Wilhelm Reim, der Brueckenbauer

Filippo Nathan Nereo - Mundartforscher

Hilde Marischler-Goll - unsere Poetin

Rudolf Butschek - Gründer unserer Gemeinschaft

Guntram Prochaska - Multiple Artist

Johann Drabek - Die Legende

Hofrat Dr.Julius Ritter von Wiesner

Anton Czapka  -  ein Mensch der Tat  - und die  Geschichte der Taubstummenanstalt Mährisch Schönberg

Günter Brtnik, Pilger der Europäischen Union

Günter Brtnik ist der Sohn von Emanuel und Luise Brtnik. Sein Vater Emanuel Brtnik stammt aus dem Ort Tschechen in unserer Wischauer Sprachinsel; die Mutter ist eine gebürtige Münchnerin. Im Jahre 1946 wurde Vater Emanuel Brtnik im Alter von 17 Jahren aus Tschechien vertrieben. Heute lebt Emanuel Brtnik in Tüßling in Oberbayern und Günter Brtnik im nicht weit entfernten Altötting. Wie leider so oft bei jungen Menschen, wurde bei Günter Brtnik erst spät das Interesse für die eigene Herkunft und Heimat geweckt, allerdings nicht zu spät und bis dato umso mehr verinnerlicht. Einer seiner größten Leidenschaften hat er diese späte Liebe zu verdanken, dem Pilgern.
Günter Brtnik ist tief in seinem Bewusstsein Europäer. Im Jahr 2006 beginnt Günter Brtnik zu pilgern und stellt sich seinen Mitpilgern stets als Bürger der Europäischen Union vor. In den Jahren darauf begibt sich Günter Brtnik zu Fuß in Etappen quer durch die Europäische Union, von Tschenstochau in Polen, durch Tschechien, Österreich, Deutschland, Italien Frankreich und Spanien, ganze 4500 km, um den europäischen Geist mit den Füßen in die Herzen der Europäer zu tragen. Einen entscheidenden Anstoß für die Route durch Tschechien verdankt Günter Brtnik Frau Rosina Reim. So ist Günter Brtnik den Weg durch Mähren durch unsere Wischauer Sprachinsel gegangen. Der Wallfahrtsort Kiritein und die Gräber seiner Ahnen in Rausnitz bleiben Günter Brtnik in besonderer Erinnerung. Günter Brtnik ist den Weg durch die EU als „Symbol für Frieden und Versöhnung“ der Europäischen Völker gegangen. Wir Vertriebene kennen das Leid eines Krieges und den Wert der Europäischen Union, die bewusst den Friedennobelpreis erhalten hat. Umso mehr besorgt Günter Brtnik das wiederaufkommende nationalistische Denken in vielen europäischen Ländern und gar der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union.
Sein Buch „Der Weg zur vollkommenen Freude“, 2015 erschienen im Literaturdepot.EU, handelt von Günter Brtniks Pilgerweg durch die EU und ist dem europäischen Zusammenhalt gewidmet. Günter Brtnik hat bereits mehrfach am Wischauer Seminar referiert und wünscht sich, dass die Menschheit aus der Geschichte lernt. Er wünscht sich ein Europa, das im Gemeinschaftssinn die Werte des christlichen Abendlandes in die Welt ausstrahlt.

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Wilhelm Reim, der Brueckenbauer,


war ein echter Bayer. Er wurde 1940 in München geboren und ist dort auch aufgewachsen. Seinen Vater durfte er nie kennen lernen, weil dieser aus dem Krieg nicht mehr zurück kam; er ist bis heute vermisst. Willi besuchte das Wilhelmsgymnasium in München und entschied sich nach dem Abitur für ein Ingenieurstudium, Fachrichtung Vermessungswesen. Seine berufliche Laufbahn begann bei der Firma BBC in München. Dort lernte er auch seine Rosina kennen – und sie heirateten im Jahre 1965.  Tochter Monika und Sohn Bernhard machten die Familie komplett.
Am Anfang ihrer Ehe bereiste Willi oft mit Rosina’s Familie die alte Heimat und identifizierte sich bald mit dem Schicksal der Vertriebenen. Als gelernter Vermessungsingenieur verbrachte er mit seinem Schwiegervater viele Stunden auf dessen ehemaligem Eigentum, den Feldern und Fluren der Sprachinsel. Schon vor der Grenzöffnung gelang es ihm, die alten Flurkarten aus dieser Gegend zu beschaffen. Mit großer Begeisterung beschäftigte er sich damit und gab die Informationen auch gerne an alle interessierten Sprachinsler weiter. Im Zuge dieser Recherchearbeiten blieb es natürlich nicht aus, dass sich Willi nicht nur mit alten Dokumenten, sondern auch mit der besonderen Tracht der Wischauer Sprachinsel beschäftigte. Seit Mitte der 80er Jahre war er aktiver und überzeugter Trachtenträger. Er wurde bei vielen Auftritten und Präsentationen sehr oft für einen waschechten Wischauer gehalten; er genoss es und schwieg! Sein fundiertes Wissen und seine hervorragenden Ortskenntnisse führten dazu, dass er immer öfter auch Reisen organisierte und mit vielen verschiedenen Gruppen die „alte Heimat“ besuchte. Aus ersten zaghaften Kontakten mit den heutigen Bewohnern der Sprachinseldörfer entwickelten sich im Laufe der Zeit intensive Begegnungen, Freundschaften und erste grenzübergreifende Projekte. Als Erinnerung und Referenz an die ehemaligen Bewohner des Geburtsdorfes von Rosina gibt es in dem neuen Gemeindezentrum eine entsprechende Dauerausstellung, an deren Konzipierung und Umsetzung Willi maßgeblich beteiligt war. Ein weiteres Projekt war eine Ausstellung in der Wischauer Bibliothek über Kultur und Leben in der früheren Sprachinsel. Diese stieß auf große Resonanz in der tschechischen Bevölkerung, weil nach 60 Jahren erstmalig eine Präsentation dieses Themas ermöglicht wurde. Viele Ausstellungen folgten! Wenn Willi und Rosina dann von Reisen und Ausstellungen wieder zurückkamen, ging die Arbeit zu Hause erst richtig los. Gemeinsam erarbeiteten sie auch hier viele Projekte:  eine Sterbebilderdatei, eine Ausstellung über Geldscheine von 1900 bis zur Vertreibung im Jahre 1945, eine Ahnentafel, eine Bibliografie und vieles mehr. Hervorzuheben ist der jährliche Sudetendeutsche Tag. Es war für ihn ein persönliches Bedürfnis, den Wischauer Stand attraktiv, perfekt und immer wieder neu zu gestalten. Die enorme Vor- und  Nacharbeit nahm er selbstverständlich in Kauf. Sein letztes großes Werk für die Wischauer war die Konzeption des neuen  Informations- und Begegnungszentrum in Fachsenfeld. Er hat auch hier millimetergenau alles ausgerechnet, zusammengestellt und dann persönlich mit Freunden gemeinsam  aufgebaut. In offizieller Funktion war Willi seit einigen Jahren Heimatkreisbetreuer für die Wischauer Sprachinsel in der Sudetendeutschen Landsmannschaft.

