Oktoberbild 2017

Trachtengruppe beim Umzug in Stuttgart Bad-Cannstatt

 

Brauchtum und Trachten
Rund 4.000 Trachtenträger, Musikanten, Traditionsgruppen mit Pferden, Schweinen und Ziegen waren beim traditionellen Volksfestumzug am 24. September 2017 in Stuttgart-Bad Cannstatt dabei. Der Umzug begann beim Kursaal und zog weiter durch die historischen Gassen bis zum Wasen, dem berühmten Stuttgarter Volksfestplatz. Mit seiner fast 200-jährigen Geschichte kann das Volksfest auf eine große und lange Tradition zurückblicken.
Wulf Wagner vom Cannstatter Volksfestverein, der sich als Bindeglied zwischen Tradition und Moderne sieht, berichtet:
 "Im Jahre 1818 haben König Wilhelm I. von Württemberg und seine in der Bevölkerung sehr beliebte Frau Katharina ein "landwirtschaftliches Fest zu Cannstatt" gestiftet, um der bäuerlichen Bevölkerung nach zwei schlimmen Hungerjahren wieder Hoffnung und Motivation zu verleihen. Inzwischen hat sich das Cannstatter Volksfest zum größten Fest des Landes entwickelt.

Im 19. Jahrhundert verließen viele Württemberger mit ihren Familien das Land, um im Ausland ihr Glück zu finden. Ein Gros machte sich auf den Weg über den großen Teich. Doch offensichtlich waren die Württemberger in Amerika so vom Heimweh geplagt, dass sie sich am liebsten mit ihresgleichen umgaben. So gründeten sich in Chicago, in New York, in Philadelphia und anderswo in den Staaten schon Mitte des 19. Jahrhunderts Schwabenvereine, die sich "Cannstatter Volksfestverein" nannten. Noch heute gibt es diese Vereine und alljährlich feiern sie ihr "Cannstatter Volksfest" mit Fruchtsäule, German-Beer, Schuhplattler und allem, was nach klischeebehafteter amerikanischer Sicht zu einem echten "German-Beer-Festival" dazugehört. Fast jedes Jahr besuchen die amerikanischen Volksfestvereine das Cannstatter Volksfest und ihre schwäbischen Vereinsbrüder. In diesem Jahr wird der Cannstatter Volksfestverein aus New York mit 44 Mitgliedern zu seinen Wurzeln zurückkehren."

Wir Wischauer wurden bereits Anfang des Jahres eingeladen,  mit unseren besonderen Trachten bei diesem Umzug dabei zu sein. Wir freuten uns schon lange auf dieses Ereignis, weil wir als Mitwirkende schon oftmals hier db ei waren. Jede Teilnahme in diesem Größenformat erfordert "von unserer kleinen Gemeinschaft eine umfangreiche Organisation".  Anneliese Kästl nahm sich dieser Herausforderung an und konnte 25 Personen gewinnen, die gerne die Präsentation unserer Wischauer Tracht übernahmen. Pünktlich um  6.00 Uhr fuhr ein Bus von Aalen Richtung Stuttgart zum Umkleidequartier bei der Stuttgarter Feuerwehr. Dort herrschte – wie gewohnt - bald emsiger Umtrieb, doch dieses Mal galt diese kleine Aufregung einer Dame vom Stuttgarter Volksfestverein. Sie erfüllte einen Auftrag vom Festbüro, unsere Gruppe vom Anziehen in der Halle bis zum Ende, d.h. Eintreffen auf dem Volksfestplatz, zu begleiten. Wir freuten uns ob dieser Ehre und gaben bereitwillig Auskunft über unsere Herkunft, unser Brauchtum und über unsere Tracht. Annika und Leo, die im August diesen Jahres am Schönenberg bei Ellwangen geheiratet haben, wurden als unsere Modells ausgewählt, und so wurde fleißig fotografiert, dokumentiert und erzählt, wie man eine Hochzeitstracht genau anlegt. Neben dieser besonderen Herausforderung wurde auch bei den anderen Trachtenträgern fleißig Hand angelegt, so dass pünktlich zum vorgeschriebenen Zeitpunkt alle Teilnehmer fertig waren. Die Aufstellung erfolgte im Park vor dem Kursaal Dort mussten wir durch einige Verzögerungen noch lange warten, doch dadurch konnte manch schönes und seltenes Foto geknipst werden. Mit der Nummer 81 belegten wir das letzte Drittel des Zuges.
Vor und nach uns marschierten Blaskapellen, und so konnten wir unseren Schritt gut anpassen. Unserer Gruppe voraus gingen unsere Wischauer Fahne, ein Vereinstaferl und ein Nummerntaferl des Festzugkomitees. Die Zuschauer winkten fröhlich und oft wollten sie wissen, woher wir kommen. Das erklärten schließlich an fünf verschiedenen Stellen des 3,5 km langen Zuges die Organisatoren dieses Festes per Lautsprecher. Die Sonne strahlte vom blauen Himmel und überall waren fröhliche Menschen zu sehen. Die Flitterkränze der jungen Damen, die allgemeine Farbenpracht in der Tracht, die leuchtenden orangen Strümpfe und die mehr als 80jährigen Schuhe sprachen für uns.  Auch die Herren mit ihren strahlend weißen Hemden, dem gemusterten roten Brustfleck und den Hüten mit den großen Flittersträußeln gaben ein sehr schönes Erscheinungsbild ab. Dass wir so viel Lob während des Trachtenzuges erhalten haben, schrieben wir unserer Tracht und der Fröhlichkeit zu, mit der wir  viele Zuschauer animierten. Christine Legner wurde vom SWR-Fernsehen interviewt, das sicher einige Wischauer im Fernsehen gesehen haben. Jedes Jahr verfolgen rund 250.000 begeisterte Zuschauer das Spektakel am Straßenrand, und rund einen halbe Million im Südwestfernsehen.
Gestärkt mit einem deftigen Wiesnhendl und einem Getränk der eigenen Wahl traten wir zufrieden und glücklich wieder die Heimreise an. Rosina Reim

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Seminar Kutscherau

Verasnstalter: "Wieder belebte Geschichte"  Kutscherau, Gemeinschaft Wischauer Sprachinsel e.V.  München und Gemeinde Kutscherau

Deutsch-Tschechisches Kulturseminar am 12. August 2017 im Gasthaus Kutscherau, Thema: Leben und Bräuche das ganze Jahr über und ihre Besonderheiten - Vorstellung von Trachten

