung SOKOL benützt und im Jahre 1989 wieder an die Gemeinde zurückgegeben. Dem Gemeinderat von Rostenice / Zvonovice, allen voran der jungen Bürgermeisterin Frau Marie Slavikova, ist es zu verdanken, daß diese Ruine wieder original getreu saniert wurde. Der "Zukunftsfonds" und die "Interessengemeinschaft Volkshaus Rosternitz" unterstützten dieses Vorhaben. Die Zusammenarbeit während der Renovierungsarbeiten in den Jahren 2000 bis 2004 war problemlos und gut. Die "Interessengemeinschaft Volkshaus Rosternitz" erhielt nach Fertigstellung des Hauses die Möglichkeit, auf der Empore eine Ausstellung über das Leben der deutschen Bewohner vor 1945 zu gestalten. In dieser Ausstellung befinden sich ca. 170 Exponate über Brauchtum, Kultur und Tracht. Die Ausstellungsgegenstände wurden fast ausschließlich von den früheren Bewohnern dieses Ortes zur Verfügung gestellt. Wenn Sie Interesse und die Möglichkeit haben, besichtigen Sie diese Ausstellung. Sicherheitshalber ist eine vorherige Anmeldung im Gemeindehaus unter der Telefonnummer   +517330610 empfehlenswert!

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Das Volkshaus in Rosternitz

"Bis zum Jahre 1898 stand gegenüber Haus Nummer 47 ein Glockenhaus. Dieses wurde abgerissen, als eine freiwillige Feuerwehr gegründet wurde. Das Rüsthaus wurde auf dem geweihten Grundstück des Glockenhauses erbaut und diente als Aufbewahrungsort für Spritzen, Leitern und Schläuche. Auf einem Schild über dem Einfahrtstor war zu lesen: Gott zur Ehr, dem nächsten zur Wehr, Rüsthaus der Freiweilligen Feuerwehr“. Das Volks haus wurde dann an dieses Feuerwehrhaus angebaut." (Auszug aus Niederschrift Legner, Rosternitz)

Das Volkshaus wurde in den Jahren 1924 und 1925 mit vielen Eigenleistungen und einer beispielhaften Zusammenarbeit der gesamten Einwohnerschaft von Rosternitz und Swonowitz und der damaligen kulturtragenden Vereine errichtet. Es stellte einen Höhepunkt in der Geschichte der Gemeinde dar und prägte in entscheidender Weise auch das dörfliche Leben. Nach längerer, gründlicher Vorbereitungszeit wurde Ende 1924 eine Baugenossenschaft gegründet, deren satzungsmäßiger Zweck die Erbauung des Volkshauses war. Alle Vereine wie Turnverein, Musik- und Leseverein, Freiwillige Feuerwehr, Ortsgruppe des landwirtschaftlichen Bezirksvereins, die Gemeinde selbst und dreiviertel aller Grundbesitzer von Rosternitz und Swonowitz traten der Genossenschaft bei und beteiligten sich an der Zeichnung der Anleihen (ein Anteil = 150 Tschechische Kronen). Der Bauplatz wurde von der Gemeinde Rosternitz zur Verfügung gestellt. Die gesamten Baukosten betrugen 230.000 Tschechische Kronen. Der Bau selbst begann im Frühjahr 1925 und wurde von der Firma Franz Pawlu, Brünn, durchgeführt. Der Bauführer war Architekt Josef Fleischhacker aus Rosternitz.
Die Beistellung der Hilfsarbeiter wurde zum größten Teil von der Gemeinde selbst besorgt und zwar so, dass jeden Tag eine bestimmte Anzahl Häuser Arbeitskräfte beizubringen hatten. Hierdurch, sowie durch die unentgeltliche Zurverfügungstellung des gesamten Fuhrwerkes durch die Grundbesitzer konnte eine wesentliche Herabsetzung der Baukosten erzielt werden. Das Holz für den komplizierten Dachstuhl war eine Spende des Baron von Schoeller, Schloß Ratschitz. Das stattliche Gebäude wurde mit einer Länge von 30 m und einer Breite von 22m erbaut. Das Feuerwehrhaus hatte einen separaten Zugang und beherbergte in späteren Jahren auch die Tabaktrafik, die von einem Kriegsversehrten betrieben wurde. Das Herzstück des Volkshauses war der geräumige Saal mit einer großen Bühne, umgeben von einer Hinterbühne, einer Kabine für den Souffleur, sowie einem Ankleide- und Geräteraum. Im Saal wurden viele Theateraufführungen zum Besten gegeben. Für den Turnbetrieb wurde der Saal mit Turngeräten wie Reck, Barren, Seitpferd, Sprungbrett und anderem mehr umgestaltet. Der Turnverein hatte einen großen Zulauf und eine sehr gute Männerriege. Die aktiven Turnerinnen und Turner brachten die Voraussetzungen mit, an vielen Turnfesten in Kutscherau, Gundrum, Mödritz, Znaim, Aussig und anderen Orten teilzunehmen.
Das Haus verfügte auch jeweils über Zimmer für den Gemeinderat, den Musikverein, die Mütterberatungsstelle, den Turnverein, die Feuerwehr sowie den Leseverein. Im Obergeschoß mit der 60 qm großen Galerie befanden sich noch mehrere Räume. An das leibliche Wohl der Besucher dachte man ebenfalls und richtete zu diesem Zwecke eine Küche, einen Schankraum und einen Vorratsraum ein. Diese Räume wurden bei allen größeren Veranstaltungen mit Bewirtung abwechselnd an die beiden Rosternitzer Gastwirte verpachtet. „Die Einweihung erfolgte am 4. Oktober 1925 unter großer Anteilnahme sowohl der Dorfbewohner als auch vieler Vereine, Freunde und Bekannte von weit und breit. Ein ganz seltenes Bild bot sich den Teilnehmern dadurch, dass die gesamte Weiblichkeit von Rosternitz und Swonowitz in ihrer Tracht in geschlossener Masse sowohl an der Messe, die im Freien vor dem Volkshaus zelebriert wurde, als auch an allen Feierlichkeiten teilnahm. Wirkt die Tracht schon, wenn sie sich einzeln zeigt, so wirkt sie doch noch wesentlich effektiver in der Masse. Die Freude und das Erstaunen über den seltenen Genuss war allgemein.“ (Zitat Tagesbote 6.10.1925) Die Gemeinde Rosternitz hatte nun in der Mitte des Dorfes eine Stätte, in der sie ihre Belange und die alten Sitten und Gebräuche pflegen konnte. Es war nicht nur ein Zentrum für die kulturellen, gesellschaftlichen und sonstigen Veranstaltungen von Rosternitz und Swonowitz, sondern darüber hinaus auch für die ganze deutsche Sprachinsel. Das Volkshaus erfüllte sich bald mit Leben, denn die Veranstaltungen, die früher in den Gasthäusern stattfanden, wurden nun in dieses Haus verlegt. Es waren – um nur einige zu nennen – Hochzeitsfeierlichkeiten, Feuerwehrbälle, Bälle des Musikvereins, Faschingsbälle an zwei aufeinander folgenden Tagen, Kirchweih- und Kathreintänze. Jedes Jahr im Herbst nach der Treibjagd wurde ein Essen für die Jagdgäste veranstaltet und im Winter spielten jeweils der Turnverein oder die Schüler Theater.