Alle, die Willi gekannt haben und mit ihm zu tun hatten, werden sich einerseits an seine Akribie und Professionalität gerne erinnern,  andererseits bleibt im Gedächtnis, dass er ein echtes Münchner „Gwachs“ war. Sein Humor war hintergründig, sein Lächeln verschmitzt, seine Art war direkt   u n d    dafür mochten ihn seine Freunde und Bekannten. Für Willi ging sein irdischer Lebensweg schnell und unvorhersehbar  zu Ende, für uns – die wir zurück geblieben sind – ist eine große Lücke entstanden, die nicht zu schließen ist. 

Seine Arbeiten und sein Bestreben wird Rosina fortsetzen und sich auch weiterhin um ein gutes Verständnis und eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen unseren Völkern bemühen. MOR und RR

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Dr. Filippo Nathan Nereo

"The Dynamics of Language Obsolescence in a Divided Speech Community. The Case of the German Wischau/Vyskov Enclave (Czech Republic)"

war das Thema seiner Doktorarbeit vom Jahre 2011 in der School of Languages, Linguistics and Cultures, University of Manchester.

Im Jahre 2007 erhielt Filippo Natha Nereo den kulturellen Förderpreis für Wissenschaft der Sudetendeutschen Landsmannschaft. Hier seine persönliche Rede bei der Preisverleihung : Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Ehrengäste,
ich danke Ihnen ganz herzlich für diesen Kulturellen Förderpreis für Wissenschaft, den ich im Namen der Wischauer, die mich bei meinem Projekt unterstützt haben, annehmen darf.
Als Studentische Hilfskraft für das Forschungsprojekt Sprachatlas der historischen deutschen Mundarten in der Tschechischen Republik an der Universität Regensburg bin ich zum ersten Mal auf die deutsche Sprachinsel Wischau aufmerksam geworden. Im Internet bin ich zudem auf die sehr gut gestaltete Webseite der Gemeinschaft Wischauer Sprachinsel gestoßen. Daraufhin habe ich mich bei der jetzigen Ersten Vorsitzenden, Frau Rosina Reim, gemeldet, die mir seitdem mit unermüdlicher Begeisterung mit Rat und Tat zur Seite steht. Sprachinseln sind besonders reich an sprachlichem Erbe, sodass ihre vollständige Dokumentation im Kontext moderner linguistischer Theorie von großer Bedeutung ist. Eine derartige Untersuchung lag jedoch im Falle der Wischauer Sprachinsel nicht vor. Somit sah ich hierin ein dringendes Forschungsdesiderat, das durch das baldige Aussterben des Dialekts umso dringlicher erschien.
Meine Vorgehensweise bei diesem Vorhaben sah dabei so aus, dass ich Interviews mit der Erlebnisgeneration führen und dadurch eine Mundartgeschichte erstellen wollte. Meine Damen und Herren, stellen Sie sich vor, welche Befürchtungen ich hatte, als ich in der Literatur der Behauptung begegnet bin, es gäbe in der Tschechischen Republik keine deutschsprachigen Einwohner mehr. Damit schien ja mein Vorhaben von vornherein geplatzt zu sein! Diese Behauptung sollte sich jedoch glücklicherweise als falsch erweisen.
Im November 2005 durfte ich am Jahresseminar des Sprachinselvereins teilnehmen. Dort habe ich viele Mitglieder der Gemeinschaft persönlich kennen gelernt, eingehende Gespräche mit der Erlebnisgeneration geführt und dabei etliche Mundartaufnahmen für mein Projekt machen können. Im Januar 2006 war ich dann selber in Wischau und habe wiederum Interviews mit verbliebenen Dialektsprechern durchgeführt. Die Ergebnisse dieser Feldforschung legen einen eher konservativen, ja archaischen Dialekt nahe, der trotz isolierter geographischer Lage über Jahrhunderte hinweg z. T. deutlich weniger Veränderungen als die Dialekte des binnenbairischen Raumes, andererseits jedoch eine selbständige Entwicklung aufweist.
Dass von einer Wischauer „Gemeinschaft“ nach wie vor die Rede sein kann, ist unbestreitbar. Das Fortbestehen dieser Gemeinschaft wirft jedoch in vielen Disziplinen u. a. der Sprachwissenschaft eine wichtige Fragestellung auf: wie ist das Fortbestehen dieser Gemeinschaft trotz Vertreibung bzw. Assimilierungspolitik zu erklären? Die Antwort liegt m. E. in der Stärke der „Wischauer Identität“. Aber welche sprachlichen Strategien stehen dieser Gesellschaft bei der Konstruktion ihrer Identität zur Verfügung? Regelmäßige Ausflüge in die ‚alte Heimat’ bilden die Kernstrategie der Gesellschaft zur sprachlichen Darstellung ihrer Identität. Die Treffen verstehen sich gewissermaßen als Foren für alle Sprecher dieser Mundart, um letztere auch ungehemmt und frei zu reden, und sich als ‚echte Wischauer’ zu behaupten. Sprache ist ja die Darstellung von Identität schlechthin. In virtueller Form verfügt die Gruppe über einen eigenen Webauftritt, und das virtuelle Gästebuch soll zur Besprechung und Diskussion relevanter Angelegenheiten anregen, als weiteres Podium für die Verbreitung von Ideen und Gedanken dienen, und nicht zuletzt als virtuelle Drehscheibe zwischen den vertriebenen und noch verbliebenen Wischauern fungieren. Die Webseite bekräftigt die Identität der Gesellschaft, insofern dass sie diese, deren Geschichte, Kultur und nicht zuletzt auch Sprachvarietät einem uneingeschränkten Publikum vorstellt. Auf diese Webseite wird die jeweilige aktuelle Folge der eigenen Heimatzeitung hochgeladen. Es erscheint alle zwei Monate der Wischauer Heimatbote. Von Belang ist hier, dass die Zeitung zur Erhaltung der Identität und Kultur der Gesellschaft für die nächsten Generationen, sowie als Zeugnis der Geschichte dienen soll.
Nicht zuletzt möchte ich das Wörterbuchprojekt erwähnen, an dem sich einige Wischauer beteiligen. Eine solche Publikation wird u. a. das Prestigeniveau der Sprachvarietät bekräftigen, sowie dem Ziel, das sprachliche Brauchtum für die nächsten Generationen zu dokumentieren, gerecht werden. Durch die Bemühungen von Einrichtungen wie der Gemeinschaft Wischauer Sprachinsel, sowie durch empirisch vorgehende Forschungs- und Dokumentationsprojekte kommt die Sprachinsel Wischau zu ihrem Recht. Meine Damen und Herren, die Wischauer würden jetzt mundartlich sagen ‚iatz saba featich’ - - - - Ich danke für die Aufmerksamkeit. Die Laudatio wurde von Heinrich Pleticha verfaßt und ist unter http:// www.sudeten.de (Kultur-Preisträger) nachzulesen. Filippo Nereo hat im Jahre 2006 seine Magisterarbeit mit dem Thema „Die Sprachinsel bei Wischau“, an der Philosophischen Fakultät IV (Sprach- und Literaturwissenschaften) der Universität Regensburg geschrieben. Die Arbeit wurde mit sehr gut bewertet. RR

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Hilde Marischler-Goll   -  unsere Poetin

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Vor meinem Vaterhaus stand eine Linde, die mich schon als Kind faszinierte, vielleicht hat sie mich da schon zum Reimen beflügelt. Oft gab`s Lindenblütentee, der einfach traumhaft schmeckte.