Patenkinder der Stadt Aalen waren wieder in ihrer Heimat auf dem Weg der Verständigung unterwegs.
Am 12. August 2017 fand das dritte Seminar in Kutscherau, einem der acht deutschen Dörfer in der ehemaligen Sprachinsel bei Wischau statt. Organisiert wurde es von der Gemeinde Kutscherau, vom  Brauchtumsverein "Wieder belebte Geschichte" und von der Gemeinschaft Wischauer Sprachinsel e.V. Rosina Reim; es stand unter dem Motto "Leben und Brauchtum das Jahr über, Geschichte und Tracht". Die Idee zu dieser Veranstaltung reifte schon sehr lange, denn die Fragen "wer waren unsere ehemaligen Dorfbewohner, welche Kultur hatten sie und wo und wie leben sie jetzt" wurden immer öfters an uns  herangetragen. Wir beschlossen daraufhin, das Leben unserer Vorfahren den interessierten Teilnehmern durch Seminare näher bringen.
Der Bürgermeister des Dorfes stellte uns auch 2017 wieder unentgeltlich den Gemeindesaal zur Verfügung und half bei allen Vor- und Nacharbeiten.  Unsere 20 großen Fototafeln, die über das Leben unserer Vorfahren berichten, vier mitgebrachte Trachtenschautafeln, sowie viel Originaltrachtenteile wurden von Rosina Reim, Norbert Herrling und Leif Andresen gut platziert, damit die breite Palette unserer Objekte übersichtlich und gut vorzustellen war.

Es ist gelungen, tolle Referenten zu gewinnen, die ehrenamtlich für die Verständigung mit uns zusammen arbeiteten.

Die Besucher hatten bei allen Punkten die Möglichkeit, Fragen zu stellen! Die Referenten beantworteten sie sehr gerne.

Am Spätnachmittag trennten sich die Teilnehmer wieder voneinander mit der Option, gerne nächstes Jahr wieder zu kommen, um weiter gemeinsam auf den Spuren der Vorfahren zu wandern.  Rosina Reim

Seminar Kutscherau 2017

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Europeade 2017
ist ein ganz besonderes Festival für alle Generationen und für viele Nationen. Der Gedanke der Völkerverständigung, Freundschaft und Einigkeit in ganz Europa zog sich durch das gesamte Fest. Wir Wischauer waren gerne dabei, um dort unsere ehemalige Wischauer Sprachinsel zu präsentieren!
Die diesjährige Europeade fand in Turku, der zweitgrößten Stadt Finnlands mit knapp 200.000 Einwohnern, vom 26. - 30.7.2017  statt.  11 Wischauer nahmen daran teil und reisten Ende Juli in die Geburts- und Heimatstadt unseres Mitgliedes Leif Andresen.  Durch die intensiven Vorbereitungen und Erzählungen von Leif über seine schöne Heimat freuten wir uns im Vorfeld schon sehr auf dieses Ereignis – und es war wirklich etwas Besonderes und Einmaliges.
Der Flug nach Helsinki und die Busreise nach Turku verliefen nicht ganz reibungslos, denn es fehlte der Koffer einer Teilnehmerin – und die gesamte Gruppe hoffte, diesen bald in Empfang nehmen zu können. Die Begrüßung am Busbahnhof von  Turku war sehr herzlich, denn Leifs Freunde und unser Guide Dieter de Vogel empfingen uns sehr freundlich. Die Quartiere konnten wir in einem der alten finnischen Holzhäuser aus den Jahren 1870/80 in der Nähe des Domes beziehen. Hier war die Gegend noch ganz ursprünglich.
Nach der offiziellen Anmeldung am Mittwoch am Standort des Europeade-Teams probte unsere Gruppe in dem benachbarten Birgittinerinnen-Kloster, und erhoffte sich hier schon mal den "Segen von oben" für alle Auftritte und Begegnungen. Leif führte uns an diesem Tag nach Naantali, finnisch die "Sonnenstadt" genannt, weil hier viele Menschen aus Turku ihre Sommerhäuser besitzen und am Hafen ihre Boote liegen haben. Es ist ein wunderschönes, sehr idyllisch gelegenes, kleines Städtchen nahe der Großstadt Turku. Alte, sehr gut in Stand gehaltene Holzhäuser mit gepflegten Gärten ließen erkennen, dass hier die finnische Oberschicht angesiedelt ist. Am Hafen standen viele Stände mit landestypischen Angeboten, die Sonne strahlte mit dem blauen Meer um die Wette  - und in dieser Idylle mittendrin waren wir. Das Birgittinerinnen-Kloster hatte im Mittelalter ihren Sitz hier in Naantali und verschickte ihre Klosterarbeiten und besonderen Medikamente nach ganz Europa. Die Klosterkirche steht noch hier, während das Kloster selbst nach Turku umgesiedelt wurde und uns kurz Unterschlupf gewährte. "Turku stellt sich vor", so lautete das Motto des Abends, bei dem viele Mitwirkende in traditioneller finnischer Tracht ihr Bestes und einen tollen Vorgeschmack auf alle folgenden Veranstaltungen gaben.
Der zweite Tag begann wiederum mit einer Probe, dieses Mal in einem schönen Park unweit unseres Quartiers. Wir bereiteten uns auf die Eröffnung am Abend vor, das Großereignis überhaupt. Es galt, mit 298 anwesenden Gruppen mitzuhalten und das Beste zu geben. Unsere Freude, dabei zu sein, und unser eiserner Willen sagte uns "wir packen das". Das kleine Problem des fehlenden Koffers begann sich zu einem ernsten Thema zu entwickeln – denn er kam und kam nicht. Gott sei Dank konnten die Gruppenmitglieder soweit aushelfen, um der Frau die Teilnahme zu ermöglichen. Die pompöse Eröffnungsfeier in der 11.000 Menschen umfassenden Multifunktionshalle "Gatorade-Arena" (eigentlich ein Eishockey-Stadion) mit ca. 3.000 Mitwirkenden nahte in Riesenschritten. Bereits im Vorfeld trafen wir hier auf unterschiedliche Menschen, alle freundlich, fröhlich und landestypisch gewandet. Dann war es so weit, die Veranstaltung wurde eröffnet und wir betraten als eine der ersten Gruppen die Nummer drei von insgesamt fünf Bühnen. Es war ein unbeschreibliches Gefühl zwischen und vor so vielen Menschen zu tanzen. Der Applaus war groß und besonders die Böhmerwaldgruppe Ellwangen unter Leitung von Claudia Beikircher klatschte, worüber wir uns natürlich sehr freuten. Auf den Rängen sitzend konnten wir anschließend die anderen auftretenden Gruppen bewundern und es war sehr sehr abwechslungsreich und schön. Besonders die Finnen und die benachbarten Länder füllten bei ihren Auftritten alle 5 Bühnen auf einmal und boten mit ca. 300 bis 400 Mitwirkenden ein besonders schönes Bild. Erst gegen Mitternacht landeten wir todmüde, aber sehr glücklich, in unserem Quartier.
Am folgenden Tag hatten wir sehr erfreuliche Straßenauftritte, weil Leif seine Freunde und Verwandten aus Turku zum Zuschauen eingeladen hatte, und er war sehr glücklich!
Am Samstag begrüßten Rüdiger Heß, Präsident des Deutschen Europeade Komitees, Armand de Winter, Präsident des Internationalen Europeade-Komitees und der Bürgermeister von Turku auf dem Schiff Suomen Joutsen die Vertreter aller Gruppen. Es folgte ein kleiner Empfang mit Gelegenheit zu Begegnungen und Gesprächen.
Der Nachmittag stand dann ganz im Zeichen des Umzuges. Die ca. 3,5 km lange Wegstrecke war sehr gut gewählt; sie führte am Flußufer der Aura entlang bis zum Hafen. Die Zuschauer am Straßenrand winkten unter Finnlands Sonne den vielen Gruppen fröhlich zu und oftmals, wenn es nicht ganz so zügig voran ging, konnte ein kleines Tänzchen eingelegt werden. Beim Treffpunkt am Hafen herrschte wieder viel buntes Durcheinander, und jeder vergnügte sich auf eigene Weise. Von dieser Stelle aus konnte man die nachfolgenden Gruppen anschauen und applaudieren. Trachtenträger, Musiker, Tänzer und Fahnenschwinger, jede Gruppe mit eigenen Fahnen ausgestattet, bestens gelaunt und fröhlich, in verschiedenen Sprachen und Formationen, boten für den Zuschauer ein buntes Bild, und immer wieder stellten wir fest, dass alles passte und Turku sich von der besten Seite zeigte.  Vor dem Europeadeball am Abend strebte Turku einen Höhepunkt an.  In der ganzen Stadt tanzten auf mehreren Plätzen über 20.000 Paare den finnischen Tanz "Humpa". Dank der Europeadeteilnehmer, die überall mittanzten, wurde das ein Weltrekord.
Für uns war die sonntägliche ökumenische Feier im Dom zu Turku ein weiterer Höhepunkt. Neben Chören mit Eskimos, Italienern und Portugiesen sang unser Duo Hardl und Burgl ein wunderschönes deutsches Kirchenlied.  Die Akustik im vollbesetzten gotischen Gotteshaus, erbaut etwa um 1230, war sehr gut und so freuten wir uns alle über diese ruhige und besinnliche Stunde mit Menschen aus ganz Europa. Bei der Endveranstaltung in der großen Gatorade-Halle stellten sich die restlichen Teilnehmer noch vor. Es war nochmals ein gewaltiges Aufgebot an Mitwirkenden mit einem bunten und vielfältigen Programm.
Gerade zu diesem Zeitpunkt, als das gesamte Europeade-Programm beendet war, wurde der verlorene Koffer zugestellt; die lang ersehnte Tracht und auch alle anderen Sachen waren wieder da – leider viel viel zu spät!
Der letzte Tag unseres Finnlandaufenthaltes war einer Rundfahrt durch die 20.000 vorgelagerten Inseln in Turku gewidmet. Es war ein Tag der Entspannung und Ruhe und so konnten wir am nächsten Tag mit den schönen Erinnerungen an ein einmaliges Erlebnis und Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Nationen wieder nach Hause fliegen. Rosina Reim