Nach 1945/ 1946, nach der Vertreibung der deutschen Bewohner aus diesen Orten wurden zunächst viele politische Versammlungen im Volkshaus durchgeführt und später übernahm die Staatliche Sportverwaltung SOKOL das Gebäude. Diese hatte keine Beziehung zu dem Haus und erweiterte es in Richtung zum vorbei fließenden Bach, was eine gestörte Statik zur Folge hatte. Es wurde die ganze Zeit über nicht viel renoviert und letztendlich wurde aus diesem schönen Haus im Laufe der Zeit eine Ruine. Ab November 1989 wurde das Gebäude dann der Einfachheit halber wieder als Eigentum an die Gemeinde zurückgegeben. Dem Gemeinderat von Rostenice und Zvonovice, allen voran der jungen Bürgermeisterin Frau Marie Slavikova ist es zu verdanken, dass diese Ruine wieder original getreu saniert wurde. Der Umbau war eine sehr große finanzielle Belastung für die Gemeinde Rostenice/Zvonovice, jedoch beteiligte sich der tschechische Staat an der Sanierung ebenso wie der deutsch-tschechische Zukunftsfonds, um den Bau in kürzester Zeit zu vollenden.

Die Interessengemeinschaft Volkshaus Rosternitz, die hauptsächlich aus Damen und Herren, die noch in diesen Ortschaften geboren wurden, besteht, hat diese Renovierung sehr befürwortet und auch finanziell unterstützt. Sie arbeitet intensiv mit Frau Bürgermeisterin zusammen; die gespendeten Gelder wurden für einen Teil der neuen Fenster, die allesamt wieder originalgetreu angefertigt werden mussten, verwendet. Die Auflage des deutsch-tschechischen Zukunftsfonds, im Volkshaus für die Zukunft eine deutsche Heimatstube einzurichten, wird erfüllt. Die Interessengemeinschaft hat ab 2004, der Fertigstellung der Sanierungsarbeiten, in einem Raum dieses Hauses das Leben in der Sprachinsel vor 1945 in vielfältiger Weise dargestellt.