1935 an einem Sonntag an Bartholomä erblickte ich in Swonowitz in der Wischauer Sprachinsel als Tochter des Landwirtes Johann Marischler und dessen Ehefrau Anna geb. Springer das Licht der Welt. Wie mir meine Mutter erzählte, wurde in der kleinen Kapelle vis-a-vis von meinem Elternhaus gerade eine Messe zelebriert. Die Erinnerung an meine Kindheit ist mit schöner Landschaft verbunden. Den frischen Duft der im Frühjahr weißgekalkten Häuser verspüre ich noch heute in meiner Nase. Man kann es kaum glauben, aber auch Düfte können eine Erinnerung wachhalten. Die Wurzel der Herkunft sitzt tief; es heißt nicht umsonst: "Sage mir wo Du herkommst, und ich sage Dir, wer Du bist!" Im Sommer kamen oft Maler aus der Stadt in unser Dorf. Sie passten mich auf dem Nachhauseweg von der Schule ab, und ich musste mit meiner Schultasche Modell sitzen, was mir nicht immer gefiel, trotz der Süßigkeiten, die sie mir schenkten. Ich wäre lieber nach Hause gegangen, da konnte ich Mutter schon beim Butter stampfen, Hühner füttern und anderen Arbeiten im Haus helfen, was mir auch großen Spaß machte. Im Frühjahr 1945 trafen wir uns mit den Dorfbewohnern jeden Tag abends in der kleinen Marienkapelle, um zu beten, dass der schreckliche Krieg bald ein Ende nehme. Das Ende meiner sorglosen Kindheit begann im Mai 1945, als die Russen unser Dorf besetzten und später unser ganzer Besitz (Haus, Hof, Ackerland) von den Tschechen enteignet und meine Eltern und ich zur Fronarbeit in ein tschechisches Dorf abtransportiert wurden. Am schlimmsten war es für mich, dass ich in dem tschechischen Dorf Hostice nicht die Schule besuchen und auch nicht auf die Straße durfte, um mit den Kindern zu spielen. Wenn ich mich mal vors Haus wagte, wurde ich von den tschechischen Kindern beschimpft, mit Steinen beworfen und angespuckt, so dass ich schleunigst wieder ins Haus lief, wo ich der Bäuerin im Haus und Hof helfen und auch schon schwere Arbeiten verrichten musste. Im Sommer 1946 wurden wir ins Lager nach Brünn gebracht und in Viehwaggons verladen. Wir fuhren über die tschechische Grenze nach Deutschland und kamen in die Artilleriekaserne nach Karlsruhe und dann ins Lager am Viehmarkt in Bretten Da durfte ich endlich wieder zur Schule; ich war überglücklich.

Den ersten Schultag werde ich nie vergessen. Da stand ich vor der schönen großen Schule in Bretten in Wischauer Tracht abseits von den Kindern. Ein Mädchen fasste Mut und kam auf mich zu mit den Worten: "fersch me?" (führst Du mich?) Mir ging`s in den Kopf nicht rein, was sie wohl meinte, doch plötzlich nahm sie meine Hand und führte mich und das war`s. "So leicht verständlich und herzlich isch d`badisch Sproch," die ich mit der Zeit gut beherrschte, so dass ich jetzt schon 10 Jahre im Rundfunk selbstverfasste Gedichte in badischer Mundart vortrage. In der Melanchthonstadt Bretten besuchte ich die Grundschule und dann die höhere Handelsschule mit Absolvierung der Mittleren Reife. Zu der Zeit mussten meine Eltern noch Schulgeld bezahlen. Leider war damals für mich ein Studium aus finanziellen Gründen nicht möglich. Meine weitere Ausbildung erfolgte als Sekretärin. Meinem Hobby, dem Schreiben von Gedichten und authentischen Begebenheiten, konnte ich erst in späteren Jahren folgen, da ich mit Beruf und Häusle bauen völlig ausgelastet war. Als mein Sohn in Amerika an der Universität von Kansas studierte, besuchte ich meine Freundin in New York sowie Verwandte und Bekannte, die mich durch 15 amerikanische Staaten und Kanada führten, was mich sehr stark beeindruckte. In dieser Zeit fiel mir auch die größte deutschsprachige Zeitschrift Amerikas "Das Fenster" in die Hände, die ich zum Lesen mit nach Deutschland nahm. Ich schrieb ein Gedicht ("Die alte Truhe") und schickte es ab. Eines Tages kam ein Brief von einer Deutschamerikanerin aus Kalifornien, die schrieb, dass sie in jungen Jahren in den Kriegsdienst kam und als Lehrerin im Nachbarort von Swonowitz die dritte und vierte Klasse unterrichtete. Sie hatte noch das Poesiealbum mit den Namen ihrer Schulkinder. Natürlich habe ich gleich Verbindung mit ihr aufgenommen. Nach jahrelanger Brieffreundschaft besuchte mich die ehemalige Lehrerin - Gisela Reinhold - in der Melanchthonstadt Bretten. Es war, als hätten wir uns schon immer gekannt. Ich konnte eine Zusammenkunft mit einigen ihrer Schüler von damals arrangieren, die verstreut in ganz Deutschland ihre zweite Heimat fanden. Es war für alle ein bewegendes Treffen. Mein weiteres Hobby ist die Mitwirkung in Fernsehfilmen als Komparsin. Es waren in den 30 Jahren der Komparserie schon viele interessante Filme und Serien, in denen ich mitwirken durfte und somit Einblick hinter die Kulissen der Filmwelt hatte. Da ergab sich manch interessantes Gespräch mit den Filmgrößen, so z. B. bei den Serien: "Oh Gott Herr Pfarrer" mit Robert Atzorn,  "Pfarrerin Lenau" mit Irene Clarin, Walter Schultheiß, Hans Clarin und "Die Fallers" mit Wolfgang Hepp, Ursula Cantieni. Auch in verschiedenen Fernsehfilmen wirkte ich mit: "Zoff & Zärtlichkeit" mit Pinkas Braun, Wolf-Dietrich Berg, Klaus Höhne, Helmut Zierl, Christina Plathe , "Rosenzweig`s Freiheit" mit den Schauspielern Benjamin Sadler, Monika Bleibtreu, Peter Roggisch, Felix von Manteuffel, dem Wiener Burgschauspieler Christoph Gareißen und "Rachegöttin" mit Lola Müthel der Grande Dame des Theaters, die eine Schauspielerin spielte, die für eine Erbschaft zur Rachegöttin wird. Hinzu kamen etliche Tatortfilme, u. a. auch mit Ulrike Folkerts / Andreas Hoppe, usw.…  Im Jahr 2000 erschien mein Buch "Von der Kornkammer Mährens ins Kraichgauer Hügelland", in dem sich viel Autobiografisches befindet. Daneben habe ich auch zahlreiche authentische Erlebnisse verfasst, z.B. Gedichte in Schriftdeutsch, badischer und auch Wischauer Mundart, die in Zeitungen, Zeitschriften und im Wischauer Heimatboten erschienen sind. Gedichtvorträge bei Veranstaltungen und im Rundfunk folgten, ebenso Lesungen und Vorträge über heimatliche Bräuche. Seit 20 Jahren trage ich selbstverfasste Gedichte bei der Eröffnung des Brettener Weinfestes und Weihnachtsmarktes durch den Brettener Oberbürgermeister auf dem Marktplatz vor. Oft war ich auch Trägerin der Wischauer Tracht bei Repräsentationen, z.B. bei Trachtenumzügen oder beim Tag der Heimat in Karlsruhe mit Gedichtvortrag. Der ehemalige Außenminister Dr. Kinkel ließ mir ein Schreiben zukommen, in dem er sich für meinen Weihnachtswunsch mit den Worten bedankte: "Über Ihren selbstverfassten Weihnachtswunsch, dem ich nur zustimmen kann, habe ich mich sehr gefreut." was auch mich sehr freute. Freude bereitete mir auch die aktive Mitgestaltung der Ausstellung "Neue Heimat – Alte Heimat" (nach 60 Jahren Vertreibung), die vom 11.Mai 06 – 29. Okt. 06 in Bretten im Museum Schweizer Hof stattfindet. Bei der Eröffnung konnte ich ein selbstverfasstes Gedicht vortragen. Im August 2006 ist eine Lesung aus meinem Buch "Von der Kornkammer Mährens zum Kraichgauer Hügelland" geplant. Wir Wischauer sind ein aktives Volk, Müßiggang ist bei uns nicht drin, man sieht es auch an dieser Homepage von Rosina.  (Hilde Goll)