Europeade Turku 2017

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Buen Camino – eine Wischauerin unterwegs auf dem Jakobsweg
Der Jakobsweg ist kein Weg, den man entlanggeht, um irgendwann irgendwo anzukommen, sondern ein Weg der Kraft. Ein meditativer Weg, der einen trägt und führt, ein Weg, den man lieben lernt - und diesen Weg gingen schon seit dem Mittelalter Millionen von Pilgern. Jakobus war einer der zwölf Apostel Jesu. Er ist der Schutzpatron Spaniens und der Pilger; in Santiago befindet sich sein Grab.  "Nach einer Legende schafften zwei Freunde des Jakobus seinen Leichnam auf ein Schiff ohne Besatzung. Sieben Tage war das Schiff unterwegs und landete schließlich in Galicien. Hier wurde der Leichnam auf einem Ochsenkarren weiter ins Landesinnere gebracht und dort beigesetzt, wo sich die Ochsen niederließen. Das Grab geriet für lange Zeit in Vergessenheit. Nach seiner Wiederentdeckung im 9. Jahrhundert wurde darüber eine Kapelle gebaut, später eine Kirche und schließlich die Kathedrale. Um diese herum entwickelte sich dann der Pilgerort Santiago de Compostela." Bereits im 12. Jahrhundert war diese Stadt neben Rom und Jerusalem das dritte Ziel der christlichen Pilger.
Der besondere Weg bietet sich an, sich eine Auszeit zu nehmen, die Natur zu genießen und an Orten uralter Kraft vorüberzuziehen, dabei den inneren Frieden zu finden und die Seele zu reinigen. All diese Dinge haben mich bewogen, einen Teil dieses Buen Camino = Guter Weg, zu Fuß zurückzulegen. Es gibt viele Pilger, die alleine unterwegs sind, und sich jeden Tag ein eigenes Quartier suchen oder in Herbergen übernachten; ich aber habe mich auf eine geführte Meditations-Pilgerreise begeben. Mein Flug ging von München nach Porto (Portugal). Dann ein Stück mit dem Reisebus zu unserem ersten Quartier. Ich lernte meine Mitpilger und Mitpilgerinnen kennen, und schon bald war mir klar, dass sich hier nur Menschen zusammen gefunden haben, die etwas im Herzen tragen und die Nähe zu Gott suchen. Ich wusste bald, diese Reise war die richtige Entscheidung.
Sarria war der Start unseres Pilgerns. Jeden Morgen stimmten wir uns meditativ auf den Tag ein, bevor wir loszogen, vorbei an berühmten Kirchen, romanischen Wehrkirchen, Brücken und Überresten von keltischen Dörfern, bergauf und bergab, Schritt für Schritt dem nächsten Übernachtungsort näher. Der Weg führte immer durch die abwechslungsreiche und hügelige Landschaft Galiciens mit kleinen Weilern und grünen Wiesen. Das Wetter war sehr abwechslungsreich, und wir erlebten die Kühle des Frühlings, das heiße Sommerwetter, aber auch starken Regen. Auf den Tagesetappen, wenn wir zum Teil schweigend gingen, hatten wir Zeit zur Besinnung, zum Innehalten und sich ganz auf sich zu besinnen. Die Ruhe und Entspannung kehrte nach und nach immer mehr in unsere Herzen ein. Der Camino de Santiago (Jakobsweg) wurde 1987 zum ersten europäischen Kulturweg erhoben.
Der Ankunft in Santiago de Compostela haben wir all die Tage entgegen gefiebert, und dann war es endlich so weit. Wir wanderten  zum Monte del Gozo, dem Berg der Freude, von dem aus wir einen ersten Blick über Santiago auf die Türme der Kathedrale werfen konnten. Santiago ist die Hauptstadt Galiciens mit knapp 100.000 Einwohnern, und zählt zum Weltkulturerbe. Das ganz besondere an dieser Stadt ist die beeindruckende Kathedrale, in der sich das Grab des Apostels Jakobus befindet. Viele tausend Pilger und Touristen aus der ganzen Welt kommen jedes Jahr hierher, um zu beten. Die Kathedrale entstand im 11. und 12. Jahrhundert. Der Hauptaltar ist sehr prächtig und wurde über dem Grab des Apostels Jakobus errichtet. Die Silberbüste im Altar birgt seine Reliquien. Die Besucher haben auch die Möglichkeit, bei einem besonderen Gang hinter dem Altar die Büste von hinten zu umarmen und seine persönlichen Anliegen vorzubringen.  Die Gebeine von Jakobus sind in einem Silbersarg aufbewahrt der sich unter dem Altar befindet
Die Hauptattraktion in dieser Kathedrale aber ist das berühmte Weihrauchfass "Botafumeira". Es hängt an einem 66 m langen Seil und wird zu besonderen Anlässen von 8 Männern in Bewegung gesetzt, bis hoch unter die Decke geschwungen und  durch das Querschiff geschwenkt. Es ist etwa 1,60 m groß und 54 kg schwer. Außer der üblichen Funktion während der Liturgiefeier diente das Rauchfass früher dazu, den Geruch der Pilger zu neutralisieren, welche nach ihrer Wallfahrt eine ganze Nacht wachend und betend in der Kirche verbrachten.
Die Altstadt von Santiago de Compostella ist ebenfalls sehr beeindruckend. Die vielen engen Gässchen, die jahrhundertealten Granitbauten und die hübschen versteckten Plätze nehmen den Besucher gerne ins Mittelalter mit, und lassen ihn nur staunen. Diese Pilgerreise war für mich ein einmaliges Erlebnis, das mich noch immer fasziniert und nicht los lässt.
Rosina Reim

