Wischauer Sprachinsel – Patenstadt Aalen

Aalen wird Patenstadt

Wischauer Wappen auf dem Marktplatz in Aalen

Mahnmal

 

 

Wischauer Sprachinsel – Patenstadt Aalen

Die größte Vertriebenengruppe aus der Wischauer Sprachinsel mit  972 Personen wurde im Jahre 1946 im Raum Aalen angesiedelt. Dies hatte zur Folge, dass sich dort auch die ersten gemeinsamen Aktivitäten entwickelten und sich eine Gemeinschaft bildete die versuchte, ihren ehemaligen Landsleuten aus der Sprachinsel Vermittler und Organisator für Zusammenkünfte, Treffen und vieles mehr  zu sein. Die erste Zeit nach der Vertreibung war  - sowohl für die Einheimischen als auch für die Sprachinsler - sehr schwierig; auch Deutschland hatte unter den Kriegsfolgen schwer zu leiden und daher ist es mehr als verständlich, wenn Einheimische oft nicht besonders erfreut waren, das Wenige, das sie hatten, auch noch zu teilen. Die Zeit hat aber die Menschen zusammen- und nähergebracht, ja oft zusammengeschweißt. Der wirtschaftliche Aufschwung war bald zu spüren und die Vertriebenen fühlten sich: angekommen – angenommen!. Die Stadtverwaltung Aalen identifizierte sich schon immer mit den Vertriebenen und zeigte ihr großes Herz, als sie die Patenschaft für uns Wischauer am 13. September 1980 übernahm.

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Aalen wird Patenstadt 13. September 1980


Höhepunkt in der Geschichte der Arbeitsgemeinschaft für die Wischauer Sprachinsel war seit ihrem Bestehen zweifellos die Patenschaftsübernahme der Stadt Aalen für die Wischauer Sprachinsel am 13. September 1980, anlässlich des großen Aalener Stadtfestes, den „Reichstädter Tagen“.
In der Schwäbischen Post war am 15. September 1980 unter anderem folgendes zu lesen:
„Oberbürgermeister Pfeifle, der neben einer Reihe von Ehrengästen auch die anwesenden französischen und englischen Besucher begrüßte, nannte die Tauffeier das wichtigste Ereignis des diesjährigen Stadtfestes, besonders aber bewillkommte er die Abordnungen der Wischauer aus vielen Orten Süddeutschlands. Er nannte nochmals die Orte Mährens, in denen die Minderheit der Wischauer als eingesessene Bauern und Handwerker seit Hunderten von Jahren ansässig waren und schilderte das bittere Schicksal ihrer Vertreibung 1945. Er lobte das Traditions- und Kulturbewusstsein der Sprachinsel und ihre malerische Kleidung, die unter den Trachten des deutschen Sprachraums wohl als die schönste bezeichnet werden muss. Im Heimat- und Schubartmuseum haben Trachten und Hausrat der Wischauer einen dauernden Ausstellungsort gefunden, der die deutsche Kultur dieses kleinen Landes bei Brünn für immer den Menschen erhalten werden soll. Der Oberbürgermeister verlas dann die Patenschaftsurkunde.  Er wünsche, sagte der Oberbürgermeister, dass die Wischauer in Aalen immer gern gesehene Gäste wären.
Der Obmann der Wischauer, Leo Kutscherauer, bezeugte, dass seine Landsleute über diese Stunde Freude und Dankbarkeit empfänden. Er stellte fest, dass sich die Sprachinsler in den vergangenen Jahren schon elfmal in Aalen getroffen hätten und hier immer sehr gastfreundlich aufgenommen worden wären. Kutscherauer berichtete nochmals über die 8 Dörfer, in denen die Wischauer ihre alte deutsche Sprache und Sitte inmitten tschechischer Umgebung erhalten hätten, von der guten wirtschaftlichen Lage ihrer Bewohner in dem naturgegebenen Bauernland und von ihrer lebenden Tracht, die nun im Museum für die Nachkommen ein bleibendes Erbe sein werde. Kutscherauer betonte, dass mit der Wahl Aalens als Patenschaft allen Bewohnern der früheren Wischauer Volksinsel wieder Geborgenheit und ein Stückchen Heimat gegeben wird. Dem Gemeinderat und dem Oberbürgermeister sagte Leo Kutscherauer herzlichen Dank für die Übernahme der Patenschaft.“ Die Gemeinschaft Wischauer Sprachinsel fühlt sich seit dieser Zeit unter dem Mantel der Patenstadt Aalen sehr geborgen.