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Rudolf Butschek - Gründer unserer Gemeinschaft

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Rudolf Butschek wurde am 20. August 1923 als fünftes von fünf Kindern in Kutscherau 147 geboren. Er besuchte die Volksschule in Kutscherau und anschließend die Bürgerschule in Lissowitz. Er vollendete danach eine Lehre im Hotel- und Gastgewerbe in Brünn und besuchte dort auch die Fachhochschule. 1940 wurde er wehrpflichtig und meldete sich zur Kriegsmarine – Marineartillerie in Lorient und Port Louis. Auf der Feuerwehrakademie vollendete er sein Studium als Feuerwerker (Spezialist zum Bomben entschärfen) und erhielt gleichzeitig auch als Feuerwehrmaat das große Sportabzeichen der Marine. Beim Rückzug der Deutschen durch Frankreich wurde Rudolf Butschek schwer verwundet und verlor seinen linken Unterschenkel. Aus diesem Grunde wurde ihm am 4.11.1944 das Silberne Verwundeten-Abzeichen in Arolsen verliehen. Der Heilungsprozeß dauerte sehr lange, weil immerwieder das Wundfieber auftrat. Schnell wurde er dann von Arolsen nach Brünn verlegt. Im Reserve-Lazarett II Brünn Bohonitz konnte er die Verwaltungsprüfung für Beamten-Anwärter ablegen und wurde schließlich im Februar 1945 wieder nach Kutscherau entlassen. Im Dorf war es zu dieser Zeit schon sehr ruhig. Fast alle Männer und Burschen waren im Krieg und die übrigen Dorfbewohner schon sehr verängstigt. Tschechische Neusiedler besetzten Zug um Zug die deutschen Häuser und auch der Tschechische Bürgermeister Urbanec löste den deutschen Bürgermeister Drabek ab. Rudolf Butschek wurde mit seinem Vater aufgrund einer Falschangabe der neuen Hausbesetzer nach Wischau ins gefürchtete Arbeitslager eingezogen. Rudolf konnte aber aufgrund seiner Verletzung nicht zum Arbeitsdienst eingeteilt werden und wurde auch bald wieder entlassen. Zurück in Kutscherau wurde er vom Bürger meister, der den Deutschen gegenüber sehr freundlich eingestellt war, zur Arbeit eingeteilt. Er mußte alle Kutscherauer Familien zusammenschreiben, die für die Vertreibung vorgesehen waren. Gemeinsam mit dem gesamten Butschek-Clan und vielen anderen Sprachinslern mußte er dann schließlich im Juni 1946 seine Heimat verlassen. Im Güterwaggon eingepfercht erreichte Rudolf Butschek mit allen anderen Vertriebenen den Zielort Wasseralfingen, später Zipplingen. Er war jung und dynamisch und arbeitete auch in dieser schwierigen Situation so schnell wie möglich mit dem Bürgermeister zusammen. Ab diesem Zeitpunkt war er Wegbereiter für alle Heimatvertriebenen, speziell aber für "seine Wischauer". Bereits im September 1946 heiratete er fern seiner Heimat mit einer großen Trachtenhochzeit Elisabeth Mrkwitza aus Kutscherau 47. Aus dieser Ehe gingen fünf Kinder hervor. Rudolf Butschek schrieb neben seinen vielen anderen Tätigkeiten auch sehr oft Artikel für die Presse, um die Geschichte und die Anliegen seiner Landsleute bekannt zu machen.

Im Jahre 1949 befaßte sich ein kleiner Personenkreis unter seiner Führung mit der Erstellung einer Kartei der Sprachinsler und im Jahre 1951 organisierte er das erste Wischauer Heimattreffen in Aalen. "Seine Wischauer" standen für Rudolf Butschek immer an erster Stelle. Sehr viel Zeit und Engagement verbrachten er und seine Ehefrau Elisabeth für die vielen Anliegen und Tätigkeiten seiner Heimatleute in dieser Zeit. Ab 1953 war er für den BdV als Kreisgeschäftsführer tätig und von 1956 bis 1959 arbeitete er an der Bundeswehrkaserne in Ellwangen. Er war dort für die Einkleidung der Bundeswehr verantwortlich. Von hier aus wechselte er später ins Versicherungswesen zum Standortkommandanten über. 1959 wurde er Leiter der Bundeswehrkantine und später war es als Kreditberater tätig.

Unter seiner Führung wurde das "Heimatbuch über die Wischauer Sprachinsel von 1964" herausgegeben. 1973 erschien das Buch "Wo sind sie geblieben" und der Bildband "Bilder aus der Wischauer Sprachinsel" wurde von ihm vorbereitet. Mit dem Museum in Aalen war er einig geworden, dort eine Ausstellung über die Wischauer Sprachinsel zu zeigen. Das Heimattreffen im Jahre 1976 sollte mit einem Originalhochzeitszug ebenfalls etwas Besonderes werden, doch leider verstarb Rudolf Butschek am 24. April 1976 ganz plötzlich und unerwartet an einem Herzinfarkt. Er hinterließ eine große Lücke, doch sein Werk wurde in seinem Sinne fortgeführt. Rudolf Butschek war mit jeder Faser seines Herzens Wischauer. Er setzte sich immer und überall für seine Landsleute ein und deshalb ist die Geschichte der vertriebenen Wischauer eng mit Rudolf Butschek verbunden. Mit seiner Hilfestellung, seiner Zuvorkommenheit und mit seiner Verständnisbereitschaft haben es ihm viele Landsleute zu verdanken, daß die Eingliederung in Deutschland nicht so beschwerlich war. Seine Frau arbeitet bis heute unermüdlich an seinem Lebenswerk zum Wohle der Gemeinschaft Wischauer Sprachinsel e.V. Rudolf Butschek erhielt Urkunden und Ehrungen vom BdV und des Sudetendeutschen Heimatrates, u.a. auch die Goldene Ehrennadel des BdV. Rudolf Butschek war für seine Heimat unermüdlich tätig. Er hat den Zusammenhalt der Landsleute gestärkt und Verständnis geweckt für das verlorengegangene Kulturgut. Er legte eine umfangreiche Trachten- und Dokumentensammlung an. Wir Wischauer werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. (Elisabeth Butschek - Rosina Reim)