Buen Camino 2017

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Zusammenwachsen im Herzen Europas "Verständigung suchen – Europas Mitte gestalten" – 68. Sudetendeutscher Tag 2017 in Augsburg
"Was für ein besonderer Tag!" Mit diesen Worten begann Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer, Schirmherr unserer Volksgruppe, seine Festrede am Pfingstsonntag. Bewunderung und Anerkennung zugleich für den 68. Sudetendeutschen Tag in allseits freundschaftlicher Atmosphäre und mit vielen einflussreichen Gästen aus der Tschechischen Republik. Gilt schon Nürnberg 2016 mit der ersten Rede eines tschechischen Ministers als historisch – wie soll man Augsburg 2017 bezeichnen?
Bernd Posselt, der Sprecher aller Sudetendeutschen, blieb bescheiden. 2016 habe es den Durchbruch gegeben, als sich die Zuhörer in der vollbesetzten Frankenhalle zum Applaus für Kulturminister Daniel Herman von den Plätzen erhoben, nachdem er sich namens der Regierung vom Kollektivschuldprinzip distanziert hatte: Dieser Durchbruch sei keine Eintagsfliege gewesen, auch wenn Hermans verbissene Kritiker dies gewünscht und beschworen hätten. Nun kam sogar ein Vizepremier – Wissenschaftsminister Pavel Bělobrádek. Sein Kabinettskollege Herman begleitete ihn nach Augsburg, und der emeritierte Pilsener Bischof František Radkovský zelebrierte auf Deutsch das Pfingsthochamt.
Auch Bělobrádek blieb bescheiden, bedankte sich für die tschechische Fahne am Messegelände und sagte, er sei nicht gekommen, um sich erneut zu entschuldigen und zu versöhnen (das tat er bereits 2015 im Sudetendeutschen Haus in München), sondern zu Besuch bei Nachbarn, "die mich eingeladen haben". Er wünsche sich, dass solche freundschaftlichen Besuche in unseren Ländern nicht mehr so viel Aufmerksamkeit bekämen, "einfach, weil sie normal sein werden". Bělobrádeks politische Botschaft bekräftigte freilich das, was Herman vor Jahresfrist erklärt hatte: "Nie mehr dürfen Menschen aus ihrer Heimat nur wegen ihrer Nationalität, ihrer Religion, ihrer Rasse vertrieben werden." Und "selbstverständlich" dürfe man die Vergangenheit nicht vergessen, insbesondere nicht die Zeiten der Gewalt und Brutalität vor, während des und nach dem Zweiten Weltkrieg. "Das darf sich niemals wiederholen."
Der Vizepremier, zugleich Vorsitzender der christdemokratischen KDU-ČSL, streifte erstmals auch ein sorgsam gehütetes Tabu, dass sich nämlich wie zuvor die Tschechen in Österreich-Ungarn die Deutschen nicht mit der Staatsordnung der Tschechoslowakei angefreundet hätten. Bislang wurde im offiziellen Prag ausgeblendet und verdrängt, dass die Deutschen nicht als Staatsvolk anerkannt waren, nicht an der Verfassung mitschreiben durften und sich zwei Jahrzehnte lang in unterschiedlicher Ausprägung drangsaliert fühlten. Zumindest befürchteten sie, vom Mehrheitsvolk "untergebuttert" zu werden, wie Bernd Posselt es einmal formulierte. Für die Kenntnis der Zusammenhänge ist das nicht unerheblich. Gern hörte man in dieser wirren Zeit Bělobrádeks Wunsch nach vertiefter Zusammenarbeit insbesondere auch innerhalb der Europäischen Union. Seine immer wieder von Beifall unterbrochene Rede gipfelte in dem Bekenntnis: "Wir sind nicht diejenigen, die Probleme suchen – wir sprechen offen darüber, was war, aber zugleich richten wir unseren Blick nach vorn. Verharren wir nicht in Selbstbetrachtungen, sondern schauen wir, was wir für unsere Kinder und ihre Zukunft machen können, damit sich so etwas nie mehr wiederholen kann. Ein Mensch voller Hass ist ein schwacher Mensch. Geben wir Europa eine Zukunft und zeigen wir, dass die Liebe den Hass überwinden kann und dass Zusammenarbeit die beste Prävention für die Zukunft ist."
Horst Seehofer dankte Pavel Bělobrádek und Daniel Herman. Trotz erheblicher Widerstände den Mut aufzubringen, beim Sudetendeutschen Tag zu sprechen, sei nicht selbstverständlich. Mehrfach nahm er Bezug auf die Worte des Vizepremiers, und erneut bekräftigte der Schirmherr seine und die Unterstützung des Freistaats Bayern für die Sudetendeutschen, erst recht in ihrem Dialog mit dem Nachbarland. Er lobte das diesjährige Leitwort "Verständigung suchen – Europas Mitte gestalten" und die Umtriebigkeit Bernd Posselts, dem er zum Geburtstag gratulierte: "Wo könnte man schon als Sudetendeutsches Urgestein seinen Ehrentag besser feiern als im Kreise der Familie seiner Landsleute? Auch heute zeigst Du: Dein ganzes Herz gilt Deinen Landsleuten ..."
Ebenso von der europäischen Idee beseelt wie Posselt und die Sudetendeutschen, wie Bělobrádek, Herman und vielleicht eine knappe Hälfte der Tschechen, definierte er den baye­rischen Weg in der Europapolitik: "Europa stärken und gleichzeitig einen Beitrag dazu zu leisten, dass die Gräben zwischen den verschiedenen Regierungen und Völkern nicht noch tiefer werden, als sie heute schon sind." Der Dialog sei durch nichts zu ersetzen, Sprachlosigkeit helfe den Menschen nicht weiter.
Das Thema Flucht, Vertreibung und Deportation zähle zur politischen Bildung. Seehofer: "Vertreibung ist Unrecht. Auch das gehört zu einem wahrhaftigen Umgang mit der Geschichte. Und Vertreibung bleibt Unrecht. Jeder demokratische Staat auf der Welt muss sich ins Stammbuch schreiben: ,Vertreibungen müssen weltweit geächtet werden.' Das ist die Welt, von der ich 1989/90 geträumt habe." Das im Bau befindliche Sudetendeutsche Museum in München werde 2018 eingeweiht und eröffnet werden, erklärte Seehofer, nachdem er sich dessen bei der in der ersten Reihe sitzenden Schirmherrschaftsministerin Emilia Müller, die am Freitag, Samstag und Sonntag in Augsburg zu Gast war, rückversichert hatte: "Sie nickt, und damit findet das auch statt."