 Im Vertriebenengepäck der Wischauer waren außer ihren wenigen Habseligkeiten die eigene Identität, das Brauchtum und die Kultur; die Tanz- und Trachtengruppe trägt bereits seit vielen Jahren dieses Kulturgut in viele Länder hinaus. Diese Kulturträger geben überall bereitwillig Auskunft über ihre Herkunft und die guten Beziehungen zu ihrer Patenstadt.

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Wischauer Wappen auf dem Marktplatz in Aalen am 9. September 1989

Anlässlich der Eröffnung der 15. Reichsstädter Tage in Aalen wurde unter Beisein vieler Prominenz, Aalener Bürgerinnen und Bürger sowie  Wischauer Frauen und Männer das Wischauer Wappen von Herrn Oberbürgermeister Ulrich Pfeifle und Herrn Kutscherauer, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Wischauer Sprachinsel, enthüllt. Das Kunstwerk wurde vom Aalener Künstler Ernst Wanner ausgearbeitet.
In seiner Rede ging der Oberbürgermeister nochmals auf die gute Zusammenarbeit zwischen der Arbeitsgemeinschaft und der Stadt Aalen ein und erklärte: „Die Stadt Aalen stehe stets zur Patenschaft mit den Wischauern und auch aus diesem Grunde hat sich der Gemeinderat einstimmig entschlossen, das Wappen der Stadt Wischau zwischen den Wappen der Partnerstädte aufzunehmen.“

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Patenschaftstafel


Am 1. Juni 1991 wurde bei strahlendem Sonnenschein eine der fünf Patenschaftstafeln enthüllt. Mit einer kleinen Trachtengruppe sowie den Mitgliedern des Vorstandes und der Ortsbetreuer, dem Herrn Oberbürgermeister Ulrich Pfeifle sowie dem Leiter des Amtes für Öffentlichkeitsarbeit, Herrn Karl Troßbach, wurde die Patenschaftstafel beim Grauleshof enthüllt und der Öffentlichkeit übergeben. Diese Patenschaftstafeln werden an allen fünf Zufahrtsstraßen zur Stadt Aalen, neben den Partnerschaftstafeln, Zeugnis für die übernommene Patenschaft über die Sprachinsel bei Wischau in Mähren geben. Der OB drückte aus „dass die Stadt Aalen jederzeit zu dieser Patenschaft steht und die Patenkinder in ihren Unternehmungen so weit sie kann unterstützen wird.

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Mahnmal

Mahnmal

Oberhalb der Stadthalle auf der Schillerhöhe im Weiheraum des 1954 von Professor Leo - einem gebürtigen Brünner - geschaffenen Mahnmals befindet sich die Gedenktafel. Sie wurde von der Firma Haschka, früher Rosternitz - aus hartem afrikanischem Basaltgestein gefertigt. Bleibend wird sie, über Generationen hinaus, an die frühere deutsche Sprachinsel bei Wischau und ihre Bewohner erinnern. Erinnern wird sie auch an die Übernahme der Patenschaft 1980 durch die Stadt Aalen und an die Integration der Sprachinsler in ihrer zweiten Heimat, hauptsächlich in Baden-Württemberg und Bayern.

Der Besuch dieses ruhigen Platzesbeim Mahnmal lädt besonders Sprachinsler, ihre Nachkommen und Freunde zum Verweilen und zum Gedenken an die alte Heimat ein.

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Die Gemeinschaft Wischauer Sprachinsel dankt ihrer Patenstadt Aalen