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Guntram Prochaska - Multiple Artist

Guntram Prochaska hat zu unserem 21. Wischauer Heimattreffen in Aalen im Jahre 2010 einen Friedensengel geschnitzt,

  

Guntram Prochaska, seine drei Musiker, Martin Gerlach, Oberbürgermeister der Stadt Aalen und Rosina Reim, Vorsitzende unserer Gemeinschaft bei der Übergabe des neu geschnitzten Friedensengels

Der gebürtige Grötzinger fing Anfang der 65er Jahre an, Äste und Stöcke auf dem Asphalt abzuschmirgeln – damals war er vier. Seine Mutter war Schneiderin und Guntram ritzte mit ihren Nadeln Konturen ins Holz. Ob Wahrheit oder Mythos sei dahingestellt.

Sein Vater Thomas Prochaska stammt aus Kutscherau, einem der 8 Dörfer der Wischauer Sprachinsel in Mähren. Nach einer glücklichen Kinderzeit besuchte er dort die Volksschule, in Lissowitz die Bürgerschule und in Brünn die Handelsschule, um später in Mährisch Weisskirchen Förster zu erlernen; der Wald, die Natur und die Bäume faszinierten ihn schon immer. Nach einem Jahr Lehrzeit in der dortigen Forstschule wurde auch er mit seiner Familie aus Kutscherau vertrieben und landete in Grötzingen. Dort baute er sich ein neues Leben auf und heiratete im Jahre 1954 die Böhmerwäldlerin Anneliese Drachsler aus Plöß. Guntram, dessen Wurzeln also in der Wischauer Sprachinsel liegen, wurde die Liebe zur Natur, besonders zum Holz bereits in die Wiege gelegt. Später, in seinem Jugendjahren wurde er dann Messdiener und Kunstturner. "Der Kunstturner ist ein impulsiver Mensch, immer auf dem Sprung", sagt er, "der Messdiener hat seine Auftritte in großen, sakralen Räumen mit gewaltiger Akustik". Beide "Figuren", Kunstturner wie Messdiener sind Metapher für Prochaskas späteres Werk, auch wenn der kleine Guntram lernen mußte, die Kirche mit einem andern, skeptischen Blick zu sehen und er Turnen immer mehr als Wettkampf verstand.   Guntram Prochaska war auf keiner Kunstakademie. Er lernte nach der Schule Modellbauer und arbeitete als Bühnenbildner. Das Schicksal der meisten jungen Männer teilte auch er. Er mußte zur "Bundesweh" – das "r" meidet Prochaska bewußt. Danach landete er in München und Wien, entwarf dort Bühnenbilder, traf mit Friedensreich Hundertwasser und Ernst Fuchs zusammen, mit denen er viele Gespräche führte. Mitte der 70er Jahre zog Prochaska in die Pfalz, tourte mit der "Spontiband" und spielte typische Musik der 70er Jahre, Rock, Jazz und was man früher "Fusion" nannte – eine Mixtur aus allem mit Fantasie texten.

Auf die Idee, mit der Säge zu arbeiten, kam Prochaska in der Sahara. In einer Zeit, "als die Ethnoschiene gerade entdeckt wurde", zog er ein Jahr durch Nordafrika und lernte einheimische Künstler kennen. Nach und nach begann er, seine typischen archaisch-totemistischen Figuren zu entwerfen. "Die Natur ist die größte Ressource, die wir hatten", sagt Prochaska, und zurück in Deutschland engagierte er sich bei Greenpeace und machte mit seinen Kettensägearbeiten beispielsweise bei den "Retten den Rhein"-Aktionen" mit. Prochaska ist ständig unterwegs. Um neben der Kunst Geld zu verdienen, überführte er früher für Mercedes-Benz LKWs nach Griechenland, Iran oder Irak; er organisierte Trekkingreisen, aber immer mit dem Hintergedanken "Vor-Ort-Arbeiten" zu schaffen – heute stehen seine Skulpturen in 40 Ländern. Mit besonderer Vorliebe zieht es ihn in Krisengebiete, z.B. in die Sahelzone, nach Kolumbien, Venezuela oder Kroatien, dorthin, wo es keine kulturelle Infrastruktur gibt, "wo ich bei Null anfangen muß". In Kroatien beispielsweise entstanden aus zwei im Krieg abgefackelten Bäumen während einer Performance auf dem Marktplatz zu lauter Techno-Musik zwei Figuren, "Brüderlein und Schwesterlein", eine Figur ist serbisch, eine kroatisch. Ich wollte mit dieser Aktion klar machen, daß es auch im Krieg Kultur geben kann", sagt Prochaska. Kürzlich "emigrierte" er für einige Monate nach Florida und hinterließ seine Figuren in Parks und in Vorgärten – die amerikanische Presse reagierte begeistert. Wenn Prochaska den "jungfräulichen" Baumstamm vor sich hat "digitalisiert" sich in seinem Kopf ein Gesamtbild, beeinflußt durch die individuelle Gestalt und Maserung des Holzes. Manches ist weicher, manches härter, manches hat Astlöcher, Krümmungen etc. "Ich erschrecke das Holz mit der Säge so sehr, daß es freiwillig seine Form preisgibt", sagt er. Jeder Schritt muß sitzen, die Figuren sind schroff, kompromisslos. Die Kettensäge ist für ihn alles andere als ein Werkzeug, das zerstört. "Sie ist so sanft, daß du damit die Fingernägel feilen kannst". Prochaskas Kunst ist eine Form von Zen – "andere Menschen können virtuos mit Autos oder mit Computern umgehen". Wenn er seinen Kopfhörer und seine Brille aufgesetzt hat, ist er von der Außenwelt abgeschirmt und "Beim Schöpfen spricht man nicht".

Der Wald ist Prochaskas zweite Heimat. Hier sucht er seine "Ästlen und Stöcklen, mit denen er die Welt stützt". "Land-art" nennt der Badener seine monumentalen Kunstwerke, die aus entwurzelten Bäumen entstehen. Er liebt seine Werke am liebsten derb, bodenständig, natürlich. Er ist naturverbunden, ohne jenen oft blutleeren, ökologischen Absolutheitsanspruch zu erheben. Seine Bildschöpfungen, wie er die kraftvollen Werke gern nennt, müssen ihm am Ende ihres Entstehungsprozesses selbst gefallen. Nur so bleibe seine Intention, mit den Kräften der Natur das Leben zu bewältigen und positiv zu verändern glaubwürdig, sagt Prochaska. (Guntram Prochaska, Rosina Reim)

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Johann Drabek – Die Legende

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Johann Drabek leitete als Dirigent den Musikverein Röttingen seit seiner Gründung im Jahre 1956 bis zum 30jährigen Jubiläum 1986.