Auch Bernd Posselt würdigte den Mut tschechischer Politiker und Geistlicher, den Sudetendeutschen Tag zu besuchen mit dem Willen, die jahrzehntelang gepflegte Sprachlosigkeit zu überwinden. "Was wir heute in der Rede von Pavel Bělobrádek, einem der ganz großen jüngeren Politiker in der Tschechischen Republik, gehört haben, war: Es geht nicht um eine Eintagsfliege, es geht um die Verstetigung eines gemeinsamen Weges."
Das Fundament von Verständigung und Versöhnung seien der gemeinsame Glaube und die gemeinsamen Werte. Vorkämpfer dieser Werte seien die Unterzeichner und Aktivisten der Charta'77 gewesen. Er freue sich, dass die Ausstellung über die vor 40 Jahren begründete Demokratiebewegung hier auf dem Sudetendeutschen Tag zu sehen sei.
"Pavel Bělobrádek hat es gesagt: Wir gehören zusammen. Jetzt wächst im Herzen Europas zusammen, was in der Geschichte zusammengehört hat und was heute wieder zusammengehört." Der der Weg sei lang und mühsam, die Situation fragil: "Ein falsches Wort, ein falscher Schritt, und das Ganze kann wieder schiefgehen. Deshalb brauchen wir viel Klugheit, viel Geschlossenheit und einen langen Atem, um gemeinsam diesen Weg in die Zukunft zu gehen."
Deutsche, Sudetendeutsche und Tschechen trügen gemeinsam Verantwortung, weil sie Erfahrung mit Nationalismus und totalitären Systemen hätten machen müssen. "Die Basis sind nun einmal die unteilbaren Menschenrechte, die die Charta '77 verkörpert hat ... Ich könnte mir vorstellen, dass in nicht allzu ferner Zukunft eine tschechische und eine deutsche Regierung gemeinsam in der UNO die Initiative ergreifen für ein weltweit kodifiziertes Vertreibungsverbot." 

Die Menschenrechte standen auch im Mittelpunkt der Festlichen Eröffnung des Pfingsttreffens am Samstag. Hartmut Koschyk, der Bundesbeauftragte für Aussiedler und nationale Minderheiten, wurde für seine Politik und sein vertriebenenpolitisches Lebenswerk mit dem Sudetendeutschen Menschenrechtspreis ausgezeichnet. Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier, der die 1999 eingeleitete vertriebenenpolitische Wende in Hessen unbeirrt fortgeführt und weiter ausgebaut hat, der mit der Heimatregion seiner Vorfahren eine Partnerschaft initiiert hat und ein ebenso unbeirrter Europäer ist, erhielt die höchste Auszeichnung der Landsmannschaft, den Europäischen Karlspreis. Er wolle die vertriebenenpolitische Kompetenz Bayerns nicht in den Schatten stellen, aber Hessen habe eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, Einrichtungen und Veranstaltungen geschaffen, die den Stellenwert der deutschen Heimatvertriebenen – die Sudetendeutschen seien die größte Gruppe unter ihnen – deutlich hervorgehoben hätten, sagte Bouffier in seiner Dankrede.
Bereits am Freitagabend wurden im Goldenen Saal des Augsburger Rathauses, in das der Vorstandsvorsitzende der Sudetendeutschen Stiftung, Ortfried Kotzian, Oberbürgermeister Kurt Gribl und Schirmherrschaftsministerin Emilia Müller eingeladen hatten, die Sudetendeutschen Kulturpreise verliehen. Träger des Großen Sudetendeutschen Kulturpreises ist heuer der Südmährer Hellmut Bornemann.
Mit drei deutsch-tschechischen Podien wurden bei diesem Sudetendeutschen Tag Erfahrungen ausgetauscht und offene Fragen angesprochen – zum Thema Kultur, zum Thema Patenschaften, Partnerschaften und Netzwerkbildung und (eine direkte Fortsetzung des dreitägigen Kongresses in Pilsen 2016) und zum Thema Familie und Generationenkette.
In den Hallen fielen die zahlreichen Stände und Ausstellungen aus der Tschechischen Republik auf, ebenso deutsch-tschechische Gemeinschaftsstände. Und bekam man das Tschechische früher allenfalls vereinzelt zu hören, so war es diesmal allenthalben die zweite Sprache dieses Sudetendeutschen Tages – wobei die meisten Tschechen besser Deutsch verstehen und sprechen als die meisten Deutschen Tschechisch, was indes zu den schicksalhaften Begabungen kleinerer Völker mit zahlenmäßig größeren Nachbarn zu gehören scheint. Gut besucht waren auch wieder die zahlreichen Vortragsveranstaltungen der Landsmannschaft, ihrer Arbeitskreise und der Gesinnungsgemeinschaften.
Bei der Pressekonferenz am Freitagmorgen in München hatte Bernd Posselt betont, daß das "Právo"-Interview des tschechischen Premiers Bohuslav Sobotka vom Mai letzten Jahres – unmittelbar nach dem Sudetendeutschen Tag in Nürnberg – ihn und den SL-Bundesvorstand zum diesjährigen Leitwort inspiriert habe. Die Mission Daniel Hermans habe eine strategische Ausrichtung gehabt, hatte Sobotka erklärt. Und es sei "Aufgabe unserer Generation, eine gemeinsame Sprache zu finden"; denn die Risiken, vor denen Europa stehe, seien zahlreich, und "wir brauchen Verbündete, um sie zu bewältigen."
Pavel Bělobrádeks Mission in Augsburg hat dieses Verständnis von N
achbarschaft, Zusammenarbeit und Zusammengehörigkeit vertieft und gefestigt. Und genau das können und sollten die Gegner der Verständigung hier und in der Tschechischen Republik nicht ernsthaft bemängeln.  Herbert Fischer Sudetendeutschen Zeitung 23/2017