 

Grundsteinlegung 1924

Bauarbeiten 1924

Bauarbeiten 1924

Hochzeitszug am Volkshaus vorbei ca. 1928

Empore im Volkshaus ca. 1930

Hochzeitszug am Volkshaus vorbei ca. 1930

Zeichnung von R. Jelinek ca. 1925

Männergruppe vor dem Volkshaus ca. 1925

Zeichnung von R. Jelinek ca. 1925

alte Ansichtskarte Rosternitz ca. 1934 mit Volkshaus

Volkshaus nach der Sanierung 2005

Volkshaus nach der Sanierung 2005

 

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Museum Wischau (Vyskov) - Trachten aus der ehemaligen deutschen Sprachinsel

Ende Oktober 2000 wurde im Museum Wischau die Tracht aus der ehemaligen deutschen Sprachinsel bei Wischau neu präsentiert. In einer großen Vitrine wurde eine Ausstellungspuppe in der hohen Festtagstracht der verheirateten Frau und ein eine männliche Schaufensterpuppe in der Sonntagstracht angezogen, damit sich die Museumsbesucher genau über die alte Tracht ihrer ehemaligen Nachbarn informieren können.
Die Zusammenarbeit mit dem Museum Wischau, Herrn PhDr. Jordan und Frau Mag. Marketta Mikyskova waren sehr gut. Die Ausstellungsgegenstände wurden vom Museum zur Verfügung gestellt, die meisten Trachtenteile wurden von unserer Gemeinschaft mitgebracht und dem Museum als Geschenk übergeben. (Rosina Reim)

 

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Renovierung Kriegerdenkmal aus dem ersten Weltkrieg in Rosternitz (Rostenice)

Das Kriegerdenkmal auf dem Friedhof in Rosternitz wurde im Jahre 1915 von Frau Anna Soutschek, Rosternitz 18, gespendet. Durch die Initiative von Leo Kutscherauer von der Arbeitsgemeinschaft Wischauer Sprachinsel e.V. wurde das Kreuz in den Jahren 1994 / 1995 aus Spendengeldern der früheren Bewohner dieses Ortes vollständig restauriert. Für Leo Kutscherauer war es wichtig, nachdem der Rost der Kreuzigungsfigur immer mehr in den Marmor eindrang und die Namen der Gefallenen kaum mehr zu lesen waren, für die Restaurierung zu sammeln. Viele  ehemalige Bewohner erklärten sich dazu bereit, um dieses Kleindenkmal als Mahnung für geschehenes Unrecht der Nachwelt so lange wie möglich zu erhalten
Das Kreuz sollte für die Gefallenen der beiden Weltkriege, aber auch für alle Toten, die durch Flucht und Vertreibung ihr Leben lassen mussten, stehen bleiben. Die Inschrift lautet: „Unseren Vätern, Gatten, Brüdern, Söhnen, die im entsetzlichen Ringen des Weltkrieges ihr Blut und Leben ließen, die in treuer Erinnerung fortleben, die hier oder fern der Heimat in namenslosen Gräbern verlassen ruhen, zum frommen Gedächtnis und immerwährenden Nachruhm.“  (Rosina Reim)

 

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Renovierung Kirche in Rosternitz / Rostenice

Die Kirche in Rosternitz wurde in den Jahren 1854 bis 1857 erbaut und den Landespatronen Cyrill und Method geweiht. Sie war das geistliche Zentrum der Rosternitzer und Swonowitzer Dorfbewohner, die bis zum Jahre 1945 in gut nachbarschaftlichen Beziehungen mit den tschechischen Nachbarn lebten. Nach der Vertreibung in den Jahren 1945 und 1946 wurde der Kirche nicht viel Beachtung geschenkt und sie wurde renovierungsbedürftig.

Ehemalige Bewohner der beiden oben genannten Dörfer unter Leo Kutscherauer, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Wischauer Sprachinsel e.V., Aalen, setzten sich für dieses grenzüberschreitende Projekt ein. Bei den Geistlichen Herren auf tschechischer Seite wurde die Idee sehr herzlich aufgenommen und man begann alsbald, die Arbeiten in Angriff zu nehmen. In Zusammenarbeit mit kirchlichen, tschechischen Institution wurde die Heimatkirche in den Jahren 1990 bis 1993 renoviert, um sie für nachfolgende Generationen zu erhalten. Das Hauptaugenmerk wurde dabei auch auf die schönen, bleiverglasten Fenster gelegt, auf denen noch die Spender genannt sind. Die Arbeiten, welche kurz nach der Wende nicht einfach waren, weil die entsprechenden Facharbeiter und das nötige Startkapital fehlten, umfassten das Innere des Gotteshauses. Die ehemaligen deutschen Bewohner  spendeten zur Durchführung der Renovierung einen ansehnlichen Betrag!

Im Frühjahr 1993 war es dann so weit und der Altar in der renovierten Kirche wurde vom Brünner Bischof Ckrle neu eingeweiht.  Folgende Tafel im Innern des Gotteshauses in deutscher und tschechischer Sprache wurde mit folgendem Wortlauf angebracht: „Die früheren Bewohner von Rosternitz und Swonowitz beteiligten sich bei der Kirchenrenovation in den Jahren 1991 – 1993 mit einem finanziellen Betrag“. (Rosina Reim)