Biographie   Johann Drabek wurde am 8. August 1914 in Kutscherau/Wischauer Sprachinsel in der Tschechoslowakei als jüngstes von sechs Kindern geboren. Bereits acht Wochen nach seiner Geburt starb sein Vater im Ersten Weltkrieg an der russischen Front.

Er besuchte die Volks- und Bürgerschule und legte nebenbei noch Hand in der Landwirtschaft seiner Eltern an, wobei er sich schon heimlich im Musizieren übte. Mit 14 Jahren nahm Johann Drabek dann regelmäßig an einem Unterricht für Blasmusik beim Leiter der Kutscherauer Musikkapelle teil. Als er mit 22 Jahren zur tschechischen Wehrmacht einberufen wurde, erkannte man dort sofort das große musikalische Talent dieses jungen Mannes, so dass er in der Regimentskapelle seine beachtlichen Kenntnisse vertiefen konnte. Im Jahre 1939 verheiratet er sich mit seiner Frau Elisabeth und übernahm den elterlichen Hof. Doch schon zwei Jahre danach wurde dieser in den Zweiten Weltkrieg verwickelt, wo er als Soldat im Jahre 1945 in Italien in englische Gefangenschaft geriet, die er in Suez/Ägypten verbrachte. Bis zu seiner Entlassung, die zwei Jahre später erfolge, spielte er dort in einer Kapelle der englischen Prominenz auf. Durch die Vertreibung seiner Familie, die hier eine neue Heimat gefunden hatte, kam er nach Röttingen. Durch harte Arbeit und unter vielen Entbehrungen baute Johann Drabek sich innerhalb kürzester Zeit eine neue Existenz auf.

Doch der Gedanke, einmal eine Musikkapelle im Dorf zu haben, ließ ihn nicht los. So kam es, dass er im Jahre 1956 einige junge Männer zur Ausbildung an einem Musikinstrument beieinander hatte. Er ließ sich durch die vielen Krisen, die die Kapelle, besonders im Anfangsstadium, erschütterten, nicht entmutigen und machte immer wieder weiter. Während der ganzen Jahre stellte Johann Drabek keine materiellen Forderungen, d.h. er hat nie Geld für seine Anstrengungen und Dienste genommen ihm bereitete es die größte Freude, wenn das Musizieren und die Kameradschaft "klappte" und die Musikproben gut besucht waren. Auch ist seine Anpassungsfähigkeit bemerkenswert, wenn man sieht, dass er mit allen Musikern, ob jung oder alt, hervorragend zurechtgekommen ist. Uneigennützigkeit und Bescheidenheit, aber auch eine gewisse Strenge, die er ab und zu ausstrahlt sowie der große Rückhalt seiner Frau machten Ihn zu einem einzigartigen wertvollen Menschen. Er war ein Mensch, der von der Musik und für die Musik lebte. Jeder Dank, egal welcher Art, wäre zu wenig für diese Pionierstat unseres Dirigenten Johann Drabek.

Johann Drabek verstarb im Jahre 1988. Bis dahin war er immer aktiv und engagiert beim Musikverein dabei. Ihm ist es zu verdanken, dass das kulturelle Leben in Röttingen durch den Musikverein Röttingen bereichert wurde.  (www.roettingerblasmusik.de)

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Hofrat Dr.Julius Ritter von Wiesner

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Wiesner wurde am 20. Januar 1838 in Tschechen in der Wischauer Sprachinsel geboren und erhielt am 6. Juni 1840 in Altbrünn die Taufe. Sein Vater Karl war zuerst Bestandsmann und Pächter in Tschechen, welches damals zum Augustinerkloster in Altbrünn gehörte, übersiedelte später nach Brünn und betrieb ein ausgedehntes Speditions- und Kommissionsgeschäft und versah auch die Zollagentie in Brünn. Schon als Gymnasiast in Brünn hatte er besondere Vorliebe für die Naturwissenschaften und gab als künftigen Beruf "Feldapotheker" an. Während seiner Studien in Brünn lenkte er 1854 als 16jähriger Student die Aufmerksamkeit auf sich, indem er eine sehr beachtenswerte wissenschaftliche Arbeit für den Jahresbericht der Schule lieferte. 1856 - 1858 ist er auch Hörer der k.k. technischen Lehranstalt in Brünn und setzte die Studien an der Wiener Universität fort. Er lebte vom Stundengeben, da sich die Vermögensverhältnisse seines Vaters verschlechterten und der Unterstützung durch seinen älteren ledigen Bruder JUDr. August Wiesner (geb. in Tschech am 10. August 1836, gest. Wien 14. Juni 1911). Im Jahre 1860 promovierte er als Doktor der Philosophie und habitilierte sich als Dozent für psysiologische Botanik am polytechnischen Institut in Wien, wo er auch bald darauf außerordentlicher Professor wurde.

In der weiteren Folge kam er als Professor an die damalige Forstakademie in Mariabrunn bei Wien und übernahm 1872 als Nachfolger Ungers und Karstens die Lehrkanzel für Anatomie und Physiologie an der Wiener Universität, blieb aber gleichzeitig durch einige Jahre Honorardozent für Warenkunde an der Wiener technischen Hochschule. Die hervorragende wissenschaftliche, in vieler Beziehung bahnbrechende Tätigkeit, des Begründers der technischen Rohstofflehre und technischen Mikroskopie, hatte frühzeitig einen Weltruf erlangt und wurde 1907 vom Professorenkollegium der Brünner deutschen technischen Hochschule durch die Verleihung des Ehrendoktorates besonders gewürdigt. Der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien gehörte Wiesner seit 1872 als korespondierendes, ab 1882 als wirkliches Mitglied an. Schon 1867 erhielt er für seine Beteiligung an der Pariser Weltausstellung das goldene Verdienstkreuz mit der Krone, wurde 1907 zum k.k.Hofrat ernannt und gleichzeitig bekam er das Ritterkreuz des österr. Leopoldordens verliehen. Wiesner hatte die Ehrendoktorate der technischen Wissenschaften von den Hochschulen in Wien und Brünn, der Medizin von der Universität Upsala, der Rechte von der Universität in Glasgow, die Mitgliedschaft der Akademien in Berlin, Paris, München, Rom, Göttingen, Upsala und Christiania.

Seine zahlreichen Forschungsreisen führten ihn durch alle Zonen der nördlichen Halbkugel bis nach Spitzbergen. Längeren Aufenthalt nahm er in Italien, Ägypten, Ostindien und Java. In den Jahren 1898 bis 1899 bekleidete er die Würde eines Rektor Magnificus der Wiener Universität, 1903 feierte er sein 30jähriges Professorenjubiläum zu dem ihm seine Schüler das Werk "Wiesner und seine Schule" widmeten, zu welchem Hofrat Professor Dr. Hans Molisch die Vorrede schrieb. Unter großen Ehrungen vollendete Wiesner sein 70. Lebensjahr und konnte schon damals auf die stattliche Zahl von 213 wissenschaftlichen Arbeiten zurückblicken.Als er dann 1909 in den Ruhestand trat, wurde er in den erblichen österreichischen Ritterstand erhoben, auch war er lebenslängliches Mitglied des österr. Herrenhauses. Auch während seines Ruhestandes war er stets eifrig tätig und noch zahlreiche wissenschaftliche Abhandlungen stammen aus dieser Zeit.