Impressionen vom Sudetendeutschen Tag 2017 in Augsburg

Wischauerinnen bei der Einrichtung unseres Standes

Mgr. Martin Ander, PhD, Magistrat mesta Brna, Jaroslav Ostrcilik, meeting Brno, Rosina Reim

Auftritt beim Volkstumsabend

Mgr. Martin Ander, PhD, Magistrat mesta Brna, CZ-Kulturminister Daniel Hermann und Wischauer Trachtenträger

Dr. Günther Beckstein, Ministerpräsident a.D., mit Wischauer Trachtenträgern

 

Dr. Kurt Gribl, OB der Stadt Augsburg, Emilia Müller, MdL, Staatsministerin für Arbeit und Soziales, Familie und Integration, Schirmherrschaftsministerin und Wischauer Trachtenträger

Fotos Leif Andresen, Michael Santifaller, Hanna Zakhari

Sudetendeutscher Tag 2017

 

 

Wie Böhmen noch bei Österreich war
so lautete das Motto einer musikalischen Reise durch die KuK-Zeit im Sudetendeutschen Haus in München. Anlässlich ihres 163. Hochzeitstages kehrten Kaiser Franz Joseph I (dargestellt von Edwin Bude) und Kaiserin Elisabeth (dargestellt von Janina Schmaus) zurück in die Länder ihrer KuK-Monarchie. Es ging musikalisch durch Böhmen, Mähren, Österreich und Ungarn – mit Klassikern wie dem Radetzky-Marsch, O, Du mein Österreich, Wie Böhmen noch bei Österreich war und noch vielen schwungvollen Weisen. Eine 45 köpfige Blaskapelle aus Bedernau, Cornelius von der Heyden mit Band, das Ehepaar Lippert mit Egerländer Liedern und wir Wischauer mit Lied und Tänzen aus unserer Heimat erfreuten in dem voll besetzten Adalbert-Stifter-Saal die Besucher.
Wir Wischauer waren gerne dabei. RR

Wie Böhmen noch bei Österreich war 2017

 

Wischauer Informations- und Begegnungszentrum stand im Mittelpunkt.
Anfang Mai besuchte uns ein Bus mit Mitgliedern der SL-Kreisgruppe Waiblingen in unserer "Heimat Fachsenfeld". Die Besucher wollten sich informieren und mehr über Geschichte, Land und Leute erfahren. Ein Arbeitsteam unsererseits organisierte im Vorfeld alles sehr genau, was zu einem guten Gelingen beitragen sollte. Rosina Reim begrüßte die Gäste im Ausstellungsraum und erklärte zugleich, dass wir sehr gerne bereit sind, sowohl über die Ausstellungsobjekte als auch über die archivierten Gegenstände Auskunft zu erteilen. Inzwischen wartete eine gemütlich gedeckte Kaffeetafel mit leckeren hausgemachten Kuchen und Torten auf die Gäste in Raum 2. Die Bewirtung war – wie es bei uns immer üblich ist – perfekt und ließ an nichts mangeln.
Eine Frage, welche Heimatlandschaften hier vertreten sind, ergab folgendes: Adlergebirge, Altvater, Egerland, Böhmerwald, Mährisch Trübau, Mährisch Schönberg, Schlesien und Brünn. Über Brünn, die Stadt, welche unsere Vorfahren früher oft besuchten, um dort Erledigungen oder Einkäufe zu tätigen, wurde heftig über den Todesmarsch und seine Folgen diskutiert – und auch darüber, dass es heute schon mehrere Institutionen gibt, die sich diesem Thema besonders annehmen, und Taten folgen lassen. Der Vorstellung unserer Sprachinsel, angefangen von der Geschichte über die Vertreibung und die Integration, sowie die derzeitigen Aktivitäten, lauschten alle Gäste sehr gebannt. Wir lobten natürlich auch die guten Beziehungen zu unserer Patenstadt Aalen, die es uns ermöglicht, unser Brauchtum von früher und vieles mehr in dieser Weise pflegen zu können.
Mundartausdrücke, Bräuche und sehr oft auch die Spezialitäten aus Haus, Hof und Küche wurden verglichen, was immer auch sehr aufschlussreich und interessant ist.
Der Besuch endete mit unserem Wischauer Lied "Heimat ist nicht nur ein Land", und alle sangen aus voller Kehle mit. Der Abschied war herzlich, und als der Bus wieder Richtung Waiblingen los fuhr, winkten wir ihm fröhlich hinterher – und vielleicht gibt es irgendwo wieder mal ein Wiedersehen dieser Art.  RR

Dieses nette Kompliment erreichte uns kurz nach der Veranstaltung per mail: "Liebe Wischauer, nachträglich ein Dankeschön für einen Moment des zu Hause seins". und weiter ....… danke für die freundliche herzenswarme Aufnahme und Bewirtung und viele liebe Grüsse von unseren Landsleuten; es waren und bleiben für alle einige Tropfen Tau auf Herz und Seele, erfrischend auch für unsere weitere Erdenreise. Vergelts Gott und Auf Wiedersehen ….

Besuch Waiblingen 2017

 

Dorfmuseum Essingen
Dieter Schmidt und Dr. Dieter Bolten, die Vorsitzenden des Essinger Dorfmuseums erwarteten uns am Freitag, 5. Mai 2017, um im "Vertriebenenzimmer" zwei Vitrinen mit Wischauer Objekten zu bestücken. Das Fachwerkhaus war einst das Essinger Rathaus und wird jetzt zum neuen Dorfmuseum mit vielen alten Raritäten umgebaut. Wenn die Renovierungsarbeiten abgeschlossen sind, wird dieses Museum sicher eine besondere Attraktion am Dorfplatz sein. Viele Objekte und Gegenstände der unterschiedlichsten Art kann man auch jetzt schon bewundern. Besondere Höhepunkte sind neben vielen Einzelobjekten:  Räumlichkeiten einer alten Küche, ein komplettes Schulzimmer, ein betriebsbereiter  Frisiersalon und eine Puppenstubensammlung
Zu unterschiedlichen Zeiten werden hier auch Sonderausstellungen gezeigt und Kurse gegeben.
Wir haben unsere mitgebrachten Objekte zusammen mit Trachtenteilen von Wilfried Ribnitzky, der in Essingen wohnt und früher das Vereinsleben des Ortes mit gestaltete, in den Vitrinen dekoriert. Wir freuen uns, dass wir in diesem Haus mit dabei sein dürfen und hoffen auf viele Besucher! RR

Dorfmuseum Essingen 2017

 

 

Das 23. Wischauer Seminar in Kollbach
in Folge war wieder ein voller Erfolg. Es kamen am 19. und 20. November 2017 ausgezeichnete Referenten zu uns, und die insgesamt ca. 7.000 zurückgelegten Kilometer der Besucher haben sich mehr als gelohnt, denn es war für jeden etwas dabei. Wie immer begannen wir das Seminar mit dem gemeinsam gesungenen Lied "Wahre Freundschaft" – dessen Inhalt auch sinnbildlich für unsere Zusammenkünfte ist.
Anschließend stellte Monika Ofner-Reim, die durch das Programm führte, alle Teilnehmer persönlich, vor.
Rosina Reim schloss sich mit dem Vortrag in Wort und Bild über alle Aktivitäten der Gemeinschaft im vergangenen Wischauer Jahr an. Wieder einmal kann unsere Gemeinschaft auf ein sehr vielfältiges und interessantes Jahr mit vielen Veranstaltungen und Begegnungen zurückblicken: über jedes einzelne Projekt wurde zu gegebener Zeit bereits in unserem Heimatboten berichtet.
Leopold Schurius, geboren in Kutscherau, referierte über die "Vertreibung im Viehwaggon vor 70 Jahren" und alle haben seinem Vortrag gebannt zugehört: diejenigen, die die Vertreibung am eigenen Leib erfahren haben, hatten oft ähnliche Erlebnisse und erinnerten sich daran. Für diejenigen aus der Nachfolgegeneration war es sehr interessant, einmal detailliert zu erfahren, wie die Vertreibung konkret abgelaufen ist, welche Entscheidungen getroffen werden mussten, und welche Gedanken und Ängste unsere Vorfahren hatten. Nachdem dieses Referat sicher auch viele interessiert, die nicht am Seminar teilnehmen konnten, wird es in voller Länge an einer anderen Stelle in diesem WHB veröffentlicht.
Als nächstes folgte ein Vortrag von Horst Schickl, geboren im Dorf Tschechen, über die Jagd in der Heimat. Der Vortrag war besonders interessant, weil er von einem Erlebnis nach dem Krieg handelte, und zwar in der Zeit des Alexander Dubcek, Vorsitzender der KP in der CSSR. Die Eltern von Horst Schickl, die in Tschechen einen großen Hof bewirtschafteten, besuchten nach der Vertreibung des Öfteren ihre ehemalige Heimat. Schon zu dieser Zeit fiel auf, dass es hier besonders viel Niederwild (Hasen und Fasane) gab. Das Jagdrecht für diese Tiere lag bei den Bauern und Handwerkern. Das Jagdrecht für Hochwild jedoch war den Adligen, dem Klerus und den Hohen Herren vorbehalten. Horst Schickl's Hobby wurde später die Jagd, und irgendwann hatte er einen Wunsch, einmal im Lande seiner Vorfahren jagen zu können. Sein Onkel Josef Schedy erfüllte ihm diesen Wunsch, und so fuhr er zusammen mit vier Jagdfreunden im Jahre 1968 zu seinem Verwandten nach Rausnitz, um dort in den umliegenden Feldern an der großen Kreisjagd teilzunehmen. In sehr amüsanter Weise erzählt uns Horst Schickl dann von den Erlebnissen dieser Reise – vom unkomplizierten Grenzübertritt über den Ablauf der Jagd bis hin zu den landestypischen Geschenken und Gepflogenheiten. Auch diesen Beitrag können Sie im Heimatboten detaillierter nachlesen.

Nach der Kaffeepause – wie immer mit einem ganz tollen, speziellen Kuchenbuffet der Wischauer Frauen – stand Herr Dr. Ortfried Kotzian, Vorstandsvorsitzender der Sudetendeutschen Stiftung und Direktor des neuen Sudetendeutschen Museums in Münchens, im Mittelpunkt.
Dr. Kotzian lieferte einen geschichtlichen Überblick über die "verschiedenen Wellen von Flucht und Vertreibung". Denn bereits vor der Vertreibung der Sudetendeutschen  gab es in Europa größere Wellen, in denen Menschen ihre angestammte Heimat verlassen mussten, wie z.B. in den anfänglichen Umsiedlungsaktionen der deutschen Bevölker8ung aus dem Baltikum, Wolhynien, der Bukowina oder Bessarabien in das Deutsche Reich ("Heim-ins-Reich-Politik"). Später wurden in den neu besetzten Gebieten große Teile der dort lebenden Bevölkerung enteignet und umgesiedelt und stattdessen "Volksdeutsche" neu angesiedelt. Schließlich flüchteten im Winter 1944/45 die Deutschen u.a. aus Ostpreußen, Pommern und Schlesien. Nach Kriegsende bis Mitte August folgten die sogenannten wilden Vertreibungen": auf der Potsdamer Konferenz im August 1945 stimmten dann die Siegermächte den sogenannten "humanen und geordneten Vertreibungen" zu, die weitere zwei Millionen Sudetendeutsche betraf – und die für die Betroffenen sicher nicht human waren. Alles in allem bedeutete der Zweite Weltkrieg für ca. 20 Millionen Menschen in Europa den Verlust ihrer Heimat. Die letzte große Welle, die in diesem Zusammenhang zu sehen ist, ist die der Spätaussiedler/Russlanddeutschen, die sich nach der Öffnung des Eisernen Vorhangs ab 1989 vermehrt wieder in Deutschland angesiedelt hatten. Diesen spannenden Exkurs in die jüngste Geschichte untermalte Herr Dr. Kotzian mit detaillierten Landkarten, die zeigten, welch enorme Völkerbewegungen in den  letzten 100 Jahren stattgefunden haben.