Am 9. Oktober 1916 starb Hofrat Ritter von Wiesner im Alter von 79 Jahren. Die Einsegnung fand im IX. Bezirk Wiens in der Servitenkirche Maria Verkündigung statt. (Mähr.-Schles.-Heimathefte Nr. 3, Brünn)

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Anton Czapka  -  ein Mensch der Tat

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In den deutschen Sprachinseln im Osten war durch den Kampf um das eigene Volkstum das Gespür für Not und das Bestreben zu helfen, schon immer groß. Was lag also näher, als daß ein "Sprachinsler" mit großen angeborenen Fähigkeiten sich der Erziehung Behinderter annahm?

Vor 700 Jahren kamen deutsche Menschen aus der Gegend der Donauquellen vom Böhmenkönig Premysl Ottokar II gerufen - nach dem Osten und wurden in der Nähe von Brünn angesiedelt. Einer ihrer Nachkommen war Anton Czapka, geboren am 13.9.1880 in Rosternitz, Wischauer Sprachinsel, als Sohn des Bauern Martin Czapka und seiner Ehefrau Barbara. Der Vater starb, als Anton in die erste Volksschulklasse ging. Nun begannen trübe Zeiten für die Mutter und deren Töchter Christine, Therese und den kleinen Toni, denn die viel älteren Kinder aus des Vaters erster Ehe waren der Stiefmutter nicht wohlgesonnen, setzten sie ins Ausgedinge und bestimmten, daß Anton bei seinem ältesten Stiefbruder Knecht werden solle. Doch sein sehnlichster Wunsch war, Lehrer zu werden. Die Mutter hielt zu ihm und setzte es durch, daß er nach der Volksschule in Rosternitz und der Bürgerschule in Wischau die Aufnahmeprüfung an der Lehrerbildungsanstalt in Brünn machen konnte. Um Kost und Quartier bezahlen zu können, sparte sie sich das Geld vom Munde ab; erst ein Stipendium, das die Regierung dem Studenten für seinen Fleiß gewährte, entlastete sie. Auch Nachhilfestunden bei reichen Kommilitonen halfen weiter, denn dort durfte Anton sich wenigstens satt essen.

Nach bestandener Abschlußprüfung wurde Anton Czapka am 1.9.1899 "provisorischer Lehrer", ab 1901 "definitiver Lehrer" an der Volksschule in Seletitz bei Znaim. Die Hälfte seines - damals noch sehr bescheidenen - Gehalts schickte er jeden Monat seiner Mutter als Dank für ihre Aufopferung. Auf einer Bahnfahrt trat für Anton ein bedeutsames Ereignis ein. Er lernte den Direktor der Taubstummenanstalt in Brünn kennen, der ihm vorschlug, Taubstummenpädagoge zu werden. Und er wurde es! Die Ausbildung erfolgte durch den Direktor, denn eine eigene Fachausbildung gab es damals noch nicht. Auch wurde ihm ein mehrere Monate dauernder Aufenthalt in Deutschland gewährt und finanziert, um an allen deutschen Taubstummenanstalten zu hospitieren und die dort schon übliche Lautsprache zu studieren, in Österreich war damals nur die Zeichensprache üblich. Besonders die Lautsprachevermittlung des Stuttgarter Johannes Vater beeindruckte Anton Czapka und wurde wegweisend für seine eigene Taubstummenerziehung. Die Arbeit an der Brünner Anstalt war nicht leicht, denn diese bestand nur aus einigen unzulänglichen Räumen. Da sich der Neubau einer deutschen Anstalt für Mähren-Schlesien verzögerte, errichtete Czapka seit 1907 auftragsgemäß einen Anstaltsbetrieb in Olmütz in gemieteten Räumen und in der alten Mauritzschule. Er unterrichtete alle Fächer der Volks- und Bürgerschule und auch Religion. Bei der alljährlichen Visitation durch den Olmützer Fürsterzbischof staunte dieser über die Lernerfolge und die guten Religionskenntnisse der Taubstummen, die er selbst befragte. Jedes mal erhielt Czapka ein eigenhändig von dem Kirchenfürsten geschriebenes Belobungsschreiben. Im Dezember 1913 konnte endlich die neu erbaute Taubstummenanstalt in Mährisch-Schönberg bezogen werden. Ein langer, steiniger Weg bis dahin hatte sich gelohnt. Direktor Felzmann leitete die Anstalt, bis 1914 Anton Czapka sie übertragen bekam. Der erste Weltkrieg unterbrach leider seine Berufsarbeit. An der italienischen Front machte er die mörderischen Schlachten am Isonzo und an der Piave mit, kehrte im November 1918 als Leutnant in die Heimat zurück, die nun ein Teil der neugegründeten Tschechoslowakei war. 1919 wurde der Anstaltsbetrieb wieder aufgenommen, ab 1. Februar 1919 wurde Czapka Direktor der Anstalt, welche Funktion er bis zu seiner Pensionierung inne hatte. Am 27.4.1920 heiratete er die Tochter Olga des Bräuhausbesitzers Nosef Nößner in Bergstadt bei Römerstadt, am 4.3.1921 kam Tochter Helga, am 27.11.1923 Sohn Kurt zur Welt. Das Familienglück wurde sehr getrübt, als Kurt am 6.4.1938 an einer Blutvergiftung starb.

Der Beruf war meinem Vater Berufung. All sein Sinnen und Trachten galt der Heranbildung und dem Wohlergehen "seiner" taubstummen Kinder. Zusammen mit den tüchtigen Erzieherinnen und Erziehern. Außer dem Schulwissen erlangten sie gute Umgangsformen und freundliches Benehmen, so daß sie im späteren Leben nirgendwo Schiffbruch erleiden mußten. Durch das Erlernen des Ablesens vom Munde und des Sprechens waren sie befähigt, später für sich selbst zu sorgen. Nach 8 Jahren Schulbesuch wurden sie entlassen und konnten nun je nach Neigung und Fähigkeit einen Beruf erlernen. Bei einer Berufswahl wurden die Zöglinge beraten und mein Vater setzte sich bei den Handwerksmeistern oder auch Lehrern weiterführender Schulen für die Gehörlosen ein und erklärte, wie sie zu behandeln sind. Eine deutliche Aussprache (Artikulation) bei guter Beleuchtung ist Voraussetzung, daß ein Taubstummer vom Munde ablesen kann. Bei Gerichtsverhandlungen trat mein Vater als Dolmetscher für Taubstumme ein, um Verständigungsschwierigkeiten in Rechtsangelegenheiten zu bereinigen. Der Internatsbetrieb für 100 und mehr Kinder lief reibungslos und so vorbildlich, daß auch die tschechische Regierung Anerkennung zollte. Seit Herbst 1939 zehrte die schwere Krebserkrankung an den Kräften meines Vaters so sehr, daß er um vorzeitige Pensionierung ansuchte, der auch 1941 stattgegeben wurde. Auch auf dem Krankenlager interessierte er sich für die Erziehungsarbeit an den vom Schicksal hart betroffenen Gehörlosen und litt darunter, daß sie wegen der Ausweitung des Zweiten Weltkriegs nach Leitmeritz in Böhmen verlegt wurden, da dieAnstalt wieder, wie schon im Ersten Weltkrieg, Lazarett wurde. Im Dezember 1941 trat durch die Bewilligung des Regierungspräsidenten die Änderung des Familiennamens Czapka in den Familiennamen Bernard in Kraft. Anton Bernard wurde am 8. Juni 1943 von den Qualen durch die schreckliche Krankheit und das seelische Leid um den Zweiten Weltkrieg erlöst. Er fand seine letzte Ruhestätte neben Sohn Kurt in der Familiengruft in Mährisch-Schönberg. Ein gutes Geschick hatte ihn davor bewahrt, das Zerbrechen seines Lebenswerkes am Ende des unseligen Krieges zu erleben.