Die nächste Referentin war Kristina Swobodnikova, heute noch in der Nähe der ehemaligen deutschen Sprachinsel wohnend. Sie erzählte sehr ausführlich über unsere ehemaligen Dörfer; sie stellte jedes Dorf der Reihe nach vor, und was sich im letzten Jahr dort ereignet hat. Sie hält gute Beziehungen sowohl zu den örtlichen Institutionen und Bürgermeistern, wie auch zu den Privatpersonen – und dabei erhält sie ständig neue Informationen über unsere Wurzeln. Die letzte noch lebende Bewohnerin der ehemaligen deutschen Sprachinsel ist Frau Theresia Kalatschek, geborene Prichystal. Sie lebt in einem Haus am Dorfrand von Kutscherau und freut sich immer sehr, wenn Kristina sie besucht. Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, den detaillierten und ausführlichen Bericht von Kristina genau nachlesen möchten, können Sie diesen gerne bei mir anfordern.
Der letzte Beitrag des Tages stammte von Norbert Herrling und Leif Andresen. Sie zeigten anhand einer reichhaltigen Fotoschau viele Bilder aus unserer ehemaligen Heimat, die sie von ihrer Reise im August 2016 mitgebracht haben. Die vielseitige Präsentation war besonders für die Leute interessant, die schon länger nicht mehr "dahuam" waren, um ihre Heimatdörfer zu besuchen.

Nach dem gemeinsamen Abendessen begann der "gemütliche Teil" des Abends, der in bewährter Art und Weise und unserem Musikduo Burgl und Hardl gestaltet wurde. Und damit alle mitsingen können (auch über die erste Strophe hinaus), haben die beiden ein Musikheft mit vielen bekannten Liedern aus der Heimat erstellt.
Als zusätzlichen Programmpunkt – und nach dem großen Erfolg im letzten Jahr  hat Gernot Ofner wieder eine Dia-Rate-Show nach dem Muster von Dalli Klick vorbereitet. Oft wurde sehr schnell erraten, was sich hinter dem Bildausschnitt verbirgt, was heißt, dass sich die die Besucher gut in ihrer Heimat auskennen.  Danach folgten wieder gemeinsam gesungene Lieder und zwischendurch kleine Mundartberichte über die heimatlichen Bräuche. Der Abend in schöner freundschaftlicher und heimatlicher Atmosphäre verging wie im Flug!

Der Sonntagvormittag begann mit einem kurzen Gedenken, das Anneliese Kästl für uns ausgesucht hat.
Schon seit jeher ist ein besonderer  Höhepunkt der Vortrag von Thomas Janschek, im Hauptberuf Agraringenieur in der Hallertau. Er erzählte "Als ich 1998 im Rahmen meiner Diplomarbeit über die Mythologie von Bäumen "Baumgeschichten" sammelte, wurde mir bewusst, wie vielfältig diese Beziehungsformen der Menschen zu Bäumen sein können. Seither sammle ich Baumgeschichten aus allen Gegenden". Dabei kann der Baum von uns Menschen in zweierlei Hinsicht betrachtet werden. Zum einen als seelenlose Nutzpflanze, die unsere Bedürfnisse an Nahrung und Rohstoff befriedigt, zum anderen in ihrer Wesenhaftigkeit und vielschichtigen Symbolik der Märchen, Mythen und Bräuche. Gerne erinnert sich der gekonnte Erzähler gerade an ältere Menschen, die ihm für seine Recherchen so manche lustige, traurige, spannende, ja manchmal sogar tragische "Baumgeschichte" erzählen können. Janschek hat viele interessante Geschichten rund um die Bäume auf Lager: Napoleon nahm in seinem Tross immer Rutengänger mit, damit die Soldaten immer frisches Wasser bekamen. Jedes Holz hat seine Symbolik. "Die "Butzerl" lagen früher, als die Säuglingssterblichkeit noch hoch war, immer in einer Wiege aus Ebereschenholz, weil das ein besonders zäher Baum ist und seine Zähigkeit sollte sich auf die Kinder übertragen. Und der Mistelzweig wird aufgehängt, weil er die Stuben beschützt. 2016 war die Linde der Baum des Jahres.  Weitere Informationen auf den Webseite von Thomas Janschek: www.baumgeschichten.de
Monika Ofner-Reim beendete das Seminar, nachdem alle Fragen beantwortet und die kommenden Termine abgesprochen waren.  Eine interessante Veranstaltung, aus der man viel Geschichte sowie Themen rund um unsere Sprachinsel mit nach Hause nehmen konnte. Das 24. Seminar im Jahre 2017 wurde bereits in die Planung aufgenommen.
Der begleitende Advents- und Weihnachtsbazar unter Christine Legner wurde wie immer sehr gut besucht und so manche Rarität konnte mit nach Hause genommen werden. MOR/RR

 

 

Bilder zum Sudetendeutscher Tag 2016

Sie finden das "Wischauer Heimatlied" auf Youtube

Aus Böhmen kommt die Musik

Bilder zur Wallfahrt 2016

Bilder zum Seminar Kutscherau 2016

Bilder zum Heimattreffen in Aalen 2016

Bilder zur Ausstellung Fachsenfeld 2016

Bilder zum Trachten- und Schützenzug 2015

Bilder zum Seminar Kutscherau 2015

Bilder zum Besuch des Schirmherrns OB Rentschler 2015

Bilder zur Sprachinselreise 2015

Bilder zur Versöhnungswallfahrt 2015

Bilder zu Sudetendeutscher Tag 2015

Bilder zum Vertriebenengedenktag 2014

Bilder zu Sudetendeutscher Tag 2014

Bilder zu Trachtenschau im HdO 2014

Weitere Bilder zum Trachten- und Schützenzug und http://sdrv.ms/1bF72Sp

Bilder zu Housntrocha und Riech 2014

Bilder zum Besuch Wischauer Jugendliche in Aalen 2013

Bilder zu Aalen International 2013

Bilder zum Heimattreffen 2013

Bilder zur Ausstellung im Schloss Wischau 2013

Bilder zum Sudetendeutschen Tag 2013