Geschichte der Taubstummenanstalt in Mährisch-Schönberg

Dem Bericht einer Taubstummenlehrertagung in Wien vom April 1911 ist zu entnehmen: Im Kronland Mähren bestand bis zum Jahre 1894 bloß eine einzige private Taubstummenanstalt, das Mährisch-schlesische Taubstummeninstitut in Brünn. Hier wurde bis zum Jahre 1894 böhmisch (d.h. tschechisch) und deutsch unterrichtet. Da in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie allgemeine Schulpflicht bestand, meldeten alljährlich die Eltern taubstummer Kinder diese der Anstalt, mußten aber wegen Raummangels in großer Zahl abgewiesen werden. Das die Anstalt leitende Kuratorium unter Führung des Oberkurators Grafen Dubsky verfaßte ein Memorandum betreffend die Unhaltbarkeit der bestehenden Taubstummenbildungsverhältnisse und leitete dies der mährischen Statthalterei zu. Nun endlich wurde eine Zählung der im schulpflichten Alter stehenden Taubstummen des Landes durchgeführt. Für die große Zahl der böhmischen (tschechischen) Taubstummen wurde auf Grund der Empfehlung der Enquete-Kommission der Bau zweier Taubstummenanstalten für je 100 tschechische Kinder in Eibenschitz und in Leipnik bewilligt, welche im Jahre 1894 eröffnet worden sind. Eine dritte tschechische Anstalt wurde 1907 bewilligt und in Wallachisch Meseritsch errichtet. Dank der Bemühungen des deutschen Brünner Anstaltsdirektors Herrn Felzmann stand auch der Bau einer deutschen Taubstummenanstalt bevor. So weit die Ausführungen auf der Wiener Tagung.

Zunächst aber - 1907 - übersiedelte die deutsche Abteilung der Brünner Anstalt nach Olmütz, wo "Auf der Pilten" zwei Häuser gemietet wurden und der junge Taubstummenfachlehrer Anton Czapka, geboren in Rosternitz,  den Auftrag bekam, mit seiner Klasse den Grundstein der neuen Anstalt zu legen. Jedes Jahr kam eine neue Klasse hinzu, es mußten weitere Räume gemietet werden. Endlich wurde der Neubau einer deutschen Taubstummenanstalt bewilligt. Die nordmährische Stadt Mährisch-Schönberg schenkte einen wunderschön gelegenen Bauplatz an der Peripherie der Stadt in der Mühlfeldstraße, ungefähr 1,75 ha groß. Im Norden durch den teils bewaldeten Krönesberg geschützt, beherrscht das Gebäude weithin die Umgebung und aus den Fenstern bieten sich dem Auge herrliche Landschaftsbilder. In den Jahren 1911bis 1913 wird die Anstalt in Stahl-Beton-Ausführung gebaut, von der Wiener Firma Pittel & Brausewetter. Am 12. Oktober 1913 wird die Landestaubstummenanstalt in Mährisch-Schönberg ihrer Bestimmung übergeben. Die Eröffnungsfeier am 11. Dezember 1913 fand in Anwesenheit des Landeshauptmann - Stellvertreters Josef Jelinek des Statthaltereirates Franz Kärger und des Bürgermeisters Dr. Woelheim statt. Zum Leiter der Anstalt wurde Direktor Felzmann bestellt, bevor Fachlehrer Anton Czapka sein Nachfolger wurde. Als dieser am 1. April 1915 zum Militärdienst einrückte, wurde er von Direktor Felzmann vertreten. Nach Ausbruch des ersten Weltkrieges 1914 wurden die Lehrer, die Aufsichtsbeamten, der  Gärtner und der Hausmeister zu den Waffen gerufen. So mußten die Zöglinge zu den Eltern zurückkehren. Die Anstalt wurde "Reservespital des Roten Kreuzes". Das Gebäude mit seinen Einrichtungen wurde von kompetenter Stelle wiederholt als "Musterspital" bezeichnet. Nach Beendigung des ersten Weltkrieges und Errichtung der Tschechoslovakei (28. Oktober 1918) wurde Anfang 1919 die Taubstummenanstalt wieder eröffnet. Anton Czapka als Direktor führte mit Umsicht und großerTatkraft, im Verein mit den Lehrern und Erziehern, den Anstaltsbetrieb. 100 und mehr Kinder fanden in der Anstalt bequen Platz. Die taubstummen Kinder wurden, wie schon in Brünn, nach der Lautsprachmethode von Johannes Vatter (Stuttgart) unterrichtet. In mühevoller Arbeit am einzelnen Kinde wurde diesem das Artikulieren beigebracht, das heißt, das Aussprechen der einzelnen Laute, indem es zum Ablesen vom Munde des Lehrers und zum Nachahmen angeregt wurde. Gleichzeitig lernte es die Buchstaben schreiben. War diese Hauptarbeit geschafft, dann lernte der Schüler alle Unterrichtsgegenstände der vollsinnigen Schüler, natürlich außer Fremdsprachen und Singen. Die Zöglinge erlernten eine einfache Umgangssprache und konnten sich mit den hörenden Mitmenschen sprachlich gut verständigen. Beim Ablesen vom Munde des Gesprächspartners muß dieser langsam und deutlich sprechen. Nach 8 Jahren Pflichtschule wurden die Kinder entlassen und konnten nun eine Berufslehre absolvieren. Schon in der Internatszeit bestand die Möglichkeit und wurde von den Kindern in der Freizeit gerne ergriffen, sich in verschiedenen Handwerksberufen in der Anstalt umzusehen: in der Schusterei, Tischlerei, Schneiderei, Buchbinderei, Modellierwerkstatt; die Mädchen in der Schulküche, im Näh- und Handarbeitszimmer. Besonders gern und teilweise recht gut spielten die Knaben Schach und die Mädchen bemalten Ostereier geschmackvoll.

Nach dem Anschluß des Sudetenlandes an das Deutsche Reich im Oktober 1938 wurde die Taubstummenanstalt in Gaugehörlosenschule mit Heim umbenannt. Direktor Anton Bernard-Czapka (Namensänderung) ging wegen seiner schweren Krebserkrankung 1941 vorzeitig in Pension. Herr Taubstummenoberlehrer Robert Krumei wurde nun Direktor. (Helga Franz, Tochter)